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Ein Meer aus Tinte und Gold (Das Buch von Kelanna 1) von Chee, Traci (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.10.2016
  • Verlag: Carlsen Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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Ein Meer aus Tinte und Gold (Das Buch von Kelanna 1)

Von der Magie des Lesens Seit Sefias Vater ermordet wurde, kämpft sie mit ihrer Tante Nin ums Überleben. Aber dann wird Nin entführt und die einzige Spur zu ihr ist ein Buch: ein scheinbar nutzloser Gegenstand in einem Land, in dem fast niemand um die Existenz des geschriebenen Wortes weiß. Doch kaum berührt Sefia das makellose Papier, spürt sie eine magische Verbundenheit und lernt die Zeichen zu deuten. Das führt sie auf eine gefährliche Reise - und an die Seite eines stummen Jungen, der selbst voller Geheimnisse steckt. Band 1 einer packenden Fantasy-Trilogie, in der Realität und Fiktion miteinander verschmelzen. Für Fans von 'Die Seiten der Welt' und 'Tintenherz' Alle der Bände der meisterhaft erzählten Serie: Ein Meer aus Tinte und Gold Ein Schatz aus Papier und Magie Die Schlacht um Wörter und Blut Traci Chee studierte Literatur und Kreatives Schreiben in Santa Cruz und San Francisco. Sie liebt Buchkunst, Kunstbücher und Gedichte, versucht sich aber auch im Klavierspielen und der Eiermalerei. Mit ihrem blitzschnellen Hund lebt sie in Kalifornien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 20.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646928051
    Verlag: Carlsen Verlag GmbH
    Originaltitel: The Reader
    Größe: 4232 kBytes
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Ein Meer aus Tinte und Gold (Das Buch von Kelanna 1)

1. KAPITEL
EIN DIEBSTAHL UND SEINE FOLGEN

Rotröcke waren auf der Straße. Auf dem Kiesweg, der durch den dichten Dschungel führte, wimmelte es von Menschen, und die Soldaten aus Oxszini ritten hoch über dem Fußgängerstrom wie adelige Herren in einer Parade: die edlen roten Jacken makellos, blitzblank die schwarzen Stiefel. Die Schwerter und Gewehre an ihren Hüften funkelten im grauen Morgenlicht.

Alle rechtschaffenen Bürger wären über ihren Anblick erfreut gewesen.

"Das ist nicht gut", knurrte Nin und verlagerte das Gewicht der vielen Felle in ihren Armen. "Gar nicht gut. Ich dachte, in einer so kleinen Stadt wie dieser könnten wir unbemerkt bleiben, aber da habe ich mich wohl getäuscht."

Sefia kauerte neben ihr im Unterholz und beobachtete die Leute mit ihren Körben oder klappernden Wagen, die mit Säcken für die Babys ausgelegt waren. Eltern riefen mahnend ihre dreckverschmierten Kinder zurück, sobald sie sich zu weit entfernten. In ihren verschlissenen Kleidern hätten Sefia und Nin sich leicht unter das Volk mischen können, wären da nicht die Rotröcke gewesen.

"Kommen die unseretwegen her?", fragte Sefia. "Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Neuigkeit so schnell verbreitet."

"So etwas spricht sich schnell herum, wenn man ein derart hübsches Gesicht hat wie ich, Mädchen."

Sefia kicherte. Nin hätte ihre Großmutter sein können - sie war kräftig, hatte verfilzte Haare und eine Haut wie gegerbtes Leder. Schönheit war nicht das, was sie auszeichnete.

Nein, Nin war eine Meisterin des Verbrechens und hatte magische Hände. Äußerlich war nichts Besonderes an ihnen, aber sie konnte mit dem Hauch einer Berührung ein Armband von der Hand einer Frau gleiten lassen. Schlösser öffnete sie mit einer unmerklichen Bewegung ihrer Finger. Um Nin wirklich zu sehen, musste man ihren Händen bei der Arbeit zuschauen. Ansonsten erinnerte sie in ihrem Reisemantel aus Bärenfell eher an einen Lehmhügel: braun und trocken, als könnte sie in der feuchten Luft des Regenwaldes jederzeit zerbröckeln.

Seit sie aus ihrer Heimat Delienne geflohen waren, dem nördlichsten von Kelannas fünf Inselreichen, waren sie von einem Land zum anderen gezogen und hatten sich von dem ernährt, was die Wildnis hergab. Doch in den härtesten Wintern, wenn es nicht viel zu sammeln und noch weniger zu jagen gab, hatte Nin Sefia beigebracht Schlösser zu knacken, Leute zu beklauen und sogar ganze Schinkenkeulen zu stehlen, ohne dass jemand etwas merkte.

Sechs Jahre lang waren sie nicht erwischt worden.

"Hier können wir nicht bleiben." Seufzend hob Nin die Felle hoch. "Die hier müssen wir im nächsten Ort abladen."

Sefia hatte ein schlechtes Gewissen. Schließlich war das alles ihre Schuld. Wäre sie vor zwei Wochen nicht so übermütig gewesen, wären sie nicht aufgefallen. Doch sie war dumm gewesen, sich ihrer Sache zu sicher. Sie hatte versucht ein Tuch zu stehlen - viridingrün mit goldenem Paisleymuster, viel feiner als ihr verblichenes rotes -, aber der Händler hatte sie erwischt. In letzter Sekunde hatte Nin das Tuch in ihre eigene Tasche gesteckt und die Schuld auf sich genommen. Sie hatten die Stadt mit den Rotröcken auf den Fersen verlassen.

Das war knapp gewesen. Jemand hätte Nin erkennen können.

Und jetzt mussten sie Oxszini verlassen, das Waldkönigreich, das über ein Jahr lang ihr Zuhause gewesen war.

"Das könnte ich doch übernehmen", sagte Sefia und half Nin auf.

Nin sah sie mürrisch an. "Zu gefährlich."

Sefia zupfte am obersten Fell in Nins Armen. Die Hälfte der Tiere hatte sie erlegt und gehäutet. Es waren genug, um damit die Überfahrt von Oxszini zu bezahlen, falls sie es je in die Stadt schafften und sie verkaufen konnten. Sefia packte die Riemen ihres Rucksacks. Nin hatte all die Jahre dafür gesorgt, dass sie in Sicherheit waren. Jetzt war Sefia an der Reihe.

"Abwarten ist vielleicht noch gefährlicher", sagte sie.

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