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Hundert Jahre ungeküsst von Engelmann, Gabriella (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2012
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)
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Hundert Jahre ungeküsst

Rosalie ist glücklich: Gerade ist sie von zuhause ausgezogen, hat ihre Ausbildung zur Hotelkauffrau angefangen und sich verliebt. Das Problem: Auf Rosalie lastet ein Fluch und ihr siebzehnter Geburtstag soll in einer Katastrophe enden. Kein Grund zur Panik, denkt Rosalie, denn sie glaubt nicht an Märchen - zumindest bis zur Nacht vor ihrem Geburtstag, als sie das verbotene Turmzimmer des Schlosshotels betritt. Die gebürtige Münchnerin Gabriella Engelmann entdeckte in Hamburg ihre Freude am Schreiben. Nach Tätigkeiten als Buchhändlerin, Lektorin und Verlagsleiterin genießt sie die Freiheit des Daseins als Autorin von Romanen, Kinder- und Jugendbüchern. Märchen stand sie bisher skeptisch gegenüber - was sich mit 'Weiß wie Schnee, rot wie Blut, grün vor Neid' schlagartig geändert hat. Foto: © by Peter Wolff Fotodesign

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 10.09.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401801636
    Verlag: Arena Verlag
    Größe: 2073 kBytes
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Hundert Jahre ungeküsst

1. Rosalie Dorn - Samstag, 1. August 2011

"Ja, Mama, natürlich, ich pass auf mich auf. Ja, ich kann schwimmen, wie du weißt. Mach dir bitte nicht immer so viele Sorgen um mich, ich bin ja schließlich kein kleines Kind mehr. Wir sehen uns heute Abend. Bis dann."

Ich war kurz davor zu explodieren, als ich das Handy abschaltete, doch ich zwang mich, tief durchzuatmen und mich nicht aufzuregen. Schließlich meinte meine Mutter es ja nur gut.

"Alles klar? Können wir jetzt los?", fragte meine beste Freundin Melina und griff nach der Kühltasche, die auf dem Dielenboden ihres Zimmers stand.

"Ja, wir können", antwortete ich laut seufzend und schnappte mir meine Jeansjacke und eine aufgerollte Bastmatte.

Auf zu unseren Rädern.

Auf zum Alsterkanal.

Auf zum Paddeln.

Während wir beide kräftig in die Pedale traten, dachte ich über Mom nach. So sehr ich sie auch liebte, so sehr nervte mich ihre ständige Besorgnis um mich. Es war doch nicht normal, dass sie dauernd Angst hatte, mir könne etwas passieren. Schon immer war meine Mutter so gewesen. Auf dem Spielplatz war sie diejenige, die beinahe durchdrehte, wenn etwas vermeintlich gefährlich war. Selbst Fonduegabeln und Holzspieße, auf denen wir Marshmallows grillten, jagten ihr höllische Angst ein. Seit meinem sechzehnten Geburtstag war es sogar noch schlimmer geworden und in letzter Zeit übertrieb sie es komplett. Wenn ich mein Handy mal nicht anhatte oder in einem Funkloch saß, konnte man sicher sein, hinterher zahllose hysterische Nachrichten auf der Mailbox zu haben. So konnte es echt nicht weitergehen!

"Auf dich, deine Lehrstelle und dein neues Zuhause!", sagte Melina mit feierlicher Miene und prostete mir mit Erdbeersekt zu. Wir hatten die Paddel ins Kanu geholt und ließen uns auf dem Alsterkanal treiben. Paddeln und trinken gleichzeitig, das funktionierte irgendwie nicht so richtig.

"Ey, das Zeug ist ja ultrasüß! Wenn wir nicht aufpassen, fallen wir noch ins Wasser, weil das Boot so schaukelt", antwortete ich grinsend, leerte den Plastikbecher dann aber doch in einem Zug, schließlich gab es etwas zu feiern: Am Montag begann meine Ausbildung zur Hotelkauffrau und damit hoffentlich der Auftakt zu einer großen Karriere im Hotelbusiness. Seit ich denken konnte, hatte ich davon geträumt, eines Tages die Touristik-Fachschule im schweizerischen Luzern zu besuchen. Mit dem heiß begehrten Ausbildungsplatz im Schlosshotel Blankenese war ich meinem Traum immerhin bereits ein kleines Stück näher gekommen.

"Macht doch nichts, ein bisschen Abkühlung kann nicht schaden", lachte Melina und trank den Becher ebenfalls in einem Zug leer. "Ich kann es immer noch nicht glauben, dass wir bald Nachbarinnen werden und dass du jetzt deine eigene Wohnung hast. Mach dich schon mal darauf gefasst, dass ich die meiste Zeit bei dir abhängen werde!"

"Apropos abhängen", murmelte ich und kramte in der Untiefe meiner Monstertasche, die ich neulich auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Das Teil war ultraschön, kunterbunt und stammte angeblich aus Indien. Tante Cassandra war auch total scharf darauf und hatte sie sich schon ein paarmal ausgeliehen.

Ah, da war ja, wonach ich suchte: mein Zweitschlüssel, baumelnd an einem herzförmigen Anhänger aus Holz mit pinkfarbenen Punkten auf tomatenrotem Untergrund. "Damit du jederzeit bei mir reinkannst. Durch den Schichtdienst kann es nämlich passieren, dass ich gerade dann schlafe, wenn du aus der Schule kommst und ein bisschen chillen willst. Außerdem als Reserve, für den Fall, dass ich mich mal ausschließe."

"Hey, danke schön, das ist ja total lieb von dir!", rief Melli in einer Lautstärke, dass man sie sicher bis zum Hotel Atlantic hörte, und steckte den Wohnungsschlüssel in die Tasche ihres lilafarbenen T-Shirt-Kleids. "Ist der Anhänger aus Kais Laden?"

Ich nickte.

Kai Mielke war nicht nur einer der nettesten Menschen, die ich

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