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Ein Zuhause für immer von Lewis, Gill (eBook)

  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
12,99 €
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Ein Zuhause für immer

Eine anrührende Familiengeschichte Wenn das Jugendamt vorbeikommt, räumt Scarlet die ganze Wohnung auf – nur ihr eigenes Zimmer macht sie unordentlich, damit es authentischer wirkt. Und auch sonst führt Scarlet kein normales Teenagerleben. Sie kümmert sich um ihren autistischen Bruder Red, für den sie die einzige Bezugsperson ist. Das geht so lange gut, bis ihre Mutter mit einer Zigarette in der Hand einschläft. Zwar werden alle aus der brennenden Wohnung gerettet, doch nun werden die Geschwister getrennt. Scarlet kommt in eine liebevolle Pflegefamilie. Aber wo ist Red? Scarlet weiß genau, dass ihr Bruder ohne sie verloren ist. Schon als Kind betrieb Gill Lewis im elterlichen Gartenschuppen ein Tierkrankenhaus, in dem sie Mäuse, Vögel und andere Kleintiere verarztete. Später studierte sie Tiermedizin und war als Tierärztin tätig. Heute ist sie freischaffende Autorin und lebt mit ihrer Familie in Somerset. Ihr erster Roman, "Der Ruf des Kulanjango", erschien auf Anhieb in 20 Sprachen. Mehr über die Autorin auf www.gilllewis.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423432283
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: Scarlet Ibis
    Größe: 1656 kBytes
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Ein Zuhause für immer

"Scarlet ... wach auf!"

Ich spüre, wie mir die Decke weggezogen wird. Ich halte sie fest und vergrabe meinen Kopf im Kissen.

"Scarlet!"

Ich öffne die Augen und versuche, den Schlaf wegzublinzeln. Der Digitalwecker zeigt 6 : 15 . "Schlaf weiter, Red", sage ich. "Viel zu früh!"

Red zieht mir die Decke weg. Er hüpft auf der Stelle und kann nicht stillhalten. "Das Ei! Es ist so weit, Scarlet. Komm schon!"

Ich wickle mich in meine Decke ein und folge ihm in sein Zimmer. Draußen bringt eine blassgraue Dämmerung wieder Farbe über die Hausdächer. Ein leuchtend goldenes Band zwischen den Wolken kündigt die Sonne an.

Red geht am Fenster in die Hocke und presst die Nase gegen die Scheibe. "Scarlet, schau mal!"

Ich knie mich neben ihn und blicke in das Gewirr von Stöckchen und Plastikteilchen. Die Taubenmutter ist nirgendwo zu sehen, aber das kleine weiße Ei ist in zwei Hälften zerbrochen. Ich kann das Küken sehen, wie es zusammengekauert, zusammengedrückt und gequetscht in den Schalen liegt und Mühe hat, herauszuschlüpfen.

"Es klemmt fest, Scarlet!" Red öffnet das Fenster bis zum Sicherungsbügel und versucht, den Arm durch die schmale Lücke zu zwängen. "Es braucht Hilfe!"

Ich ziehe Red vom Fenster zurück. "Das schafft es schon, Red. Das Vögelchen muss das selbst machen." Ich wickle auch Red in meine Decke ein und wir sitzen beide da und beobachten, wie sich das Küken den Weg in die Welt freikämpft. "Siehst du?", sage ich und drücke Red fest an mich. "Der Kampf macht es stärker. Manchmal sind es Vögelchen wie das da, die später am höchsten fliegen."

Das Küken sieht nicht wie eine Taube aus, sondern irgendwie urzeitlich, wie eine eigenartige Mischung aus Ente und Dinosaurier, mit graurosa Haut, stummeligen, federlosen Flügeln und einem großen Schnabel. Es sitzt auf seinen Beinen, sperrt den Schnabel auf und will Futter. Selbst jetzt, wo es erst eine Minute alt ist, glaubt man kaum, dass es jemals in das kleine Ei gepasst hat. An Kopf und Körper kleben nasse Federchen, aber als die Sonne durch die Wolken bricht, trocknen die Federn zu einem orangefarbenen Flaum.

Ich lächle und stupse Red in die Rippen. "Weißt du, an wen mich das Vögelchen erinnert?"

Red runzelt die Stirn. "An wen?"

"An dich", sage ich.

Red beugt sich mit ernstem Gesicht näher zum Fenster. "Findest du wirklich?"

"Finde ich wirklich", sage ich. "Wir sollten es ebenfalls Red nennen."

Red beobachtet, wie das Küken versucht, mit seinen stummeligen Flügeln zu flattern. "Aber ich bin Red", sagt er und deutet auf das Vögelchen, "und er ist Little Red."

In meinem Zimmer plärrt der Wecker. "Es wird Zeit", sage ich, "mach dich für die Schule fertig."

Red murrt. "Heute nicht."

"Little Red wird es gut gehen, bis du zurück bist. Schau ... da kommt die Taubenmutter, um ihn zu füttern!"

Die Taubenmutter landet in einer Wolke aus Flaumfedern, stolziert den Fenstersims entlang, untersucht ihr Küken und befestigt das Nest mit Hölzchen. Red beobachtet, wie das Küken seinen Schnabel in ihren Rachen steckt und eine wässrige Flüssigkeit trinkt, die die Mutter aus ihrem Magen hochzieht. Das sieht unappetitlich aus, aber Red ist hingerissen.

"Komm jetzt, Red", sage ich, "Zeit, dich anzuziehen."

"Er könnte runterfallen", antwortet Red.

Das Nest klemmt in einer Ecke des Fenstersimses, einen kleinen Hüpfer von der Kante entfernt. "Tauben bauen ihre Nester schon seit Ewigkeiten an Häusern und Klippen", sage ich. "Ihm wird nichts passieren."

Ich helfe Red beim Zuknöpfen und Sockenanziehen und sehe anschließend nach Mum. Die Vorhänge sind zugezogen und sie schläft fest. Das Zimmer riecht nach abgestandenem Rauch, also öffne ich die Fenster, um ein bisschen frische Luft hereinzulassen. Der Aschenbecher auf dem Nachttischchen ist voller Zigarettenkippen. Als ich gestern ins Bett ging, war er

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