text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Rückwärts ist kein Weg Schwanger mit 14 von Frey, Jana (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.06.2018
  • Verlag: Loewe Verlag
eBook (ePUB)
5,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Rückwärts ist kein Weg

Lilli ist gerade 14 Jahre alt, als sie schwanger wird. Alle wollen für sie entscheiden. Alle wissen, was gut für sie ist - eine Abtreibung. Doch Lilli ist sich nicht so sicher. Am liebsten möchte sie für immer in ihrem Zimmer bleiben. Was für ein eigenartiger Gedanke, ein Baby im Bauch zu haben. Davids und ihr Baby. David mit dem schönen Lächeln. Lilli horcht in sich hinein und versucht, die richtige Entscheidung zu treffen. Schwangere Mädchen müssen mit vielen Ängsten kämpfen und plötzlich eine ungeheuer große Verantwortung übernehmen - wie auch Lilli. Jana Frey erzählt die Geschichte eines Mädchens, das sich gegen alle Widerstände für das Baby entscheidet. Zusammen mit ihren Freunden muss sie mit einer ungewollten Schwangerschaft fertig werden und trotzdem ihre Lebensfreude bewahren. Jana Frey, in Düsseldorf geboren, fing schon in ihrer Kindheit an zu schreiben. Mit 18 Jahren zog sie zu Hause aus und war danach lange in Amerika und Neuseeland, bevor sie wieder nach Deutschland zog. Aber egal auf welcher Seite der Weltkugel - das Schreiben hat sie immer begleitet. Sie studierte Literatur und wurde freischaffende Autorin. Inzwischen hat sie über 40 Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht und war für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 11.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732012640
    Verlag: Loewe Verlag
Weiterlesen weniger lesen

Rückwärts ist kein Weg

1

Wir waren die kleinste Familie der Welt, denn es gab nur meine Mutter und mich.

Meine Freundin Annalena hat eine Mutter und einen Vater und einen Stiefvater und eine Schwester und eine Halbschwester und einen kleinen Neffen. Außerdem hat sie zwei Großmütter und eine Stiefoma und einen Stiefopa. Und die Stiefoma hat selbst noch ihre Mutter, die damit sozusagen Annalenas Stiefuroma ist. Annalena besucht sie fast jede Woche für einen Nachmittag und spielt mit ihr Nintendo oder diskutiert mit ihr über das Leben und solche Sachen.

Meine Freundin Viktoria hat auch eine Mutter und einen Stiefvater und drei kleine Halbgeschwister, und ihr leiblicher Vater lebt in Paris und ist dort auch wieder verheiratet und hat zwei kleine Zwillingssöhne, die Viktorias Halbbrüder sind und die sie in den Ferien besucht. Außerdem hat sie eine Großmutter, die mit ihr im selben Haus wohnt, und einen französischen Großvater, der bei ihrem Vater in Paris wohnt.

Und dann gab es da eben mich und meine Mutter.

Einmal, vor zwei Jahren, in der siebten Klasse, bekamen wir in Gemeinschaftskunde als Hausaufgabe auf, unsere Wurzeln zu suchen. Wir sollten unsere Familie beschreiben und einen Familienstammbaum erstellen.

"Toll, in meinem Fall eine schnelle Hausaufgabe", sagte ich achselzuckend zu Annalena. "Ich schreibe meinen Namen und den Namen meiner Mutter hin und - voilà - mein Familienstammbaum ist komplett!"

Nachdenklich starrte ich aus dem Fenster. Draußen war Winter, kalter, nasser, trostloser Februarwinter. Weihnachten war vorbei, Silvester war vorbei, die Weihnachtsferien waren vorbei. Und ich fühlte mich auf einmal merkwürdig traurig.

Diese Vater-Gefühle, die kannte ich natürlich schon lange. Diese Wo-ist-er?-Was-macht-er?-Denkt-er-manchmal-an-mich?-Warum-meldet-er-sich-nie-bei-mir?- Gefühle. Aber zum ersten Mal vermisste ich auch eine Drumherumfamilie. Die Eltern meiner Mutter. Die Eltern meines fremden Vaters. Meine Mutter hatte keine Geschwister. Hatte mein Vater welche?

Dass meine Mutter überhaupt existierte, war nur ein Zufall, ein kleiner, geheim gehaltener Skandal, eine verstrickte Angelegenheit. Ihr Vater war ein katholischer Priester gewesen. Und ihre Mutter stammte aus Polen und hatte jahrelang als Haushälterin im katholischen Pfarrhaus gearbeitet. Und erst als sie schon über vierzig war, wurde sie schwanger und bekam meine Mutter. Der Vater meiner Mutter war sogar schon über fünfzig, und er stand nie zu diesem Kind, das er nicht hätte zeugen dürfen. Er blieb in seiner Kirche und vertuschte die Sache, so gut es ging, indem er meine Großmutter, schwanger wie sie war, zurück nach Polen schickte. Dort wuchs meine Mutter auf und kam erst nach Deutschland, als sie die Schule beendet hatte und ihren Vater kennenlernen wollte. Aber der war in der Zwischenzeit längst gestorben. Trotzdem blieb meine Mutter hier. Und als sie gerade mit mir schwanger war, starb ihre Mutter in Polen.

"Was weißt du überhaupt von deinem Vater?", fragte mich Annalena an diesem Februarnachmittag.

Ich zuckte mit den Schultern.

"So gut wie nichts", sagte ich schließlich leise.

"So gut wie nichts heißt, dass du doch etwas weißt", sagte Annalena und legte ihren Arm um meine Schulter. Ich starrte weiter aus dem Fenster in den grau verhangenen Winterhimmel. Das Haus, in dem ich damals wohnte, war ein relativ einsam stehendes Hochhaus und man fühlte sich von meinem Zimmer aus fast wie im Himmel. Gerade schoss eine große Formation kreischender Vögel über den Himmel, ganz in unserer Nähe. Schön sah das aus, schön wild und ein bisschen unheimlich.

"Erzähl doch mal", bohrte Annalena.

"Was?", fragte ich und dachte verwirrt daran, wie vielen Zufällen ich es verdankte, dass ich überhaupt geboren werden konnte.

"Von deinem Vater", sagte Annalena.

Die Vögel waren vom Himmel verschwunden, aber schon im nächsten Moment

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen