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Mein Katastrophen-Papa, meine neue Freundin und ich von Hänel, Wolfram (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.10.2012
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Mein Katastrophen-Papa, meine neue Freundin und ich

Willies Vater ist nicht nur peinlich, sondern eine echte Katastrophe. Kein Wunder, dass Willie am liebsten im Erdboden versinken will, als sein Vater die Hauptrolle in der Schulaufführung übernimmt - und es total vergeigt. Schlechte Voraussetzungen für Willie, um 'ihr' zu imponieren. 'Sie' heißt Liane, ist neu in der Klasse und total cool. Doch Liane ist begeistert von Willies chaotischem Vater. Als der seinen Job als Schauspieler an den Nagel hängt, hat sie eine brillante Idee. Er soll Koch werden - in der neuen Kneipe ihrer Mutter! Aber wenn der Vater den Kochlöffel schwingt, ist die nächste Katastrophe schon vorprogrammiert ... Mit leckeren Rezepten!

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 190
    Erscheinungsdatum: 12.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838720128
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 2348 kBytes
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Mein Katastrophen-Papa, meine neue Freundin und ich

1

=:-(

Heute ist so ziemlich das Schlimmste passiert, was überhaupt passieren konnte: Wir waren mit der ganzen Klasse im Theater und haben uns meinen Vater angeguckt. Und es war die absolute Katastrophe! Ich schätze, die nächsten Tage sollte ich mich in der Schule erst mal besser nicht blicken lassen, bis ein bisschen Gras über die Sache gewachsen ist ...

Dabei kann ich ja eigentlich gar nichts dafür. Für meinen Vater, meine ich. Und dass er Schauspieler ist und ausgerechnet den Othello spielen musste. Der Othello ist eigentlich ein netter Schwarzer, der gerade nicht so gut drauf ist, weil Jago ihm erzählt hat, dass seine Frau was mit einem anderen hätte. Und Jago ist ein fieser Weißer, der so fies ist, dass die Zuschauer normalerweise schon "Buh!" brüllen, wenn er überhaupt nur auf die Bühne kommt. Aber in der Vorstellung mit meinem Vater war es genau umgekehrt: Die Leute haben meinen Vater ausgebuht und Jago hat jede Menge Beifall gekriegt.

Weshalb der Schubert hinterher auch voll sauer war. Der Schubert ist unser Deutschlehrer und eigentlich ganz nett. Ein bisschen nervös vielleicht, aber es gibt eindeutig Schlimmere als ihn. Kurz vor der Vorstellung hatte der Schubert uns jedenfalls extra noch mal das ganze Stück erklärt. Also dass Jago wirklich eine fiese Sau ist und dass Othello von seinen Gefühlen zerrissen wird. Genau so hat der Schubert es gesagt: "Othello wird von seinen Gefühlen zerrissen." Und dass er einem wirklich leidtun müsste deshalb. Othello natürlich, nicht der Schubert.

Das Problem war allerdings, dass mein Vater dann überhaupt keinem leidgetan hat. Vor allem nicht, als er vorgemacht hat, wie er von seinen Gefühlen zerrissen wird: Erst hat er sich gekrümmt, als ob er gerade eine Blinddarmentzündung hätte, und dann ist er laut stöhnend quer über die Bühne zu einer weißen Säule getorkelt. An der ist er dann ohnmächtig nach unten gerutscht. Das Blöde war nur, dass er ja schwarz geschminkt war. Und als er endlich auf dem Boden angekommen war, konnte man an der ganzen Säule runter die Schminke sehen. Wie Bremsspuren!

Jedenfalls hat der Schubert mich zum Schluss noch nicht mal mehr angeguckt. Dabei hätte ich es ihm vorher sagen können. Ein Stück, in dem mein Vater mitspielt, wird unter Garantie nicht so, wie der Autor sich das vielleicht mal gedacht hat. Oder wie es im Programmheft steht. Ich erinnere mich noch mit Entsetzen daran, wie ich meinen Vater mal als Hamlet gesehen habe. Da fanden die Zuschauer sogar den Totenkopf noch besser als ihn!

Aber vielleicht sollte ich erst mal ein bisschen was über mich erzählen. Wer ich eigentlich bin und so. Damit überhaupt irgendjemand irgendwas kapiert. Also ...

Ich

Ich heiße Willie. Ist wirklich wahr: Willie. Mit "ie". Hinten, nicht vorne. W-i-l-l-i-e. Weil mein Vater irgendwann mal ein Buch gelesen hat, vor ewigen Zeiten schon, als er noch nicht mein Vater war. Einen Krimi. Und in dem Krimi kam einer vor, der hieß Willie und konnte mit seinem Messer eine Mücke in zwei Hälften schneiden. In der Luft natürlich. Außerdem war dieser Willie blond, hatte blaue Augen, jede Menge Geld und eine Freundin, die für den Geheimdienst gearbeitet hat oder so was. Na ja, und das muss meinem Vater alles sehr gut gefallen haben. Und als dann klar war, dass seine Freundin schwanger war (die Freundin von meinem Vater, nicht die von Willie), da hat mein Vater gesagt: "Wenn es ein Junge wird, dann muss er Willie heißen!"

Geholfen hat es gar nichts. Ich meine, ich habe fast schwarze Haare, null Geld und auch keine Freundin beim Geheimdienst (wenn ich ehrlich sein soll, habe ich überhaupt keine Freundin!). Und als mein Vater mir zu meinem fünften Geburtstag ein Taschenmesser geschenkt hat, habe ich mir gleich am ersten Tag den halben Daumen weggesäbelt.

Inzwischen ist nur noch eine ganz kleine Narbe zu sehen. Und das Taschenmesser habe ich gegen einen Kanarienvogelkäfig eingetauscht. Mit Spie

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