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Nichts Sagen von Annette, Feldmann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.10.2015
  • Verlag: Divan Verlag
eBook (ePUB)
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Nichts Sagen

Eine ergreifende Geschichte über den jugendlichen Nils und die Bewältigung einer schrecklichen Vergangenheit. Nils und Ari sind verliebt. Doch warum ist Nils so verschlossen und weist Ari immer wieder zurück? Sie versteht ihn nicht mehr und beendet schließlich die Beziehung. Nils kennt den Grund, er kann einfach nicht anders. Er kann mit niemandem darüber sprechen, was geschah, als er zwölf war. Aber er erinnert sich genau an die Momente, wenn sein Stiefvater in sein Zimmer kam, wenn sie allein waren. Und daran, was dann geschah. Nils möchte das hinter sich lassen. In einem Sprachkurs in Schweden schließt er Freundschaft mit Svante, der ihm einen Weg zeigt, die Vergangenheit ruhen zu lassen und den Missbrauch zu bewältigen.

Annette Feldmann geboren 1975 am Niederrhein, studierte Kanadistik und Vergleichende Literaturwissenschaften in Augsburg und Vancouver. Sie arbeitete zunächst als Lokalredakteurin bei der Rheinischen Post und seit 2008 als freie Journalistin. 2014 wurde sie mit dem dritten Platz beim Moerser Literaturpreis ausgezeichnet. 'Nichts sagen' ist ihr erstes Jugendbuch. Annette Feldmann lebt mit ihrem Mann in Kempen. Besuchen Sie die Autorin auf www.netttext.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 20.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863271077
    Verlag: Divan Verlag
    Größe: 238kBytes
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Nichts Sagen

Heute

Ich dachte ständig an Ari. An ihr ansteckendes Lachen und an die Fältchen, die sich dabei um ihre blauen Augen bildeten. An den Geruch ihrer weichen blonden Haare. Wie sich ihre leicht gebräunte Haut unter meinen Händen angefühlt hatte. Und wie sie mich angesehen hatte. Ernst. Glücklich. Verliebt. Doch ich rief sie nicht an.

Aber sie rief mich an. Ob ich Lust hätte, mit ihr Kaffeetrinken zu gehen? Hatte ich. Wir bummelten Arm in Arm am Rhein entlang, tranken Gewürzkaffee in einem marokkanischen Café und redeten und redeten und redeten. Ich fühlte mich unbeschwert und richtig gut bei ihr. Glücklich. Das war gefährlich. Nähe war schlecht. Mein inneres Sicherheitssystem blinkte: Bleib auf Distanz, dann passiert auch nichts.

"Was ist los, du bist plötzlich so still?" Ari sah mir in die Augen. Ich beobachtete meine Hände, die einen Bierdeckel zerknickten. Mein Herz überschlug sich vor lauter Panik.

"Nichts." Ich lächelte. "Treffen wir uns morgen Abend auf Kristinas Einweihungsparty?"

Gunnars Schwester, seit acht Jahren Daniels Freundin, war in ihre neue Wohnung gezogen. Ari nickte. Dann sagte ich, dass ich gehen müsste.

Zu Hause versuchten Gunnar und Daniel, Moussaka zu kochen. Die ganze Wohnung stank nach Knoblauch, auf dem Tisch stand eine leere Flasche Retsina.

"Kriegen wir Besuch?"

"Nur falls du deinen Arischatzi mitgebracht haben solltest. Wir dachten, wir machen uns einfach so einen netten WG-Abend." Gunnar fischte aus den Gemüseresten ein paar Häppchen für unsere Wellensittiche Helge und Reinhold. Gunnar hatte Reinhold letztes Jahr in einem Käfig auf dem Sperrmüll gefunden und mitgenommen. Damit er sich nicht so einsam fühlte, kauften wir Rita, die sich tragischerweise nach einigen Monaten unfreiwillig erhängte. Also besorgten wir einen neuen Freund, und seitdem kackte und krakeelte Helge mit Reinhold um die Wette. Aus dieser Sittich-Nummer kamen wir wahrscheinlich nicht mehr raus.

Daniel goss mir ein Glas Wein ein und ich musste die Salatsoße probieren.

"Sehr geschmeidige Idee", sagte ich. "Aber Arischatzi habe ich nicht mitgebracht, wie du siehst. Der Soße fehlt übrigens Pfeffer."

"Macht ja nix. Auf Kristinas Party morgen findest du sicher andere weibliche Begleitung."

"Ich glaube nicht, denn ich habe Ari vorhin zu der Party eingeladen."

Meine Mitbewohner unterbrachen verblüfft das Kochen.

"Echt?", rief Gunnar.

"Du bist verliebt!", stellte Daniel fest.

Wir aßen gemütlich auf dem Balkon und tranken literweise Rotwein. Irgendwann erinnerte sich Gunnar, dass er mit einigen Freunden in der Altstadt verabredet war, schwang sich auf sein Fahrrad und radelte schlingernd davon. Daniel und ich lachten noch über seinen ungewöhnlichen Fahrstil, als er längst verschwunden war.

"Dieser Wein hat's ganz schön in sich", meinte ich. "Was ist das für ein Zeug? So schnell bin ich noch nie besoffen gewesen."

"Vor allem nicht so billig", kicherte Daniel. "Weißt du, was der gekostet hat?"

"Nö."

"Gar nichts. Geschenk von Papa." Darüber mussten wir schon wieder sehr lange und sehr laut lachen. Dann schwiegen wir für eine Weile, sahen uns die Sterne an und wurden ein bisschen melancholisch.

"Hast du dich wirklich verliebt?", fragte Daniel in die Stille hinein.

"Ja", sagte ich. "Also, ich glaube zumindest, dass sich Verliebtsein so anfühlt. Danne, das ist mir noch nie passiert."

"Macht dich das nervös? Genieß es doch einfach."

"Ich habe ehrlich gesagt ziemlich Schiss." So, jetzt war es heraus. Daniel sah mich gespannt an.

"Nils ... wovor? Ich mein, warum denn?"

"Blöd, oder?" Ich versuchte, witzig zu klingen, dabei war mir eher zum Heulen zumute. Ich war noch nie verliebt gewesen. Ich wusste gar nicht, wie das geht. Ich wusste nur: Das hier fühlte sich anders an. Völlig und komplett und absolut anders. Sonst traf ich irgendein Mädchen, wir redeten ei

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