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So weiß wie Schnee Lumikki-Trilogie (2) von Simukka, Salla (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.02.2015
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)
11,99 €
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So weiß wie Schnee

In brütender Hitze stapft Lumikki durch Prag auf ihrer Backpacking-Tour. Als sie von einem Mädchen angesprochen wird, das behauptet ihrer Halbschwester zu sein, scheint ihr Welt kopf zu stehen. Das Mädchen überredet Lumikki, sich ihrem religiösen Kult anzuschließen. Doch das Oberhaupt des Kultes plant einen grausamen Massensuizid und Lumikki muss wieder einmal um ihr Leben rennen. Der Ritus ist nicht ganz sauber und die Unschuld der Kultanhänger alles andere als weiß wie Schnee. Der zweite unwiderstehlich spannende Band der Lumikki-Trilogie von Star-Autorin Salla Simukka. Salla Simukka, Jahrgang 1981, ist eine junge Autorin, die sich mit preisgekrönten Jugendbüchern in Finnland einen Namen gemacht hat. Sie arbeitet außerdem als literarische Übersetzerin sowie Rezensentin und Redakteurin für verschiedene finnische Zeitungen. Ihre Trilogie um Lumikki hat sie zu internationalem Erfolg geführt. 'So rot wie Blut' erscheint in mehr als 40 Ländern. Foto © Karoliina Ek

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 10.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401803951
    Verlag: Arena Verlag
    Serie: Lumikki Andersson Bd.2
    Größe: 1703 kBytes
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So weiß wie Schnee

1

I'm only happy when it rains.

Die Stimme von Shirley Manson sickerte in Lumikkis Ohren und raunte ihr zu: "Hör nur noch traurige Lieder, lass dich von kühlen Nächten trösten, suhl dich in schlechten Nachrichten."

Doch vom hellblauen Himmel brannte eine strahlende Sonne, und bei knapp dreißig Grad rann Lumikki der Schweiß über den Rücken. Ihr ganzer Körper war von einem feuchten Film überzogen. Wenn sie ihre Hände jetzt abgeleckt hätte, dann hätten sie bestimmt salzig geschmeckt. Und so schmal die zierlichen Riemen ihrer Sandalen auch waren, sie engten Lumikki trotzdem ein, ihre Füße wollten frei sein.

Sie setzte sich auf eine Mauer, streifte die Sandalen ab, zog ihre Beine an und wackelte mit den Zehen. Eine Gruppe japanischer Touristen starrte sie verwundert an. Hallo? Hatten die noch nie nackte Zehen gesehen? Tag allerseits, ich komme aus Finnland, dem Land der Mumins, und Mumins gehen nun mal barfuß.

Keine einzige Wolke weit und breit. Kein Regen seit fünf Tagen.

I'm only happy when it rains. Den Text mitzusingen, wäre eine glatte Lüge gewesen. Lumikki war glücklich und liebte die Hitze. Sie sehnte sich nicht nach Problemen. Sie fühlte sich nicht bestätigt, wenn etwas schiefging. Sollte Shirley Manson ihre trübe Philosophie für sich behalten. Lumikki stellte die Musik ab und ließ die Geräuschkulisse auf sich einwirken.

Italienisch, Spanisch, amerikanisches Englisch, Deutsch, Französisch, Japanisch, Russisch ... Im bunten Durcheinander der vielen Sprachen erkannte Lumikki nur hier und da ein paar Fetzen; ganze Sätze oder gar Gespräche ließen sich in diesem Trubel nicht mitverfolgen. Lumikki war ganz froh darüber, so musste sie sich keine banalen Wortwechsel mit anhören. Sie wusste auch so, worum sich die meisten Alltagsgespräche drehten, und interessierte sich nicht dafür.

Was für ein toller Platz, was für eine Aussicht!

Unter ihr lagen die Häuser und Straßen Prags. Rot gedeckte Dächer, üppiges grünes Laub, Kirchtürme, Brücken, die Moldau, auf deren gekräuselter Oberfläche die Sonne glitzerte. Der Anblick der Stadt verschlug Lumikki den Atem, auch noch am fünften Tag. Bisher war sie jeden Tag an einen Aussichtspunkt gegangen, hatte über das Meer von Häusern und Sehenswürdigkeiten geblickt und eine unbändige Freude verspürt.

Vielleicht war es die Freude der Freiheit, des Für-sich-Seins. Sie war allein, und das im besten Sinn. War niemandem Rechenschaft schuldig. Keiner rief an, keiner wollte wissen, was sie vorhatte. Es gab keine Pflichten. Über das anstehende Abijahr und ob sie am Ende der Sommerferien noch jobben würde - darüber konnte sie sich auch in Finnland noch Gedanken machen, nach ihrem Urlaub. Jetzt gab es nur die verschwenderische Sommerhitze und die Stadt, die an allen Ecken Geschichte atmete.

Es war der 16. Juni. Eine Woche hatte Lumikki noch vor sich. Dann musste sie zurückfliegen und das traditionelle Mittsommerfest feiern, mit ihren Eltern und Verwandten. Dieses Mal in den Schären vor Turku. Und weil ihr Vater nun mal fest mit ihr rechnete, hatte sie es einfach nicht fertiggebracht, Nein zu sagen. Sie hatte ja wohl nichts anderes vor? Fuhr bestimmt nicht mit Freunden auf eine Sommerhütte? Hatte keine Pläne mit irgendjemandem zu zweit?

Nein, hatte sie nicht. Am liebsten wäre Lumikki Mittsommer in ihrer Wohnung in Tampere gewesen, ganz allein mit sich und der Stille. Keine Trinklieder, keine neuen Kartoffeln, kein Hering. Sie hatte absolut keine Lust, die gewissenhafte Oberstufenschülerin zu geben, höflich zu lächeln und Small Talk zu machen, sich Antworten auszudenken auf die Frage nach ihren Zukunftsplänen und ob sie einen Freund hatte, hatte keine Lust, nervige Onkel, mit denen sie nicht blutsverwandt war, nach zu engen Umarmungen wieder auf Abstand zu bringen.

Aber ihr Vater wollte sie dabeihaben. Und ihre Mutter auch, unbedingt. Es war schließlich erst dreieinhalb Monate her, dass Lumik

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