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Whisper Ausgezeichnet mit dem Jugendliteraturpreis Segeberger Feder 2006 und dem ersten Preis der Moerser Jugendbuch-Jury 2005/2006. Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2006, Kategorie Preis der Jugendlichen von Abedi, Isabel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2012
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)
7,99 €
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Whisper

Eine unwirkliche Stille liegt über dem alten Haus Whisper, drückend und gefährlich. Als Noa es das erste Mal betritt, ist sie gleichermaßen ergriffen von Furcht und neugieriger Erwartung. Doch niemand außer ihr scheint zu spüren, dass das alte Gebäude ein lang gehütetes Geheimnis birgt ... Isabel Abedi, 1967 geboren, arbeitete 13 Jahre lang als Werbetexterin. Abends, am eigenen Schreibtisch, schrieb sie Kinder- und Bilderbuchgeschichten und träumte davon, eines Tages davon leben zu können. Dieser Traum hat sich längst erfüllt: Isabel Abedi hat inzwischen zahlreiche sehr erfolgreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, von denen manche bereits ausgezeichnet und in andere Sprachen übersetzt wurden. 'Die längste Nacht' ist Isabel Abedis fünfter Jugendroman. www.isabel-abedi.de Foto: © Hergen Schimpf

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 01.06.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401800042
    Verlag: Arena Verlag
    Größe: 357 kBytes
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Whisper

ZWEI

Es ist, als ob er seine Worte zu Hause sparen würde, um sie draußen auszuteilen. Die Dorftrottel in der Kneipe kleben schon jetzt an seinen Lippen wie die Bienen am Honig. Der Herr Doktor aus der Stadt mit seiner schönen Tochter. Ich sage kein einziges Wort. Mein Gesicht ist aus Glas und ich wünsche mir, dass sich jemand daran schneidet.

Eliza, 5. Juli 1975

A m Himmel tauchten schon die ersten Sterne auf. Wie silbrige Punkte sprenkelten sie die Schwärze über dem Dorf. Noch immer war die Dorfstraße leer, aus einem Stall drang das leise Muhen einer Kuh und vom Bürgersteig, schräg gegenüber von der Kneipe, hörte Noa Stimmen. Stimmen von Jugendlichen, die an einer Bushaltestelle standen und ihnen den Rücken zukehrten. "Einen Kasten Bier, zwei Pullen Wodka-Redbull, das knall ich schon weg ... " - "Erzähl keinen Scheiß, Alter, so dürre wie du bist, kippst du doch schon bei der ersten Pulle aus den Latschen ..." - "Ey komm, Dennis, das musst du grad sagen, wer hat denn hier gestern auf die Weide gekotzt ..."

Noa zwang sich wegzuhören und versuchte die Bilder, die vor ihrem inneren Auge aufstiegen, in den Hintergrund zu drängen. Aber es gelang ihr nicht. Die Bilder kamen, eins nach dem anderen und zuverlässig wie ungebetene Gäste: Kats in einenPartykeller verwandelte Garage mit dem flackernden Rotlicht. Svenja und Nadine, beide total betrunken. Die riesigen Boxen, die winzige Tanzfläche. Noa selbst in der Mitte, umringt von den anderen. Heikos Augen. Seine dunklen Augen, funkelnd, lachend. Seine Hand, die Noa wegzog, weg aus dem Keller, hoch in die Wohnung und ... Noa presste die Finger gegen die Schläfen, schüttelte kurz und heftig ihren Kopf. Nein, nicht weiterdenken, nicht jetzt, nicht hier!

Noa hängte sich an Gilberts Arm und vergrub ihr Gesicht in seiner weichen Wildlederjacke. Er streichelte ihr über den Kopf, als wüsste er, womit sie kämpfte - als wüsste er auch, warum sich Noa letztlich doch für diesen Urlaub und nicht für die Reise mit ihren so genannten Freunden auf die Partyinsel Mykonos entschieden hatte, wo Svenjas Tante ein kleines Hotel leitete. Ja, bestimmt wusste Gilbert es. Schließlich war er es gewesen, der in jener Nacht an Noas Bett gewacht hatte. Er. Nicht Kat.

Und auch nicht Svenja oder Nadine, denen Noa nie erzählt hatte, was geschehen war. Nicht mal Gilbert hatte sie sich anvertraut, hatte sich nur mit seiner Nähe getröstet, und manchmal hatte Noa das Gefühl, er war nicht nur der Ersatz eines Elternteils, sondern ersetzte auch die Freunde, die sich Noa wünschte. Freunde, mit denen man mehr machen konnte, als auf Partys zu gehen, sich zu betrinken oder nachmittags in irgendwelchen Shoppingcentern abzuhängen. Freunde, mit denen man über mehr reden konnte als über Markenklamotten, Typen, andere Mädchen mit dicken oder dünnen Hintern, zu viel oder zu wenig Busen. Freunde, die sie nicht ständig über Kat ausfragen oder auf irgendwelche Premierenfeiern mitgehen wollten. Hey, schaut her, ich bin mit der Tochter von Katharina Thalis befreundet. Noa atmete scharf aus. Wie lange würde es dauern, bis Kat auch hier im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen würde? Tage - oder Stunden?

Vor der Kneipe stand ein VW-Bus, ein altes Ding, dunkelblau, fast schwarz gestrichen und voller aufgemalter Sterne. Noa ging dicht an den Wagen heran. Da hatte sich jemand Mühe gegeben - und sein Werk wirklich gut gemacht. Der VW-Bus sah aus, als wollte er dem Himmel Konkurrenz machen. Abertausende von Sternen verteilten sich auf ihm, sogar die Milchstraße und den großen Wagen konnte Noa erkennen.

"Ich rieche Gras", sagte Gilbert.

Kat lachte. "Wir sind auf dem Land, natürlich riechst du Gras, Gil, ich meine, was ..."

"Nein, nicht so ein Gras." Gilbert schüttelte den Kopf, schnupperte in der Luft und jetzt roch Noa es auch. Kein Zweifel, da kiffte jemand. Aber seltsam ... der Duft kam von oben. Noa legte den Kopf in den Nacken.

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