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Glücksspuren im Sand Roman von Bateman, Rachel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.06.2017
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Glücksspuren im Sand

Die unkonventionelle Storm war schon immer das Vorbild ihrer jüngeren Schwester Anna. Als sie bei einem tragischen Autounfall ums Leben kommt, ist Anna am Boden zerstört. Doch dann findet sie eine Liste ihrer Schwester - eine Liste all der Dinge, die man in einem perfekten Sommer unbedingt tun muss. Dinge wie 'Im Regen küssen', 'Ins Dive-In-Kino gehen' (was auch immer das sein mag!) oder auch einfach: 'Mutig leben'. Im Andenken an ihre Schwester und um ihre eigene Traurigkeit zu überwinden, macht Anna sich daran, die Aufgaben der Liste zu erfüllen. Ihr stets zur Seite: der Nachbarsjunge Cameron, der irgendwie immer schon da war. Der Storms engster Freund war. Und der vielleicht der Schlüssel zu einem neuen Glück sein könnte. Wenn es da nicht ein schlimmes Geheimnis gäbe.

Rachel Bateman hat sich in den USA bereits einen Namen als Jugendbuchautorin gemacht. Neben dem Schreiben betreibt sie eine Verlagsserviceagentur und unterstützt unabhängige Autoren bei der Publikation ihrer Bücher. Mit ihrer Familie lebt Rachel Bateman auf einer Farm mitten in Montana - wo sie manchmal von den Weiten des Ozeans träumt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 26.06.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641216047
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Someone Else's Summer
    Größe: 1773 kBytes
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Glücksspuren im Sand

KAPITEL 1

Menschen strömen an Fotocollagen und einer ausufernden Ansammlung rührselig hübscher Blumen vorbei und kommen auf dem Weg zu ihren Plätzen an mir vorüber. Sie versuchen, mich nicht anzustarren, aber wie soll das gehen? Ich sitze da, nicht in traditionellem Schwarz, sondern in leuchtendem Blau, ein heller Stern, der sie in dunkelster Nacht blendet. Die zurückgelassene kleine Schwester. Schon bald werde ich die große Schwester sein. Die einzige Schwester.

Die Kirche ist gerammelt voll. In den Nebenräumen sind Bildschirme aufgestellt worden, um den Gottesdienst für diejenigen zu übertragen, die nicht in die Kapelle passen. Als Tante Morgan mich am Vormittag herführte, errichtete das Kirchenpersonal gerade eine Leinwand auf dem Rasen, da mit mehr Menschen gerechnet wurde, als in dem winzigen Gebäude Platz haben. Anscheinend ist man darauf gefasst, dass ganz Muscatine hier aufkreuzt.

Denn genau das passiert, wenn ein so junger Mensch tragisch ums Leben kommt. Die ganze Stadt war erschüttert, als sich die Neuigkeit herumsprach - Storm Holloway, funkelnder Stern der Muscatine Highschool, stirbt bei einem Autounfall auf der Heimfahrt von einer bis zum Morgengrauen andauernden Abschlussparty im Civic Center. Storm, die im Herbst mit einem Stipendium an die University of North Carolina in Wilmington gegangen wäre. Storm, die der Stadt als das tapfere kleine Mädchen in Erinnerung geblieben ist, hinter das sich vor zehn Jahren alle geschlossen gestellt hatten, als es gegen den Krebs ankämpfte und ihn besiegte.

Jovani verkrampft; sein Arm legt sich fester um mich, und Tante Morgan drückt meine Hand so fest, dass die Knochen aneinander reiben. Ich zwinge mich, den Blick nach vorn in die Kapelle zu richten. Ein Junge steht vor einer Collage mit Bildern von uns dreien als Kinder, und selbst von hinten ist ihm anzusehen, dass er am Boden zerstört ist. Sein Körper besteht nur aus scharfen Ecken und spitzen Winkeln, wie von Kinderhand mit Klebeband und Klebestift zusammengesetzt. Nichts passt zusammen. Er hält die Taille so fest mit den schlaksigen Armen umklammert, dass es aussieht, als habe er Angst auseinanderzufallen, sobald er loslässt. Seine Schultern beben, und ich fürchte, sein ganzer Körper könnte durch die Vibrationen in Stücke gerissen werden.

Cameron Andrews: der Junge, der sie eigentlich nach Hause hätte fahren sollen.

Ich werfe einen verstohlenen Blick auf Mom und Dad. Ob sie Cam die Schuld geben, weiß ich nicht - ich weiß überhaupt nicht, was sie denken oder empfinden. Es ist, als hätte jener frühmorgendliche Anruf meine Eltern nicht nur aus dem Schlaf gerissen, sondern aus ihrem Leben. Die Tochter, bei der sie so hart gekämpft haben, um sie zu beschützen, sie gesund zu pflegen. Die Tochter, bei der sie entgegen aller Wahrscheinlichkeit gewonnen haben, ist tot. Sie reden nicht mehr mit mir oder sonst jemandem, nur noch miteinander. Tante Morgan musste den Gottesdienst planen, weil meine Eltern sich weigerten, irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Sie haben völlig dichtgemacht, und ich habe keine Ahnung, wie man sie zurückholen kann.

Als Cameron sich von den Bildern wegdreht und mir direkt in die Augen sieht - seine blutunterlaufen und nass, umrahmt von fleckiger Haut und völliger Verzweiflung, meine klar und stählern -, sehe ich die Angst in seinem Gesicht. Er glaubt, dass ich ihn hasse, dass alle ihn hassen. Als er an unserer Reihe vorübergeht und kurz zögert, wird mir unvermittelt klar, dass er sich selbst die Schuld gibt.

"Ich ..." Da ich nicht weiß, was ich sagen soll, weise ich unbestimmt auf den Mittelgang, den Cameron soeben frei gemacht hat.

Tante Morgan lässt zum ersten Mal

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