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Hinter den Feldern von Deinert, Manuel (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Hinter den Feldern

Der zehnjährige Leon hat es nicht leicht im Leben: Er hat Asthma, eine Mutter, die mehr Verbote kennt als die Schulordnung, doofe Klassenkameraden und Sommerferien, mit denen er - wie mit sich selbst - nichts anzufangen weiß. Zum Glück wohnt Großvater bei ihnen. Der kennt die tollsten Geschichten und ist Leons bester Freund. Als er Leon von der heilenden Kraft einer Blume erzählt, macht Leon sich heimlich auf die Suche nach ihr. Doch es ist keine Blume, die hinter den Feldern auf ihn wartet ... Eine spannende und herzerwärmende Geschichte über Selbstzweifel, Verlust und Akzeptanz, vor allem aber eine Hymne auf Großväter! Allen Enkelkindern von 9 bis 99 Jahren empfohlen. Manuel Deinert, geboren 1979 in Westfalen, ist ein waschechtes Sonntagskind, dem der Schalk im Nacken sitzt und die Poesie in der Seele. Er liebt die Natur, wandert für sein Leben gern und spielt Gitarre. Daher verwundert es nicht, dass er seit seiner Jugend Gedichte und Lieder schreibt und mittlerweile auch das Romanschreiben für sich entdeckt hat. Manche Gedichte haben es auf gedrucktes Papier geschafft, manche Lieder auf die Bühne - und sein erster Roman "Hinter den Feldern" auf die Shortlist des Deutschen Selfpublishing Preises 2018.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 180
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744828925
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 706 kBytes
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Hinter den Feldern

Endlich wieder draußen

D er Frühling 1986 war verseucht. Da waren verseuchte Salatköpfe, die man nicht essen durfte. Da war der verseuchte Sandkasten, in dem man nicht spielen durfte. Da war die verseuchte Milch, die man nicht trinken durfte. Alles war verseucht.

Ein Atomkraftwerk in der über 1500 Kilometer weit entfernten Stadt Tschernobyl war wie ein Vulkan explodiert und hatte statt Lava jede Menge Gift ausgespuckt. Und das war mit dem Wind und Regen bis zu uns gekommen. Deswegen war alles verseucht und verboten.

"Ich möchte immer neun Jahre alt sein", hatte ich noch im Vorjahr zu Großvater gesagt, als er mir den Korb für die Kirschen reichte. Ich hockte hoch oben in unserem alten Baum, überglücklich und zufrieden, und teilte meine Ernte gerecht auf: eine Kirsche für mich, eine für Mas Kuchen. Ma hatte zwar protestiert, als ich ihr sagte, dass ich ihr beim Pflücken helfen wolle, aber Großvater hatte versprochen, auf mich aufzupassen. Sie war schnaubend ins Haus gegangen und hatte uns das Abzupfen überlassen.

Ma schnaubte viel. Und sie protestierte viel. Ich war nämlich ihr Sorgenkind. Mit Asthma sei nicht zu spaßen, warnte sie mich täglich. Vor allem in jenem Frühling 1986, den ich größtenteils im Haus verbrachte. "Verseuchter Regen und Asthma vertragen sich nicht gut", hatte Ma gesagt. Und daher freute ich mich riesig, als sie mir Anfang der Sommerferien endlich erlaubte, in den Garten zu gehen. Sie meinte, das Gift sei nun nicht mehr bedrohlich. So ganz glaubte ich ihr das nicht, denn trotz der Entwarnung wollte sie in diesem Sommer keine Kirschen von unserem Baum haben. Er hing zwar voller dunkelroter Kirschen, aber Ma wollte stattdessen lieber Apfelpfannkuchen machen.

Die Äpfel für die Pfannkuchen lagerten im Keller, wo wir neben allerlei Krams alles Eingemachte aufbewahrten. Wir hatten immer genug Marmelade, Apfelmus, Sanddornsaft und Schnaps gelagert. "Falls das Dorf zu Besuch kommt", scherzte Großvater oftmals beim Anblick der Vorräte. Die Holzregale stöhnten am Herbstanfang unter der Last der übereinander gestapelten, gut beschrifteten und sortierten Einmachgläser und Flaschen. Und im Frühling stöhnten sie noch mal. Wahrscheinlich atmeten sie da zum ersten Mal wieder richtig durch, nachdem sie vom Großteil der Last befreit waren, und husteten sich den Staub von den alten, morschen Brettern.

Den Herbst und Winter über gab es reichlich Stachelbeer-, Kirsch- und Erdbeermarmelade. Und Fliederschnaps. Den tranken aber nur Großvater und Pa. Für mich und Lissi gab es Holundersaft, den wir aus kleinen Pinnchen tranken und so taten, als wären wir erwachsen und tränken ebenfalls Schnaps. Lissi war zwar mit ihren siebzehn Jahren fast wirklich erwachsen, aber sie spielte dennoch mit, was ich ihr hoch anrechnete. Im Gegensatz zu Ma behandelte sie mich wie einen normalen Menschen und nicht wie eine Porzellanfigur. Ma schüttelte nur den Kopf, wenn wir unseren Holunderschnaps tranken und ermahnte mich, niemals mit dem Trinken anzufangen. "Alkohol und Asthma vertragen sich nicht gut", behauptete sie. Auch wenn ich erst zehn Jahre alt war, glaubte ich ihr das nicht. Der Hustensaft, den ich manchmal nehmen musste, enthielt nämlich ziemlich viel Alkohol, und der vertrug sich wunderbar mit meinen Beschwerden.

Überhaupt unternahm Ma viel, um mich vor allen möglichen Gefahren zu schützen. Ich durfte nicht schwimmen, nicht Rad fahren, nicht Fußball spielen. "Das verträgt sich nicht gut mit deinem Asthma", erklärte Ma mir. Dass ich der einzige Junge in Försterhausen war, der nicht am Schulsport teilnehmen durfte, schien ihr egal zu sein. Ich hatte dadurch zwar weniger Asthmaanfälle, aber auch weniger Freunde. In meiner Klasse wurde ich wegen meiner Hustenanfälle Lungenlurch genannt. Einzig die Lehrer nannten mich bei meinem richtigen Namen, Leon Hupp.

Als Ma mir an jenem Tag erlaubte, in den Garten zu gehen, war ich außer mir vor Fre

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