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Lauf, Junge, lauf Roman von Orlev, Uri (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.09.2011
  • Verlag: Beltz & Gelberg
eBook (ePUB)
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Lauf, Junge, lauf

'Wie der kleine Jurek durch den Krieg kommt, das ist so ungeheuerlich wie im Simplizissimus: Er hat ein wenig Glück in einer grausamen Welt. Seine Flucht gibt Menschen Gelegenheit sich gut oder böse zu verhalten. Eine Lehre, herzerweichend.' BuchMarkt Jurek ist ungefähr neun, als ihm die Flucht aus dem Warschauer Ghetto gelingt und er sich allein durch die Wälder schlagen muss, bis zum Ende des Krieges. Er lernt, wie man auf Bäumen schläft und mit der Schleuder Eichhörnchen erlegt. Doch die Einsamkeit treibt ihn immer wieder in die Dörfer. Dort trifft Jurek Menschen, die ihm helfen, und solche, die ihn verraten werden. Ein ergreifendes Buch, das auf einer authentischen Geschichte basiert. Uri Orlev, geb. 1931 in Warschau, lebt seit 1945 in Israel, heute in Jerusalem. Er ist einer der renommiertesten israelischen Kinderbuchautoren und wurde für sein Gesamtwerk mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 23.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407743053
    Verlag: Beltz & Gelberg
    Originaltitel: Run, Boy, Run
    Größe: 318 kBytes
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Lauf, Junge, lauf

2 Kannst du klauen?

Rühr dich nicht, Junge. Ich bringe dich hier weg

Srulik war ein sehr schneller Junge mit langen Beinen. Er hatte Fußballspielen schon in ihrem kleinen, schlammigen Ghetto in B?onie gelernt. Auch der Ball, eine mit Lappen umwickelte Dose, war ihm nichts Neues. Sie waren acht und er war der Neunte. Damit Srulik mitspielen konnte, teilten sich die Jungen erneut auf. Ein Junge verließ die Gruppe und setzte sich auf eine Treppe. Dieser Junge trug das sehr große, abgerissene Jackett eines Erwachsenen, obwohl es jetzt, in diesen späten Nachmittagsstunden, sehr heiß war und das schwere Jackett ihn bestimmt beim Spielen störte. Nach einiger Zeit hörten die Jungen zu spielen auf und begannen zu tuscheln, wobei sie immer wieder zu Srulik hinüberschauten. Dann versammelten sie sich um ihn herum und betrachteten ihn aufmerksam. "Er ist schmal und dünn", sagte der große Junge. "Er ist geeignet", sagte ein anderer Junge. "Wozu bin ich geeignet?", fragte Srulik. "Hast du Hunger?", fragte ihn der große Junge. "Ja", sagte Srulik, der für kurze Zeit seinen Hunger vergessen hatte. "Mojschele, gib ihm was", sagte der große Junge zu dem Jungen mit dem Jackett. Jetzt sah Srulik, dass die Jackentaschen prall gefüllt waren. Mojschele schaute schnell nach rechts und links, und als er niemanden sah, zog er aus einer der Taschen eine Wurst und aus einer anderen ein Taschenmesser. Er schnitt eine dicke Scheibe ab und gab sie Srulik. Eine solche Delikatesse hatte er schon lange nicht mehr gegessen. "Komm mit uns! Und wenn es dunkel wird, helfen wir dir durch ein kleines Fenster in einen Laden, in dem es solche Würste gibt. Das Fenster ist so klein, dass sich keiner von uns durchquetschen kann, aber du könntest es vielleicht schaffen. Kannst du klauen?" Srulik zuckte mit den Schultern. Er konnte klauen. Für so eine Wurst war er bereit, alles zu tun. "Gib mir noch ein Stück", bat er. "Jankiel, soll ich?" "Gib ihm", sagte der große Junge. Die Jungen setzten das Spiel fort, bis sich die Dämmerung über das Ghetto senkte. Sie versteckten den "Ball" hinter einem Haufen Gerümpel und machten sich auf den Weg. Geschickt rannten sie zwischen den vielen Menschen auf der Straße hindurch. Schließlich erreichten sie einen zugemauerten Eingang und setzten sich hin. Sie warteten auf die Sperrstunde, die bald einsetzen würde. Das merkte man daran, dass sich die Straßen leerten. Mojschele, der Herr der gefüllten Taschen, zog wieder die Wurst und das Messer heraus und schnitt für jeden eine dicke Scheibe ab. Nach dem Essen brachte er Zigaretten und Streichhölzer zum Vorschein, schnitt jede Zigarette in der Mitte durch und verteilte die Hälften mit bedeutungsvoller Gebärde. Die beiden große Jungen bekamen jeder eine ganze Zigarette. "Rauchst du?", fragte er Srulik. "Nein." "Du musst, damit du zur Clique gehörst." Sein ältester Bruder hatte ihn schon einmal überredet, einen Zug zu nehmen, als er eine Zigarette ergattert hatte. Der Zug hatte bitter geschmeckt und Srulik hatte gehustet und war fast erstickt. "Nein, ich will nicht." "Lass ihn in Ruhe", sagte Jankiel. Ein gut angezogener Mann überquerte vor ihnen die Straße, blieb stehen, betrachtete sie und rief: "Strolche!" "Mein Herr, bitte eine kleine Gabe, wir haben Hunger", bat einer der Jungen.

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