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Pandora - Wovon träumst du? von Siegmund, Eva (eBook)

  • Verlag: cbj avanti
eBook (ePUB)
9,99 €
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Pandora - Wovon träumst du?

Sophie lebt in einer Welt, in der alle durch einen Chip im Kopf jederzeit unbeschwert online gehen können. Als sie erfährt, dass sie adoptiert ist und eine Zwillingsschwester hat, erkunden die Mädchen damit ihre Vergangenheit - und stoßen schon bald auf seltsame Geheimnisse. Ihre Recherchen bringen den Sandman auf ihre Spur. Er will die Menschheit mithilfe eines perfekt getarnten Überwachungssystems beherrschen, und nur die Zwillinge können ihn und seine allmächtige NeuroLink Solutions Inc. zu Fall bringen. Doch das bringt sie in höchste Gefahr ... Eva Siegmund, geboren 1983 im Taunus, stellte ihr schriftstellerisches Talent bereits in der 6. Klasse bei einem Kurzgeschichtenwettbewerb unter Beweis. Nach dem Abitur entschied sie sich zunächst für eine Ausbildung zur Kirchenmalerin und studierte dann Jura an der FU Berlin. Nachdem sie im Lektorat eines Berliner Hörverlags gearbeitet hat, lebt sie heute als Autorin an immer anderen Orten, um Stoff für ihre Geschichten zu sammeln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641182854
    Verlag: cbj avanti
    Serie: cbt Taschenbücher 31059
    Größe: 1117 kBytes
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Pandora - Wovon träumst du?

LIZ

Ich musste da raus. Dringend. Noch eine Minute länger und meine Selbstbeherrschung wäre dahin gewesen. Aber wer die Fassung verliert, ist angreifbar, das hatte mein Vater mir wieder und wieder eingetrichtert. Vielmehr mein Adoptivvater. Ach verdammt. Wenn ich mich schon auf sonst niemanden verlassen konnte, wollte ich mich wenigstens auf mich selbst verlassen können.

Ich drückte mich an der Empfangsdame vorbei (die viel zu hübsch war, als dass meine Mutter sie jemals akzeptiert hätte), stürmte mit der verflixten Tüte auf die Straße und atmete ein paar Mal tief durch. Die Sonne schien wie verrückt vom Himmel und die Menschen flanierten über die Straße und unterhielten sich lachend, als wäre nichts passiert, was in den meisten Fällen ja durchaus zutraf. Für mich hatte sich soeben alles verändert. Mein ganzes Leben zerfiel gerade in seine Einzelteile. Und ich war so ungeheuer wütend darüber, dass ich am liebsten geschrien hätte.

Jetzt, in der Berliner Nachmittagssonne, die ich ganz besonders liebte, kam mir meine eigene Situation komplett surreal vor. Als hätte ich die letzten Minuten einfach nur in einem abgefuckten Traum verbracht. Doch die abgewetzte Plastiktüte in meiner Hand belehrte mich eines Besseren. Darin befanden sich die letzten Besitztümer meines leiblichen Vaters. Inklusive eines weißen Kittels, an dem noch das Blut meiner Mutter klebte. Alleine beim Gedanken daran wurde mir schlecht.

Mein Leben lang hatte ich gewusst, wer ich war und wo ich hingehörte. Doch jetzt hatte ich komplett die Orientierung verloren.

Wenige Momente nach mir kam Sophie zur Tür herausgestolpert. Sie sah genau so aus, wie ich mich fühlte: als wäre ihrer Seele übel.

Es war einfach nur ungerecht. Die vergangenen zehn Jahre meines Lebens hatte ich in meinem Elternhaus meist alleine mit unserer Haushälterin Fe, dem Security-Manager Juan und meiner Dalmatiner-Dame Daphne verbracht. Bei so vielen Dingen, Problemen und Entscheidungen war ich völlig auf mich alleine gestellt gewesen. Ich hätte für eine Zwillingsschwester getötet. Wirklich wahr. Und doch konnte ich mich jetzt nicht darüber freuen, eine zu haben.

In einer normalen Welt wüsste ich alles über sie und sie wüsste alles über mich. In einer normalen Welt würden wir abends lange aufbleiben, Frisuren, Outfits und Jungs durchdiskutieren und einander auf Partys beim Kotzen die Haare aus dem Gesicht halten. Wir würden uns bis aufs Blut streiten und in der nächsten Sekunde wieder vertragen. Ich könnte ihren Musikgeschmack nicht ausstehen und sie meinen nicht, aber wir würden trotzdem zusammen tanzen. In einer normalen Welt. Leider war das hier keine normale Welt. Die schreckliche Wahrheit war, dass die Welt selbst immer verrückter wurde und ich nicht mehr über meine Zwillingsschwester wusste als ihren Namen. Und dass sie keine Frisur hatte, sondern einfach nur Haare auf dem Kopf. In einer normalen Welt würde ich sie spätestens jetzt zum Friseur schleppen, um diesen Zustand zu beheben.

Stattdessen aber sagte ich: "Wir hätten ihn nach der Adresse dieses Anwalts fragen sollen!"

Sophie sah mich mit ausdrucksloser Miene an. "Wir hätten ihn lieber fragen sollen, ob unsere Eltern von all dem wussten. Unsere Adoptiveltern, meine ich. Das ist alles so ..."

"Scheiße?", bot ich an und Sophie nickte. Sie war weiß wie eine Wand und ich hatte schon Angst, dass sie umkippen würde, als sie sich auf den Treppenvorsprung des Notariatseingangs setzte. Mein erster Impuls war, mich zu ihr zu setzen, doch irgendetwas hielt mich davon ab. Ihre Worte hatten mir einen Stich versetzt. Was, wenn meine Eltern die ganze Zeit gewusst hatten, dass ich noch eine Zwillingsschwester hatte, die ebenfalls in Berlin lebte? Und was noch viel wichtiger war: Warum hatten sie mir nie gesagt, dass ich adoptiert war? Wieso hatten sie überhaupt ein Kind adoptiert, wenn sie gar keine Zeit für Kinder hatten? Weil es schick war? Weil sie beweis

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