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Love Alice Roman von Savina, Nataly (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.03.2013
  • Verlag: Beltz & Gelberg
eBook (ePUB)
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Love Alice

Wieder eine neue Stadt, wieder eine andere Schule: Alice hat das Nomadenleben ihrer Mutter, einer exzentrischen Opernsängerin satt. Dann trifft sie Cherry. Vorsichtig lassen sich die beiden Mädchen aufeinander ein, testen ihre Grenzen, spielen gefährliche Spiele. Doch dann passiert das Unvorstellbare, das Alice für immer verändern wird. "Fühlen ist überlebenswichtig", sagt ihre Mutter, "aber es macht schwach." Doch Alice, 14, sehnt sich nach Gefühlen. Mit Cherry ist alles anders; nach der Schule laufen sie durch die verschneiten Wälder, die wie im Märchen aussehen. Sie bauen sich ein Tannenhaus, legen sich auf die Zuggleise und ziehen durch die Stadt. Sie haben sich. Doch als Cherry allein zu ihrer Karateprüfung geht, passiert das Unvorstellbare, dass das Leben von Alice verändern wird. Nataly Elisabeth Savina, geboren 1978 in Riga, wuchs in Helsinki auf und machte ihr Abitur in Freiburg. Sie studierte Angewandte Kulturwissenschaften in Hildesheim und Drehbuchschreiben an der Film und Fernsehakademie Berlin. Die Autorin lebt mit ihrem Partner und ihren zwei Kindern in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 05.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407744159
    Verlag: Beltz & Gelberg
    Größe: 2657 kBytes
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Love Alice

Die Pikdame

Die Leute sagen, Mama habe ein Charaktergesicht. Ihr schwarz gefärbtes Haar trägt sie glatt und kinnlang wie einen Helm. Das Gesicht stets geschminkt, Karminrot auf den Lippen. Früher wurden getrocknete Läuse zerrieben, um Karmin zu gewinnen, aber heute macht man es wohl anders. Mama macht das Fliegen nichts aus. Wir fliegen viel und manchmal lange, meistens sehr spontan. Ich mag das Klappern im Flugzeug nicht, nicht die trockene Luft und nicht die schnarchenden Manager in der ersten Klasse. Ich mag nur die Luftlöcher. Beim Start und spätestens bei der Landung freue ich mich darauf. Ich fühle es im Bauch: Gleich geschieht etwas! Etwas Aufregendes, auf das ich lange gewartet habe, etwas, das mein Leben verändern wird. Mama ist es egal, ob wir neben der Notfalltür sitzen oder ob ich bei dem Vortrag über die Sicherheitsregeln zuhöre. Es geschieht, was geschehen soll, sagt sie, jeder hat sein Schicksal. Mamas Meinung nach sollte das Schicksal ihr einen Privat-Jet bescheren. Aber da hat die Vorsehung geschludert und wir sind auf die gewöhnlichen Airlines angewiesen. An meinem Fenster ziehen Nebelfetzen vorbei. Das euphorische Gefühl beim Abflug legt sich meistens ziemlich schnell. Wir fliegen durch Wolken, und ich stelle mir vor, sie wären eine weiße Wüste aus Zuckerwatte. Die Zuckerwüste scheint unendlich, wie die riesige Torte aus der italienischen Kindergeschichte , die auf einer Wiese gelandet ist. Alle Kinder aus der Stadt kommen, um die Torte zu sehen. Es könnte eine Schwarzwälder Kirschtorte sein. Sie spazieren im dunklen Schokobiskuit, mitten durch Likörpfützen, an den eingelegten Kirschen vorbei. Sie graben sich hinein, essen verwinkelte Gänge in das Baiser. Tagelang bleiben sie da drin, spielen miteinander und essen Süßes, ohne dass jemand dazwischenfunkt. Ich kann mich nicht erinnern, dass Erwachsene in der Geschichte überhaupt vorkommen. Mama kauert unbequem auf dem Sitz am Gang. Es sieht vorwurfsvoll aus und soll es auch sein. Unter ihr liegt ein raschelnder Berg auseinandergefalteter Zeitungen. Ich versuche, meine Tut-mir-leid-Miene aufzusetzen, wenn die Stewardess vorbeigeht. Mamas Gesicht strahlt mir aus den Zeitungen entgegen. Das zerknüllte Papiergesicht mit dem immer gleichen Lächeln. Hannah Blumberg steht darunter. Ihr Bild in den Zeitungen wird gern mit "unvergessliches Opernerlebnis" und "stilvoller Auftritt" kommentiert. Ihre Stimme ist etwas Besonderes, sie ist ein "Ausnahmetalent". Ich für meinen Teil kann nichts Außergewöhnliches. Ich zeichne gerne, aber war im Kunstunterricht nie die Beste. Auch nicht in irgendetwas anderem. Das macht nichts, sagt Mama. Die Künstler seien die Auserwählten, und Künstlerkinder hätten es besonders schwer. Das reiche vollkommen aus. In der letzten Zeit schreiben die Zeitungen auch häufiger von "überraschend kraftvoll" und "gestandene Diva". Dann wird Mama wortkarg und verbringt viel Zeit im Badezimmer. Auserwählt hin oder her. Jetzt mischt sie sich in meine Gedanken ein. Ihre Hand rutscht wie ein langer Fisch in meine Richtung und zupft an mir, als würde sie an einer Türglocke klingeln. Wir tragen die gleichen Pullis, die wir bei der Zwischenlandung in Barcelona geshoppt haben. Mama in einem knappen L, ich in einem großzügigen M. In rot-weißen Mustern sind schwarze, aufgespießte Herzen gefangen. "Pik", sagt Mama, streckt sich und stupst mich mit dem Finger in die Seite. Sie will die Stimmung auflockern. "Mir egal", sage ich und weiche ihren manikürten Fingern aus. Ich nehme die Spitze meiner Haarschleife aus dem Mundwinkel, hellblau und feucht. Meine Sti

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