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Dreizehn von Hohlbein, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2017
  • Verlag: Verlag Carl Ueberreuter
eBook (ePUB)
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Dreizehn

Die Zahl 13 ist für die 12jährige Anne-Mary, von allen nur Thirteen genannt, immer schon schicksalhaft gewesen und scheint ihr ganzes Leben zu durchdringen. Als Vollwaise wird sie zu ihrem unbekannten Großvater nach Hamburg geschickt, und schon bald merkt sie, dass nicht nur das Verhalten des alten Mannes viele Rätsel aufwirft. Zusammen mit ihrem Freund Frank erkundet Thirteen schrittweise die düsteren Labyrinthe des Hauses, die ein grauenhaftes Geheimnis enthalten. Nun muss sie erkennen, dass es mehr als eine einzige Realität gibt... Wolfgang Hohlbein wurde 1953 in Weimar geboren. Gemeinsam mit seiner Frau Heike verfasste er 1982 den Fantasy-Roman 'Märchenmond', der den Fantasy-Wettbewerb des Verlags Carl Ueberreuter gewann. Das Buch verkaufte sich bislang weltweit 4,5 Millionen Mal und beflügelte seinen Aufstieg zum erfolgreichsten deutschsprachigen Fantasy-Autor. Wolfgang Hohlbein lebt mit seiner Familie in der Nähe von Düsseldorf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 31.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783764191702
    Verlag: Verlag Carl Ueberreuter
    Größe: 2247 kBytes
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Dreizehn

2

Das Haus verbarg sich hinter einer hohen, von Stacheldraht und spitzen Glasscherben gekrönten Mauer, die aus uralten, schweren Steinquadern bestand. Irgendwann vor langer Zeit einmal war sie verputzt und weiß gestrichen worden, aber der Mörtel war zum größten Teil wieder abgebröckelt, und wo sich noch Reste befanden, war die Farbe verblichen und wirkte schmutzig und grau.

"Tja", sagte Frank, wobei er einen Seitenblick auf das fleckige Emailleschild neben dem Tor warf, "allmählich beginne ich zu verstehen, wie du zu deinem Namen gekommen bist."

Thirteens Blick folgte automatisch dem Franks, aber sie brauchte eine Sekunde, um überhaupt zu begreifen, wovon er sprach. Auf dem gut zwanzig Zentimeter großen Schild stand eine verschnörkelte Dreizehn. Für sie war diese Hausnummer so selbstverständlich gewesen, dass sie gar nicht mehr darüber nachgedacht hatte. Natürlich wohnte ihr Großvater in einem Haus, das die Nummer dreizehn trug. Wo denn sonst?

"Worauf wartest du?" Frank deutete zum Tor. Es war geschlossen, aber Thirteen gab sich einen Ruck und trat darauf zu. Mit einer entschlossenen Bewegung schob sie das schmiedeeiserne Tor auf und trat hindurch. Die rostigen Angeln quietschten, als wären sie seit fünfzig Jahren nicht mehr bewegt worden, und das Geräusch jagte Thirteen einen Schauer über den Rücken. Sie blieb stehen und sah sich nach Frank um.

Ihr neuer Freund war zwei Schritte hinter ihr und sah sie fragend an, machte aber keine Anstalten, ihr zu folgen.

"Worauf wartest du?", fragte Thirteen.

"Ich habe nur versprochen, dich herzubringen", antwortete Frank. "Das habe ich getan."

"Und jetzt willst du wieder zurück nach Hamburg? Mitten in der Nacht?", fragte Thirteen ungläubig. "Du bist verrückt!"

"Das da drinnen geht mich nichts an", antwortete Frank. "Es ist dein Großvater, nicht meiner. Ich bin wildfremd für ihn."

Das bin ich auch , dachte Thirteen. Laut und mit Nachdruck sagte sie: "Blödsinn. Du kommst mit! Er wird uns schon nicht mitten in der Nacht davonjagen."

Frank machte ein Gesicht, als bezweifle er das, aber er widersprach nicht, sondern hob nur die Schultern und setzte sich in Bewegung. Nebeneinander gingen sie den gewundenen Weg hinab, der tiefer in den verwilderten Garten hineinführte. Thirteen wurde schon nach ein paar Schritten richtig unheimlich zumute. Es gab nicht viele Bäume, aber eine Unzahl von Büschen, Sträuchern und anderen Gewächsen, die beiderseits des Weges zu einer schier undurchdringlichen Mauer zusammengewachsen waren, sodass sie von ihm nicht hätten abweichen können, wenn sie es gewollt hätten. Selbst auf dem Weg zu bleiben erwies sich schon als schwierig genug: Das Unterholz streckte wuchernde Äste und Wurzeln gleich knorrigen Fingern weit heraus, und im Dunkeln war es gar nicht so einfach, darüber hinwegzusteigen und nicht zu stolpern.

"Was immer dein Großvater auch sein mag", sagte Frank mit halblauter Stimme, "eines ist er ganz sicher nicht: ein talentierter Hobbygärtner."

Thirteen lachte leise, aber das Lachen klang ebenso falsch, wie es Franks lahmer Scherz gewesen war, der ohnehin nur den Zweck gehabt hatte, seine eigene Nervosität zu überspielen. Dieser verwilderte Garten wirkte abweisender als alles, was Thirteen jemals zuvor gesehen hatte. Sie fragte sich, was für ein Mensch es sein musste, der in einer solchen Umgebung lebte.

Vielleicht ein sehr alter Mensch , flüsterte eine Stimme in ihren Gedanken, der einfach nicht mehr in der Lage ist, seinen Garten in Ordnung zu halten .

Der Gedanke wirkte ziemlich ernüchternd und zugleich schämte sie sich auch ein bisschen. Sie musste aufpassen, dass sie sich nicht in etwas hineinst

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