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Halva, meine Süße von Alpsten, Ellen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.11.2012
  • Verlag: Coppenrath Verlag
eBook (ePUB)
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Halva, meine Süße

Teheran 2002: Nachdem der Vater der 8-jährigen Halva Mansouri nur mit viel Glück der Willkür und Folter im iranischen Gefängnis entkommen ist, sieht die Familie keinen anderen Ausweg, als mit Hilfe eines einflussreichen Bekannten aus dem Iran zu fliehen. Zehn Jahre später: Halvas Familie hat sich in Deutschland eine erfolgreiche Existenz aufgebaut. Ihre Eltern führen ein gut laufendes Café, ihr Bruder Mudi hat gerade mit seinem Jurastudium begonnen und sie selbst steht kurz vor ihrem Schulabschluss. Auf einer Erstsemesterparty lernt sie Kai kennen, einen Kommilitonen von Mudi. Für Halva ist es Liebe auf den ersten Blick und auch Kai schwebt auf Wolke Sieben. Doch auf einmal beginnt ihre Familie, die Treffen mit Kai zu verhindern. Halva ist völlig verwirrt: Was stört ihre sonst so weltoffenen Eltern an der Beziehung zu Kai? Und was hat es mit den Briefen auf sich, die plötzlich aus Teheran eintreffen? Als Halva schließlich hinter das Geheimnis ihrer Familie kommt, wird ihr klar, dass nicht nur ihre Liebe zu Kai, sondern ihre gesamte Zukunft auf dem Spiel steht. Denn der Preis, den ihre Eltern damals für die Flucht aus dem Iran gezahlt haben, war sehr hoch ...

Ellen Alpsten wurde 1971 als Tochter eines deutschen Tierarztes in Kenia geboren und studierte nach ihrem Abitur in Deutschland zwei Jahre Jura in Köln, ehe sie an das französische 'Institut d'Etudes Politiques de Paris' wechselte. Seitdem kehrt sie, wann immer es geht, in die Seine-Stadt zurück und entdeckt sie dabei jedes Mal wieder neu. Nach ihrem Diplom arbeitete sie in London bei den Wirtschaftssendern Bloomberg TV und N24 als Produzentin und Moderatorin und veröffentlichte im Jahr 2002 ihr Debüt 'Die Zarin' bei Eichborn. Seit 2004, nach der Geburt ihres ersten Sohnes, ist Ellen Alpsten als freie Journalistin und Schriftstellerin tätig, u. a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel Online und Madame. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 365
    Erscheinungsdatum: 16.11.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783649612421
    Verlag: Coppenrath Verlag
    Größe: 2749 kBytes
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Halva, meine Süße

Ein Wintermorgen in Teheran

2002

"Was für ein verrücktes Land, in dem man sich drinnen freier fühlt als draußen an der frischen Luft. Wir führen ein Leben zwischen zwei Welten!", sagte Mamii, als sie ihrer Tochter Raya die Tür öffnete und sie zusammen mit Halva und Mudi hineinließ.

Halva trat über die dunkelrote Schwelle des Hauses ihrer Großmutter. Bei Mamiis lang zurückliegender Hochzeitsfeier war ein Widder geschächtet worden, dessen Blut den Hauseingang getränkt hatte.

Mamii schloss die Tür hinter ihnen und schob den Riegel vor. "Wir haben Glück. Sowohl Strom als auch Wasser sind gerade wiedergekommen."

Halva sah sich um, als sie aus ihren Schuhen schlüpfte und die Socken auszog. Sie lief am liebsten barfuß. Durch die Stuckdecke der Eingangshalle sprangen Risse vom letzten Erdbeben – laut den Männern, die im Iran bestimmten, waren nur der Ungehorsam und das unmoralische Verhalten der Bevölkerung an den Erdbeben schuld. Von den Säulen bröckelte der Putz und in dem Mosaik des leeren Brunnens in der Mitte fehlten etliche bunte Steine. Als Mudi seine Schuhe auszog, ragte sein großer Zeh aus der linken Socke. Halva unterdrückte ein Kichern, als er ungeschickt die Wolle um seinen großen Onkel wickelte und ihr dann voranhumpelte.

"Seid ihr ohne Probleme hergekommen?", fragte die Großmutter, während sie ihren Mantel und das eng gewickelte Kopftuch abstreifte. Frauen durften sich im Iran in der Öffentlichkeit nicht unverhüllt zeigen, und obwohl Mamii nur kurz über die Schwelle getreten war, hatte sie sich zur Sicherheit umgezogen. Nun strich sie sich das volle grau melierte Haar zurecht. Halva hatte ihre dichten schwarzen Haare, die ihr lang und offen über die Schultern fielen, von ihrer Großmutter geerbt.

"Ja. Wir mussten nur einmal warten", antwortete Halvas Mutter und legte ebenfalls ihr Kopftuch ab. "Drei Offiziere haben einen Wagen mit zwei jungen Leuten darin kontrolliert. "

"Und? Waren sie ein Liebespaar?", wollte Mamii wissen.

"Anscheinend nicht. Wohl eher Bruder und Schwester. Was den Polizisten nicht gepasst hat. Die hätten sich das Bußgeld sicher gerne eingesteckt, um ihre eigene Miete zu bezahlen!"

Mamii ging ihnen voran. Der altmodische Schnitt ihres bodenlangen, geblümten Kleides, das bei jedem Schritt um ihre Beine schwang, konnte nicht verbergen, wie teuer es einmal gewesen war.

Raya und die Kinder folgten ihr in einen kleinen Raum, auf dessen Regalen früher unzählige Bücher gestanden hatten. Heute waren die Wände kahl. Es war kalt und roch staubig und das bunte Glas der Fenster filterte den kühlen Glanz des Januarschnees.

Doch, ja, Tausende von Büchern waren es gewesen, schwor Raya, wenn sie Halva von ihrer eigenen Kindheit erzählte. Tausende, bis Mamii und Halvas Großvater die Bücher in einer warmen Herbstnacht vor mehr als dreißig Jahren verbrannt hatten. Nach der islamischen Revolution und dem Sturz des Schahs – Halva kannte sein Gesicht nur von ausgeblichenen Fotos – kamen die Mullahs an die Macht. Offen zur Schau getragenes Interesse an westlicher Literatur war nicht empfehlenswert. Halvas Großvater war trotzdem abgeholt und im Gefängnis erschossen worden. Warum, wusste Halva nicht. Mamii hatte nie darüber geredet.

"Jetzt ist es also so weit, Raya", sagte Mamii rau. Sie setzte sich auf eines der Kissen rund um den niedrigen Tisch, auf dem in kleinen sil

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