text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Engelmord Die Arena Thriller von Brömme, Bettina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.05.2014
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)

9,99 €

7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Engelmord

Melina ist auf der Suche nach ihrem Bruder Heiko, seit drei Jahren ist er verschwunden. Auf dem Hof einer religiösen Sekte findet sie ihn wieder, aber er scheint sie nicht mehr zu erkennen. Dann geschieht ein schrecklicher Mord an einer jungen Frau, der Heiko angelastet wird. Denn die Tote war Heikos geheime Freundin - eine verbotene Liebe innerhalb der Sekte. Melina glaubt an die Unschuld ihres Bruders. Doch jemand aus der Gemeinschaft will mit allen Mitteln verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt ...

Bettina Brömme wurde 1965 (rund und gesund) in Karlsruhe geboren, lebt mit ihrer Familie (glücklich) in München-Bullerbü. Nach (mäßigem) Abitur und (blaublutlastigem) Zeitschriftenvolontariat beim Burda-Verlag in Offenburg absolvierte sie (gemütlich) ein Diplomstudium der Germanistik, Journalistik und Kunstgeschichte in Bamberg. Dann (anstrengende) Ausflüge in die Filmproduktionswelt, (langjährige) zum Fernsehen und seit 1998 ist sie (gelegentlich pausierende) Schriftstellerin und (wiederkehrende) Autorin für TV, Hörfunk und Print, die sich die Adjektive nicht so recht abgewöhnen kann. Foto © Anna Iding

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 26.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401802305
    Verlag: Arena Verlag
    Größe: 2071 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Engelmord

2. Kapitel

U m fünf Minuten vor sechs beschließe ich, das Zimmer zu verlassen. Ich habe mich aufs Bett gelegt, aber schlafen konnte ich keine Sekunde. Immerhin hörte ich, wie sich der Hof langsam mit Leben füllte. Stimmen und schlagende Türen, ein Auto, lautes Grunzen, bestimmt von Schweinen.

Ich erreiche die Schwelle zum Haupthaus und in diesem Moment fällt mir etwas Schreckliches ein: Was, wenn mich das Mädchen vom Marktstand wiedererkennt? Heikos Kollegin. Bei dem Zirkus, den wir veranstaltet haben, hat sie bestimmt mitbekommen, wer meine Mutter und ich sind. Sie wird wissen, was ich vorhabe, sie wird mich verraten. Ich kann auch gleich wieder abreisen. Herrje, Melina, du dumme Kuh, schimpfe ich mich. Meine Pläne haben immer einen Haken, ich denke nie bis zum Ende, niemals.

"Ich zeige dir deinen Platz", sagt eine weibliche Stimme und ich drehe mich um.

Sie sieht aus, als sei sie aus einem Bullerbü-Film entsprungen: helle Haut, mit Sommersprossen übersät, dicke rote Haare, die sich kaum zum Zopf bändigen lassen. Es ist das Mädchen vom Marktstand. Ich nicke nur, bekomme keinen Ton heraus. Sie geht vor, ihre Bewegungen wirken müde. Ob sie mich erkannt hat? In ihrem ruhigen Gesicht steht kein Erkennen geschrieben.

Durch das Haus zieht der Geruch von Essen. Nicht gerade der nach gebratenem Fleisch oder frischen Pfannkuchen, sondern eher nach Eintopf. Aber das ist mir im Moment völlig egal - Hauptsache, ich bekomme endlich etwas zu futtern.

Wir treten in einen niedrigen Raum mit vielen Holztischen. Sie sind merkwürdig angeordnet. Nah der Tür steht ein Tisch, rechts und links davon ist noch viel Platz. Dahinter zwei Tische, schon enger. Dicht gedrängt stehen in der dritten Reihe drei Tische und ein einzelner Tisch in einem nischenartigen Anbau, dessen schmales Fenster wenig Licht in den Speisesaal wirft. Der Raum verjüngt sich nach hinten. Vorne ist er viel breiter. Es sind an jedem Tisch unterschiedlich viele Plätze gedeckt und ich beobachte, wie zielstrebig die nun hereinströmenden Gemeindemitglieder zu ihrem Platz gehen. Heiko kann ich nicht entdecken. Aber die Männer sehen sich auch alle so ähnlich mit ihren langen Haaren, den Bärten und den uniformen Klamotten.

Zwei Wände sind mit dunklem Holz verkleidet, nur die Wand rechts der Tür ist dunkellila gestrichen, in unendlicher Wiederholung das gelbe Wega-Sternbild darauf. Im gleichen Gelb prangt ein riesiger Spruch auf der Wand:

Gottvater & Wegamutter - deine Leitsterne auf Erden und überall!

Das Marktmädchen schaut mir ungeduldig entgegen. Sie steht am hintersten Tisch in der Fensternische. Rasch gehe ich zu ihr. Ihr Gesicht - noch immer verschlossen. Kein Lächeln zwar, aber auch kein Erkennen. Vielleicht habe ich Glück. Wortlos deutet sie auf den Platz an der Stirnseite.

Ich sitze mit dem Rücken zu den anderen. Noch zwei weitere Gedecke sehe ich auf der abgenutzten Tischplatte seitlich von mir. In der Mitte steht ein Topf mit Deckel, unter dem sich eine Suppenkelle hervorschiebt. Ich will mich schon setzen, bemerke aber gerade noch, dass alle anderen noch stehen. Ich drehe mich rasch zu meinen nächsten Tischnachbarn um. Sie haben die gefalteten Hände auf die Stuhllehnen gelegt, halten die Augen geschlossen und murmeln Unverständliches. Bestimmt ein Gebet.

Die letzten gemeinsamen Essen unserer damals noch kompletten Familie endeten fast immer in Katastrophen. Entweder lief meine Mutter nach einem kurzen heftigen Wortwechsel weinend in die Küche oder mein Vater warf sein Besteck stumm auf den Teller und verließ mit hochrotem Kopf die Wohnung. Schweigend beendete der Rest der Familie die Mahlzeit.

Als Stühle über den Boden quietschen, setze ich mich. In meinem Rücken höre ich Samuels Stimme: "Eine gesegnete Mahlzeit, liebe Brüder und Schwestern, danket dem Herrn und unserer Mutter Wega, die uns versorgt und nährt. Nichts wären wir ohne sie. Alles sind

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen