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Mulan Verliebt in Shanghai Roman von Hornfeck, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.02.2016
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Mulan Verliebt in Shanghai

Das Beste aus zwei Kulturen

Drei Monate in der hippen Metropole Shanghai - für die meisten 16-jährigen wäre das ein Traum. Mulan hingegen sieht ihren Aufenthalt bei der chinesischen Verwandtschaft mit sehr gemischten Gefühlen. Als Tochter eines Deutschen und einer Chinesin tut sich die Münchnerin mit ihrem fernöstlichen Erbe schwer, besonders seit es mit der Mutter nur noch Streit gibt, weil Mulan sich weigert, mit ihr chinesisch zu sprechen und die Schrift zu lernen.

Doch als sie ihre chinesische Familie kennenlernt, vor allem ihre Großmutter, erwacht die Neugierde am mütterlichen Erbe. Unschuldig am Lerneifer ist sicher auch nicht Nianshen. Denn wie sollen die beiden Liebenden sich texten, wenn Mulan nicht lesen und schreiben kann?

Susanne Hornfeck, Dr. phil, ist Germanistin und Sinologin, Autorin und Übersetzerin. Fünf Jahre lebte und lehrte sie in Taipei. 2007 wurde sie mit dem renommierten C.H. Beck Übersetzerpreis ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 260
    Erscheinungsdatum: 19.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423429078
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 3639kBytes
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Mulan Verliebt in Shanghai

1

Mulan wurde durch ein sanftes Rütteln an der Schulter geweckt. Im ersten Moment wusste sie nicht, wo sie war. Vor ihr stand eine Stewardess und hielt ihr mit einer Zange einen gerollten Waschlappen hin. Aha, im Flugzeug. Dann war sie also doch noch eingeschlafen. Während der endlos langen Nacht hatte sie immer wieder auf die Uhr geschaut, deren Zeiger einfach nicht vorankamen. Der winzige Flieger auf dem Display im Vordersitz hatte sich quälend langsam über die riesige Landmasse Richtung Osten bewegt.

Sie rappelte sich aus ihrer unbequemen Schlafposition hoch und entwirrte die langen Beine. Als sie nach dem Waschlappen griff, wäre sie fast zurückgezuckt, das Ding war feucht und heiß. Wozu sollte das gut sein? Sie tat es den anderen nach und legte sich das Tuch aufs Gesicht. Wunderbar! Genüsslich sog sie das leichte Menthol-Aroma ein, eine Wohltat für die brennenden Augen, die trockene Nase, die gespannte Haut. Einen Moment lang blieb sie so, in ihren Sitz zurückgelehnt, geschützt vor dem grellen Licht, das jetzt die Kabine durchflutete.

Worauf hatte sie sich da nur eingelassen? Um die halbe Welt fliegen, zu unbekannten Menschen, die zwar zur Familie gehörten, ihr aber fremder nicht hätten sein können. In eine Stadt mit 12 Millionen Einwohnern - 12 Millionen Chinesen!

Sie rubbelte sich kräftig Gesicht und Hände, aber die Panik ließ sich nicht wegwischen. Und das alles wegen des ständigen Zoffs mit Mama. Nein, nicht nur deshalb. Sie würde ihren Eltern beweisen, dass sie allein zurechtkam.

Entschlossen fasste Mulan das lange schwarze Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen, den sie auf dem Kopf zu einem lockeren Knoten drehte und mit zwei Stäbchen feststeckte. Die "Staberl-Frisur", wie ihre Freundinnen daheim in München das nannten. "Allzeit bereit, falls ein leckerer Happen des Weges kommt", zogen sie Mulan gern auf.

Gleich darauf wurde ein Frühstückstablett auf ihr Klapptischchen geschoben. Mulan stocherte lustlos in dem pappigen Rührei. Ihr Magen schlief noch, war derzeit an Nahrung nicht interessiert. Welche Zeit war hier eigentlich? Mulan schob die Jalousie an ihrem Fensterchen hoch. Von draußen sprang sie ein knallblauer Himmel an.

Sie warf einen Blick auf das Display und stellte fest, dass es da, wo sie bald ankommen würden, bereits Nachmittag war. Auf dem dreizehnstündigen Flug durch mehrere Zeitzonen hatten sie sich um acht Stunden vorgearbeitet. Mulan stellte ihre Uhr.

"Immer vorwärtsdenken, nicht an der alten Zeit festhalten, dann kommst du leichter über den Jetlag hinweg." Diesen Rat hatte Papa Gregor ihr mit auf den Weg gegeben. Er war in seinem Job notgedrungen ein Vielflieger. Vorwärtsdenken.

Doch stattdessen drängte sich die Erinnerung an den trotz allem Ärger so tränenreichen Abschied am Münchner Flughafen auf. Aber Moment mal. Konnte man Heimweh kriegen, bevor man überhaupt angekommen war? Reiß dich zusammen, Mulan, sagte sie sich. Jetzt bloß nicht weinerlich werden, sondern an das denken, was bevorstand: ihr chinesisches Abenteuer.

"Wir befinden uns im Landeanflug auf den Internationalen Flughafen Shanghai, Pudong. Wir bitten Sie, Ihre elektronischen Geräte jetzt auszuschalten. Schnallen Sie sich an, und stellen Sie die Rücklehnen gerade", kam die viel zu muntere Stimme der Stewardess über den Lautsprecher, zuerst auf Chinesisch, dann auf Deutsch.

Mulan schreckte aus einem leichten Dämmerschlaf hoch, in den sie nach dem Bordfrühstück noch einmal gefallen war. Gott sei Dank, endlich raus aus dieser Käfighaltung. Mulan schlüpfte in die Schuhe. Unter ihr wurde jetzt rumpelnd das Fahrwerk ausgefahren. Durchs Fenster sah sie abgeerntete Felder und graue Industrieanlagen in verwegenem Winkel auf sich zukommen. Als die Maschine zu einem weiteren Schwenk ansetzte, blitzte für einen Moment das Wasser des Küstenstreifens auf. Dann kam die Welt wieder ins Lot; das Flugzeug richtete sich zur Landung aus. Sanftes Aufset

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