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Können Esel reimen? Sterne, Peru und zurück von Zeil, Petra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.05.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Können Esel reimen?

Zacharias-Bartholomäus, der ewige Student, wohnt mit seinem alten Klavier und einem Schatz von selbst erlebten - oder auch nur selbst erfundenen - Geschichten in der Dachkammer von Philippas Großmutter. Er ist Philippas Superheld, der ihre Kindheit mit seinem Zauber erfüllt. Doch eines Tages geht er fort, um Astronaut zu werden, und auf einmal verliert Philippas Welt ihre Farbe und Freude. In einer schlaflosen Nacht denkt sie an die verzauberte Lagune in den peruanischen Anden, von der Zacharias-Bartholomäus ihr oft erzählt hat. Als sie die Augen aufschlägt, ist sie in Peru. Dort begegnet sie der dreizehnjährigen Milagros, die allein eine Familie ernährt, einer weisen Kräuterfrau, einem verruchten Bankräuber und den uralten Schwestern der verzauberten Lagune, die weit in der Vergangenheit zu leben scheinen. Unerwartete Abenteuer und denkwürdige Begegnungen spinnen ihre ganz eigenen Geschichten um Philippas Leben. Wer aber ist der geheimnisvolle Camino? Und vor allem: Können Esel reimen? Petra Zeil, geboren 1980, hat in Freiburg und Benediktbeuern katholische Theologie studiert. Sie liebt Geschichten, Reime, Esel und Peru.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 196
    Erscheinungsdatum: 26.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741206368
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 745kBytes
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Können Esel reimen?

3

Ohne Co-Pilot

Liebste Philippa,

nun also bist Du hier, und hier wirst Du bleiben. Länger als Du es willst, kürzer als Du es wollen wirst. Deinen Kummer hast Du mitgebracht, aber von so weit oben in den Bergen hat man eine bessere Aussicht, und manches erscheint von hier aus mit einem Mal ganz anders. Und man kann aus der Höhe Dinge entdecken, von denen man vorher gar nichts ahnte.

Gegenüber Fräulein Weemut-Zuckerrohr, Deiner Grundschullehrerin, hast Du Dich lange Zeit sehr klein gefühlt, weil sie so groß und ernst und streng war und so gut rechnen konnte und Du erst sechs warst und die Zahlen in Deinem Kopf durcheinander tanzten und sich nicht subtrahieren lassen wollten.

Dann hat Dich einmal der Student aus seinem Dachfenster schauen lassen, mit dem alten Fernrohr aus dem Vermächtnis von Fergus, dem Forscher, der vorgab, die Sprache der Sterne entschlüsselt zu haben.

Weit über die Dächer von Freiburg konntest Du schauen und auch durch den Hinterhof, bis ins Fenster eines Zimmers, in dem Fräulein Weemut-Zuckerrohr mit Lockenwicklern in den Haaren an ihrem Schreibtisch saß, Lakritzschnecken aß, in der Nase bohrte und mit dem Stuhl schaukelte, bis sie das Gleichgewicht verlor und mit Armen und Beinen fuchtelnd nach hinten sauste.

Einen Moment lang hieltest Du den Atem an, Philippa, und wolltest schon loslaufen, die Treppe hinab, durch den Hinterhof zum Nachbarhaus, um Deiner Lehrerin zu Hilfe zu kommen. Doch dann erschien Fräulein Weemut-Zuckerrohrs roter Kopf wieder im Fenster, und mit erschrockenem Gesicht rappelte sie sich auf, rückte den Stuhl wieder sorgfältig an den Schreibtisch, nahm einen Bleistift und vertiefte sich schnell in die Durchsicht eines Blätterstapels, der vor ihr lag. Sicher war sie froh, dass niemand ihr Missgeschick beobachtet hatte, denn sie konnte ja nicht ahnen, dass Dir das Fernrohr von Fergus, dem Forscher, alles gezeigt hatte.

Von diesem Tag an fandest Du sie gar nicht mehr so ehrfurchteinflößend und fühltest Dich nicht mehr klein in ihrer Gegenwart. Du musstest sogar immer heimlich ein wenig lachen, wenn Du sie sahst. Aber Dein Geheimnis hast Du ihr nie verraten.

Und weißt Du noch, als der Student Dir zum achten Geburtstag ein altes Fahrrad mit Beiwagen geschenkt hat? Er hatte es, so sagte er, von einem Ausflug zum Stamm der Bizzi-Kletten mitgebracht, die auf Eisschollen im Eismeer lebten und einander nur besuchen konnten, wenn sie ihre schwimmenden Fahrräder mit Beiwagen zu Hilfe nahmen. Leider schwammen diese Fahrräder nur im Eismeer, doch auf dem Festland konnte man auf ihnen fahren wie auf gewöhnlichen Fahrrädern.

An Deinem achten Geburtstag flitzte der Student mit Dir durch die ganze Stadt, dass die Passanten nur so aus dem Weg springen mussten, und Du, Philippa, saßest im Beiwagen und der Fahrtwind und das Lachen jagten Dir die Tränen in die Augen. Dann durftest Du radeln, und der Student setzte sich in den Beiwagen. Das war eine Zeit lang recht lustig, bis der Beiwagen in voller Fahrt abbrach und laut scheppernd mit dem Studenten zu Boden krachte, Du das Gleichgewicht verlorst und mit dem Fahrrad in eines der Bächlein stürztest, die durch Freiburg fließen. Zum Glück war Dein Co-Pilot sofort zur Stelle und fischte Dich aus dem Wasser.

"Ich habe dir doch gesagt, dass es nur im Eismeer schwimmt", lachte er schallend, während er Dir mit seinem Ärmel das verdutzte Gesicht abtrocknete und versuchte, das Wasser aus Deinem langen, dicken Haarzopf zu wringen.

Nun hast Du keinen Co-Piloten mehr, Philippa. Doch Du bist nicht allein auf der Welt. Und nicht allein in Peru.

Die meisten Passagiere waren schon ihrer Wege gezogen, und auch der Kleinbus war quietschend und ratternd einem neuen Ziel entgegengefahren, da stand Philippa noch immer reglos an der Haltestelle und blickte auf die unbekannte Stadt hinunter. Santo

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