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Lucas Roman von Brooks, Kevin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2019
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 28.02.2019 per Download lieferbar

Online verfügbar

Lucas

Deutscher Jugendliteraturpreis 2006 Eine Geschichte über Liebe und Hass - und alles, was dazwischen liegt. Im Rückblick schreibt Caitlin die Geschichte des letzten Sommers auf – des Sommers, in dem Lucas auf ihre Insel kam und in dem die Welt ihrer Kindheit zerbrach. Während sie selbst vom ersten Moment an fasziniert ist von jenem Fremden, der schön ist und geheimnisvoll, von nirgendwoher zu kommen scheint und sich jeder Einordnung entzieht, reagieren die meisten Inselbewohner misstrauisch und vorurteilsvoll. Caitlin freundet sich mit Lucas an und beginnt sich sogar in ihn zu verlieben. Zugleich muss sie miterleben, wie ihm die Erwachsenen alle krummen Dinger in die Schuhe schieben wollen, die in der Gegend passieren, und wie die tonangebende Jugendclique ihn verspottet und verfolgt. Auch Caitlin selbst zieht nun Hass auf sich und gerät in Gefahr. Und es kommt immer schlimmer: Eben noch galt Lucas schlicht als unerwünschter Herumtreiber, dann unterstellt man ihm, er habe ein kleines Mädchen belästigt, das er in Wirklichkeit vorm Ertrinken gerettet hat. Als auf der Insel eine junge Frau ermordet in den Dünen gefunden wird, ist für Caitlin erschütternd klar, was passieren wird. Hat sie eine Chance, Lucas vor der gnadenlosen Hetzjagd zu schützen, die nun beginnt? Ausgezeichnet mit dem Buxtehuder Bullen Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2006 (Jugendjury) Nominiert für den Gustav-Heinemann-Friedenspreis Auf der Empfehlungsliste der Besten 7 (Deutschlandfunk/Focus) im Juni 2005 Eule des Monats Juli 2005, verliehen vom Bulletin für Kinder- und Jugendliteratur Kevin Brooks, geboren 1959, wuchs in einem kleinen Ort namens Pinhoe in der Nähe von Exeter/Südengland auf. Nach seinem Studium verdiente er sein Geld lange Zeit mit Gelegenheitsjobs. Seit dem überwältigenden Erfolg seines Debütromans ?Martyn Pig? ist er freier Schriftsteller. Für seine Arbeiten wurde er mit renommierten Preisen ausgezeichnet, u.a mehrfach mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis sowie der Carnegie Medal für "Bunker Diary". Er schreibt auch Thriller für Erwachsene.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 28.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423435482
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: Lucas
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Lucas

Eins

I ch sah Lucas zum ersten Mal letzten Sommer an einem sonnigen Nachmittag Ende Juli. Natürlich wusste ich da noch nicht, wer er war ... das heißt, wenn ich es mir genau überlege, wusste ich nicht einmal, was er war. Das Einzige, was ich vom Rücksitz des Wagens aus erkennen konnte, war eine grün gekleidete Gestalt, die im flimmernden Dunst der Hitze den Damm entlangtrottete; eine schmächtige, zerlumpte Person mit einem Wuschelkopf aus strohblondem Haar und einer Art zu gehen - ich muss immer noch lächeln, wenn ich dran denke -, einer Art zu gehen, als würde er der Luft Geheimnisse zuflüstern.

Wir waren auf dem Weg vom Festland zurück.

Dominic, mein Bruder, war bei Freunden in Norfolk gewesen, nachdem er einen Monat zuvor sein erstes Jahr an der Uni beendet hatte. Am Morgen hatte er angerufen, er sei auf dem Weg nach Hause. Sein Zug sollte um fünf ankommen und er hatte gefragt, ob wir ihn am Bahnhof abholen würden. Eigentlich hasst es Dad, gestört zu werden, wenn er schreibt (was er fast immer tut), und genauso hasst er es, irgendwo hin zu müssen, aber wenn man mal vom üblichen Seufzen und Stöhnen absah - Warum kann der Junge kein Taxi nehmen? Was hat er gegen den verdammten Bus? -, dann konnte ich am Blitzen in seinen Augen erkennen, dass er sich ehrlich darauf freute, Dominic wiederzusehen.

Nicht dass Dad unglücklich war, die ganze Zeit mit mir zu verbringen, aber seit Dom an der Uni war, hatte er, glaube ich, das Gefühl, als fehle etwas in seinem Leben. Ich bin sechzehn (damals war ich fünfzehn) und Dad ist irgendwas über vierzig. Schwierige Alter - für uns beide. Erwachsen werden, erwachsen sein müssen, Mädchensachen, Männersachen, mit Gefühlen klarkommen, die keiner von uns versteht ... das ist nicht leicht. Wir können einander nicht immer geben, was wir brauchen, egal wie sehr wir uns bemühen. Manchmal hilft es einfach, jemanden dazwischen zu haben, jemanden, an den man sich wenden kann, wenn einem die Dinge über den Kopf wachsen. Wenn sonst nichts, so war Dominic doch zumindest immer ein guter Vermittler gewesen.

Natürlich war das nicht der einzige Grund, warum Dad sich freute ihn wiederzusehen - Dominic war schließlich sein Sohn. Sein Junge. Er war stolz auf ihn. Er machte sich Sorgen um ihn. Er liebte ihn.

Ich auch.

Aber irgendwie war ich nicht ganz so aufgeregt ihn wiederzusehen wie Dad. Ich weiß nicht, warum. Nicht dass ich ihn nicht sehen wollte , ich wollte es ja. Es war nur ... ich weiß auch nicht.

Irgendwas störte mich.

"Bist du fertig, Cait?", hatte Dad gefragt, als es Zeit war aufzubrechen.

"Warum fährst du nicht allein?", schlug ich vor. "Dann könnt ihr euch auf dem Rückweg mal so richtig ausquatschen zwischen Vater und Sohn."

"Ach, komm, er will doch auch seine kleine Schwester wiedersehen."

"Na gut, warte eine Sekunde. Ich hol eben Deefer."

Dad hat fürchterliche Angst, allein zu fahren, seit Mum vor zehn Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Ich versuche ihn immer zu ermutigen, aber ich mag auch nicht zu sehr drängen.

Jedenfalls waren wir aufs Festland gefahren und hatten Dominic vom Bahnhof abgeholt, und da saßen wir nun alle - die ganze Familie McCann in unseren altersschwachen Fiesta gestopft, auf dem Weg zurück zur Insel. Dad und Dominic vorn, ich und Deefer auf der Rückbank. (Deefer ist übrigens unser Hund. Ein großes, schwarzes, übel riechendes Etwas mit einem weißen Streifen über dem einen Auge und einem Kopf groß wie ein Amboss. Dad behauptet immer, Deefer sei eine Mischung aus Stinktier und Esel.)

Dominic hatte, seit er seinen Rucksack in den Kofferraum geworfen und in den Wagen gestiegen war, nonstop geredet. Uni hier, Uni da, Schriftsteller, Bücher, Zeitschriften, Partys, Leute, Geld, Clubs, Konzerte ... er unterbrach sich nur, wenn er eine Zigarette anzündete, was ungefähr alle zehn Minuten der Fall war. Und wenn ich s

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