text.skipToContent text.skipToNavigation

Gewaltloser Rebell. Die Lebensgeschichte des Mahatma Gandhi Mit Fotos von Feige, Marcel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.06.2016
  • Verlag: Beltz & Gelberg
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Gewaltloser Rebell. Die Lebensgeschichte des Mahatma Gandhi

Mahatma Gandhi (1869-1948) ist die Ikone des gewaltlosen Widerstandes. Er kämpfte für die Unabhängigkeit Indiens, für Gerechtigkeit und Wahrheit und gegen Gewalt. Furchtlos und mit einem großen Gespür für die Menschen folgte er kompromisslos seinen Visionen. "Tugendhaft, enthaltsam, gewaltlos und der Wahrheit verpflichtet", so lautete das Satyagraha-Gelübde, dem Gandhi sein ganzes Leben lang folgte. Ohne ihn zu idealisieren, erzählt diese Biografie von einem außergewöhnlichen Leben: Von dem jungen Rechtsanwalt, der zu schüchtern war, um vor Publikum zu sprechen; der im Südafrika der Buren sein Glaubens-Prinzip entwickelte und, zurück in Indien, zu dem charismatischen Politiker wurde, der Hunderttausende dazu brachte, sich dem berühmten "Salzmarsch' anzuschließen. Eine faszinierende Lebensgeschichte, mit kritischem Blick erzählt.

Marcel Feige, geboren 1971, lebt als freier Autor in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter viele Thriller und Krimis. Seine Biografie über die Punk-Diva Nina Hagen That's "Why The Lady Is A Punk" wurde mit der Corine ausgezeichnet. Bei Beltz & Gelberg erschienen seine Biografien über Kurt Cobain Biografie "I don't have a gun" und über Mahatma Gandhi "Gewaltloser Rebell".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 228
    Erscheinungsdatum: 10.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407746665
    Verlag: Beltz & Gelberg
    Größe: 4504kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Gewaltloser Rebell. Die Lebensgeschichte des Mahatma Gandhi

Kapitel 1
Wahrheit, Sex und das erste Gelübde

Kindheit und Jugend in Indien, 1869-1888

Mohandas Karamchand Gandhi wurde am 2. Oktober 1869 in der Küstenstadt Porbandar im Distrikt Gujarat im Nordwesten Indiens geboren.

In dem Haus, das er mit seinen drei älteren Geschwistern, seiner Mutter und seinem Vater, dessen fünf Brüdern sowie deren Familien bewohnte, war immer viel Trubel. Oft waren auch viele Gäste zu Besuch, die sein Vater Karamchand "Kaba" Gandhi regelmäßig empfing, um mit ihnen zu plaudern und Geschäfte zu tätigen. Zudem war seine Kindheit sehr von seiner Mutter Putlibai geprägt, einer strenggläubigen Hinduistin, die die vegetarischen Mahlzeiten, die sie für die Familie herrichtete, nicht ohne ein Gebet einnahm. Täglich besuchte sie den Tempel, tat Buße und übte sich immer wieder in Askese. Besonders wichtig war ihr jedes Jahr das Chaturmas, das zeitweise Fasten während der viermonatigen Regenzeit. Manchmal kam sie zwei oder drei Tage lang ohne Essen aus. Eines Tages jedoch teilte sie ihrer Familie mit, dass sie nur noch essen würde, wenn die Sonne schiene.

Mohandas bekam einen Schreck, denn er wusste: Während der Regenmonate sah man die Sonne nicht nur zwei, drei Tage, sondern häufig viele Wochen nicht. Jeden Morgen eilte er aus dem Haus und betrachtete die dichten Wolkenfelder, die sich nicht auflösten. Seine Sorge wuchs mit jedem neuen Tag, an dem wieder nur Regen auf die Häuserdächer klatschte.

Bis sich eines Mittags der Himmel lichtete.

"Mutter!" Erfreut rannte Mohandas ins Haus. "Mutter, die Sonne, die Sonne..." Seine Stimme überschlug sich vor Aufregung.

Seine Mutter sah ihn fragend an.

"Die Sonne", wiederholte er außer Atem, "sie scheint. Endlich darfst du essen."

Seine Mutter ging nach draußen. Inzwischen hatten sich die Wolken wieder vor die Sonne geschoben.

"Vor wenigen Sekunden war sie zu sehen", sagte Mohandas.

Achselzuckend kehrte seine Mutter zurück ins Haus.

"Ehrlich!", versicherte er.

Sie lächelte.

"Also wirst du noch immer nichts essen?", fragte er besorgt.

Seine Mutter schüttelte den Kopf.

Mohandas bekam es mit der Angst zu tun. "Aber..."

"Ach, mein Junge", unterbrach sie ihn und streichelte ihm durchs Haar, "hab keine Angst, Gott hat entschieden, dass ich heute noch nicht essen darf."

Diese Begebenheit zeigt die Selbstdisziplin, mit der Mohandas' Mutter ihren Glauben und ihre Rechtschaffenheit pflegte. Zum anderen spiegelt sie Mohandas' Sorge um seine Eltern, die er liebte, weil er nur bei ihnen Geborgenheit fand.

Er war ein kleiner, dürrer Junge, ängstlich noch dazu. Nachts ging er nicht vor die Tür, weil er sich vor der Dunkelheit, vor Dieben, Schlangen und Gespenstern fürchtete. Wenn er im Bett lag, musste immer eine Kerze brennen. In der Grundschule und der Vorstadtschule fürchtete er zu versagen und konnte nur mit Mühe die Rechentafel bedienen. Auch in Geometrie blieb er schwach. Seine englischen Sprachkenntnisse waren mäßig und das Lesen fiel ihm schwer. Trotzdem waren die Bücher seine einzigen Freunde, denn unter seinen Mitschülern blieb er ein Außenseiter. Kaum war die Schule aus, rannte er nach Hause, weil er so schüchtern war und sich mit niemandem zu reden traute. Er hatte Angst, dass die anderen Kinder sich über ihn lustig machten.

Es wundert also nicht, dass er Geborgenheit bei seiner Familie suchte und dass Mutter, Vater und ihr hinduistischer Glaube ihn deshalb mehr prägten als Lehrer und Schulkameraden.

1875, als Mohandas sechs Jahre alt war, zählte Indien über 300 Millionen Einwohner. 80 Prozent davon waren Hindus. Der Hinduismus unterteilt seine Gläubigen und damit einen Großteil der indischen Bevölkerung in gesellschaftliche Schichten, in sogenannten Kasten. Obwohl im Ursprung religiöser Natur, bestimmt das Kastenwesen über alle Lebensbereiche der Menschen, so auch über den Beruf und den Ehepartne

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen