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Jetzt ist alles, was wir haben von Giles, Amy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.10.2018
  • Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
eBook (ePUB)
13,99 €
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Jetzt ist alles, was wir haben

Sei die Beste. Und wenn nötig, sei unsichtbar.
Mit diesem Credo hat Hadley McCauley in ihrer Familie gelernt zu überleben. Perfekte Schülerin, perfekte Sportlerin, perfekte Tochter: Nur so kann sie ihren Vater bei Laune halten. Denn hinter der makellosen Fassade der McCauleys verbirgt sich ein hässliches Geheimnis. Um ihre kleine Schwester Lila vor dem unberechenbaren Vater zu schützen, tut Hadley alles. Doch dann tritt Charlie Simmons in ihr Leben und zwischen den beiden entwickelt sich eine verzweifelt-intensive Beziehung. Unterdessen eskaliert daheim die Gewalt, und Hadleys Strategie, nichts preiszugeben, greift nicht mehr. Doch auch als es zur Katastrophe kommt, schweigt sie ...

Amy Giles ist Werbetexterin und hat Texte für alles geschrieben, von Frühstückflocken-Spots über animierte Webisoden bis hin zu klassischen Anzeigen und Katalogtexten für Anglerprodukte. Ihre wahre Leidenschaft gilt jedoch dem Schreiben von Romanen für Jugendliche. Sie lebt auf einer lang gestreckten Insel namens Long Island mit ihrem Mann, ihren zwei Töchtern im Teenageralter und einem Rettungshund. Jetzt ist alles, was wir haben ist ihr erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 15.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641197209
    Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
    Originaltitel: Now Is Everything
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Jetzt ist alles, was wir haben

damals

Der Himmel vor meinem Schlafzimmerfenster ist schwarz und unfreundlich. Er befiehlt meinem Körper, weiterzuschlafen, aber leider haben auf unser Haus selbst die himmlischen Gesetze keinen Einfluss.

Unten scheppert der Metalllöffel gegen den Glasbehälter, in dem sich Dads kostbare Gourmetbohnen befinden. Es folgt das nervenzerfetzende Knirschen der Kaffeemühle, das mir wie eine Kreissäge ins Trommelfell schneidet. Whirr, whirr . So klingt mein Wecker, fünf Tage die Woche.

Die Schwerkraft presst sich auf meinen schläfrigen Körper und drückt mich tiefer in meine Matratze. Aber mich für das bisschen Schlummern wieder den Schlaf zu kämpfen, lohnt sich nicht. Ich schlüpfe unter der warmen Bettdecke hervor, streife meinen Schlafanzug ab, zwänge mich in die schwarzen Lauftights mit den Reflexstreifen, dann in den Sport- BH und ins Top. Ich schnüre mir gerade die Schuhe zu, als er gegen die Tür bollert.

"Ich komm ja schon", flüstere ich. Ich beuge mich vor und drehe zum Öffnen den Türknauf.

Dad schlürft geräuschvoll seinen Kaffee. Es erstaunt mich immer wieder, wie er mit diesem ganzen Kaffeegeschwappe in seinem Bauch laufen kann.

"Wir sind spät dran." Er versucht nicht mal, seine Stimme für das schlafende Haus zu dämpfen.

Ich beeile mich, um ihn wenigstens von Lilas Tür fernzuhalten. Als ich in ihrem Alter war, hätte ich problemlos vierzehn Stunden am Stück durchschlafen können, wenn mich jemals irgendwer gelassen hätte. Hat aber niemand. Ob's Lila glaubt oder nicht: Die Erstgeborene zu sein, hat nicht den geringsten Vorteil.

Mit ihren zehn Jahren hält Lila mein Leben für aufregend. Ich gehe zu feierlichen Preisverleihungen mit meinem Lacrosse-Team. Ich nehme Flugstunden am McKinley-Flughafen. Ihr ist noch immer nicht bewusst, wie viel von meinem Leben mir in Wirklichkeit gar nicht gehört.

"Mach schon, wir wollen los", sagt Dad mit einem Blick auf die Uhr. Wenn wir eine Stunde laufen, hat er Zeit für eine kurze Dusche und kriegt noch den Zug um 6:17 Uhr. Das Aufstehen um diese gottlose Zeit von 4:30 Uhr passt in seinen Tagesplan. Ich komme nach Hause, gehe duschen, frühstücke, dann helfe ich Lila bei der täglichen Kleiderfrage. Ginge es nach Mom, würde Lila wie ein erbärmliches Barbiepüppchen rumlaufen. Hätte Lila das Sagen, würde sie aus der Haustür marschieren, als wäre sie die Moderatorin der MTV -Music-Awards. Sie fährt total auf Musik und Tanzen ab, deshalb habe ich sie damals angebettelt, mich zu ihrer Stylistin zu ernennen.

"Jede Diva, die etwas auf sich hält, hat eine", klärte ich sie auf.

Es macht Spaß, Modenschau mit ihr zu spielen. Bevor sie geboren wurde, war ich sieben Jahre lang ein Einzelkind. An dem Tag, als Mom aus dem Krankenhaus kam, setzte sie Lila in ihrer Babywippe auf dem Boden ab.

Ich saß vor ihr und beobachtete sie stundenlang, um sicherzugehen, dass sie nicht einfach aufhörte zu atmen. Der Gedanke, ihre Lungen könnten aufgeben, weil es zu anstrengend war, machte mich schier wahnsinnig. Wer glaubte, Leben und Atmen sei selbstverständlich, überschätzte die ganze Sache total. Indem ich Lila keine Sekunde aus den Augen ließ, rief ich sie durch meine eigene Willenskraft ins Dasein.

Und dann durfte ich sie auf den Arm nehmen. Hell und blond wie meine Mutter, mit großen, blauen Augen - anders als Dad und ich mit unseren langweiligen braunen Haaren und tristen Braunaugen - sah Lila aus wie meine höchstpersönliche Babypuppe.

"Jetzt bist du eine große Schwester", sagte meine Mutter und lächelte auf mich herab, als spräche das pinkfarbene I CH BIN EINE GROSSE SCHWESTER- T-Shirt, das sie mir im Krankenhaus gekauft hatten, nicht für sich selbst.

"Du musst sie beschützen und dich wirklich gut um sie kümmern."

Von allem, was meine Mutter jemals von sich gegeben hat, ist diese Aufforderung wahrscheinlich das Einzige, was

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