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Lara oder Der Kreislauf des Lebens von Bueno, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.02.2017
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Lara oder Der Kreislauf des Lebens

Lara hat eine schwere Krankheit. Im Krankenhaus setzt sich nachts eine Ärztin an ihr Bett und verwickelt sie in ein Gespräch über die Geheimnisse der Biologie und die unglaubliche Entwicklung von den ersten lebensnotwendigen Molekülen bis hin zu komplexen Lebewesen. Dafür verantwortlich ist die DNA, die in jeder Pflanze, jedem Tier und jedem Menschen hinterlegt ist und jedes Wesen einzigartig macht. Für Lara wird dieses Gespräch zu einer Art Kraftquelle: Das Leben ist zerbrechlich, gerade weil es so viele ungelöste Rätsel gibt. Darin besteht das Wunder und die Chance, auch für Lara. Eine faszinierende Geschichte über die Geheimnisse des Lebens und - Hoffnung.

David Bueno ist Genetik-Dozent und Forscher an der Universität in Barcelona. Er arbeitet außerdem als Autor für Hörfunk und Fernsehen. Lara oder Der Kreislauf des Lebens (2017) ist sein erstes Jugendbuch bei Hanser, das er zusammen mit Salvador Macip und Eduard Martorell verfasst hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 20.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446256378
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: Los Limites de la vida
    Größe: 2461 kBytes
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Lara oder Der Kreislauf des Lebens

I

Als Lara die Augen öffnet, findet sie sich in einem karg eingerichteten Raum wieder. Es fehlt das freundlich anmutende Ambiente der Station, auf der sie die vergangenen Tage verbracht hat. Vielleicht kommt ihr das aber auch nur so vor, weil die Umgebung neu ist, ungewohnt, und weil Lara diesen Raum mit dem Gefühl der Aussichtslosigkeit verbindet, mit dem Abgrund, dem sie durch ihre Krankheit immer näher kommt.

Das beherrschende Weiß, diese absolute Reinheit, kommt ihr wie der verzweifelte Versuch vor, alles fernzuhalten aus diesem Raum, was den unglückseligen Menschen schaden könnte, die hier ihre Nächte verbringen müssen. An einer der sonst durchgängig kahlen Seitenwände nimmt Lara ein einziges kleines Fenster wahr; auf der gegenüberliegenden Seite verbindet eine Glasscheibe ihr Zimmer mit dem Raum, in dem die Schwestern rund um die Uhr vor den Monitoren Wache halten. Davon abgesehen beschränkt sich die Ausstattung auf einen Stuhl und einen Nachttisch.

Lara ist überrascht, ihre Bücher auf dem Nachttisch zu sehen, aber sie ist auch dankbar dafür. Sie braucht irgendeinen Bezugspunkt, etwas in ihrer Nähe, woran sie sich festhalten kann bei all der Ungewissheit. Sie wird die Nacht alleine verbringen müssen, angeschlossen an eine Maschine, die kontinuierlich ihren Herzschlag aufzeichnet, mit einem Schlauch in der Vene, der ihr beständig die Infusion mit dem neuen Medikamentencocktail zuführt, und einem weiteren in der Lunge, der zwischen den Rippen hindurchführt und das sich ansammelnde Wasser absaugt, das ihrem Körper die Sauerstoffaufnahme zunehmend erschwert. Wo sie schon ihre Familie nicht bei sich haben kann, erinnern sie doch zumindest die Bücher daran, dass es ein Leben außerhalb dieser übertrieben keimfreien Umgebung gibt.

Ein Leben, das ich vielleicht nie mehr führen werde , dachte sie.

Sie hat nämlich immer weniger Antrieb, um ihr Leben zu kämpfen. Etwas oberhalb des Bettes, gleich neben ihrer Hand, ist der Knopf, mit dem sie die Schwestern rufen kann; nur weiß sie nicht, ob sie überhaupt genug Energie aufbringen könnte, um ihn im Notfall zu betätigen.

Sie bemerkt, dass man ihr auch das Handy gebracht hat. Sie scheinen tatsächlich zu glauben, dass sie genug Kraft hätte, mit jemandem zu sprechen. Etwas z u optimistisch , denkt Lara. Die Finger würden ihr gar nicht gehorchen, wenn sie versuchen würde, eine Nummer zu wählen. Sie hätte allerdings auch keine Lust dazu. Wenn sie das Telefon jetzt einschalten würde, würde sie als Erstes eine Nachricht vorfinden, die sie nicht beantworten will. Und dann wären da bestimmt noch fünf oder sechs weitere Nachrichten derselben Person. Damit kann sie sich jetzt nicht beschäftigen.

Einen Moment lang schließt sie die Augen und versucht, tief Luft zu holen, aber die Rippen wollen sich nicht heben; es ist, als wären sie zusammengeschweißt. So gut es geht, nutzt sie das bisschen Luft, das es in ihre Lunge geschafft hat, um ein wenig ruhiger zu werden.

Dr. Rovira wollte ihr vorhin Mut machen. Doch Lara bemerkte etwas in seinen Augen, das zuvor nicht da gewesen war, auch wenn er sein Bestes gab, es zu verbergen. Er sagte, dass sie vor allem nicht den Mut verlieren dürfe, dass sie sich weiter anstrengen müsse. Dass sie das alles überstehen würde, wenn sie nur nicht aufgäbe. Dass sie nur ein wenig mehr Geduld haben müsse.

Geduld. Geduld hatte sie wirklich nicht mehr viel. Die anderen Male hatte sie Dr. Rovira und seinem Team blind vertraut, aber diesmal hat sie Zweifel.

Nein. Sie ist allein. Sie und die Krankheit und niemand sonst. Niemand, der ihr helfen kann.

"Du kannst wohl nicht schlafen, hm?"

Lara öffnet die Augen. Vor sich sieht sie eine Gestalt, die so strahlend weiß ist, dass sie im Halbdunkel des Raumes fast aus sich selbst heraus zu leuchten scheint. Eine junge Frau mit Kittel.

"Nein", sagt Lara, nachdem sie die Frau einen Augenblick gemustert hat. Es hat sie K

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