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Wovon du träumst von Gembri, Kira (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.11.2017
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)
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Wovon du träumst

Der neue Roman von Kira Gembri - bewegend, einfühlsam und humorvoll Siegertitel des DELIA Literaturpreises 2018: Bester Liebesroman in der Kategorie Jugendbuch. Emilia führt eine Liste von besonderen Träumen: Sie möchte Klavierspielen lernen, ein Konzert besuchen oder einfach nur wissen, wie der Regen klingt. Hinter jedem dieser Punkte steckt für sie jedoch eine große Herausforderung, denn Emilia ist nahezu taub. Dass der Zufall sie ausgerechnet auf Nick treffen lässt, erscheint ihr wie ein schlechter Scherz. Schließlich zeigt der Junge mit dem schiefen Grinsen viel mehr Interesse an Partys als an Musik. Doch während Emilia ihren Träumen nachjagt, begegnen sich die beiden immer wieder - und wie es scheint, sind Nicks laute und Emilias stille Welt gar nicht so weit voneinander entfernt ... Kira Gembri wurde 1990 als zweitältestes von fünf Kindern in Wien geboren. Dieser schönen Stadt blieb sie auch nach dem Abschluss ihres Masterstudiums der Vergleichenden Literaturwissenschaft treu. Wenn sie nicht gerade mit ihrer kleinen Tochter auf dem Teppich herumrollt, mehr schlecht als recht Cello spielt, ihrem Kater - einem charakterlichen Doppelgänger von Simon's Cat - hinterherjagt oder in einem der Bücher schmökert, die sich in ihrer Wohnung stapeln, gilt ihre Leidenschaft dem Schreiben humorvoller und romantischer Geschichten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 06.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401806921
    Verlag: Arena Verlag
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Wovon du träumst

Emilia

Den ganzen Tag lang werde ich Adrians Worte nicht mehr los.

Wieder und wieder sehe ich die Bewegungen seiner Lippen vor mir, sozusagen kein Ohr-, sondern ein Augenwurm: "Ich finde es ja bewundernswert, wie du mit deiner Behinderung umgehst, aber ... tut mir leid, das hat einfach keinen Zweck."

Als es draußen finster wird, bin ich drauf und dran, mich für den restlichen Abend einfach nur zu verkriechen. Dabei habe ich den Party-Flyer schon vor Tagen an die Korktafel über meinem Schreibtisch gepinnt - direkt neben meine ganz spezielle To-do-Liste. Das Zimmer des Studentenwohnheims ist so klein, dass ich auch von meinem Bett aus beides genau sehen kann. Allerdings sind es nicht die bunten Lettern auf dem Flyer, sondern meine eigenen, sorgfältig geschriebenen Buchstaben, an denen mein Blick haften bleibt.

Ich bin sicher, die meisten neuen Bewohner dieses Heims müssen in den Sommerferien jede Menge erledigen, und viele von ihnen haben diese guten Vorsätze bestimmt auch notiert. Allerdings stehen auf ihren Listen wohl eher solche Punkte wie: Skripte kaufen, ein U-Bahn-Semesterticket besorgen, einen Uni-Sportkurs aussuchen und so weiter. Was ich mir für die nächsten freien Monate vorgenommen habe, hängt überhaupt nicht mit den beiden Studienrichtungen zusammen, auf die meine Wahl nach längerem Überlegen gefallen ist. Klar, Germanistik und Bildungswissenschaften interessieren mich - wobei ich mich jetzt schon frage, ob ich die Lippen der Professoren werde lesen können. Aber zum Studieren bin ich eigentlich nicht nach Wien gekommen. Oder jedenfalls nicht nur.

Abrupt stemme ich mich vom Bett hoch und gehe zu meiner Anlage hinüber, die auf der Kommode neben dem Schreibtisch steht. Mein Zeigefinger ertastet den richtigen Knopf, ohne dass ich den Blick von meiner Liste abwenden muss. Dann lege ich die flache Hand auf eine der Lautsprecherboxen und lasse die Mondscheinsonate auf meiner Haut zittern, während ich jeden der sieben Punkte einen Moment lang fixiere:

1. Klavierunterricht nehmen .

2. Ein Konzert besuchen .

3. In die Disco gehen .

4. Schreien, so laut ich kann .

5. Mich nachts im Bett unterhalten, bis ich einschlafe .

6. Herausfinden, wie der Regen klingt .

7. Mit einem Hörenden richtig befreundet sein .

Wie üblich hilft mir das Vibrieren der Lautsprechermembran dabei, mindestens fünf Jahre in die Vergangenheit zurückzureisen - in die Zeit, als Nana noch in meinem Leben war und das Tor zur anderen Welt ein klein wenig offen stand. Aber diesmal hält der Effekt nicht besonders lange an. Widerwillig ziehe ich die Hand zurück, schalte die Anlage aus und greife nach einem wasserfesten Marker. Zentimeter für Zentimeter verschwindet "Klavierunterricht nehmen" unter einer dicken schwarzen Linie.

Durchgestrichen statt abgehakt.

Ich werfe den Marker zurück auf den Schreibtisch und nehme einen tiefen Atemzug. Wenn dieser Tag kein totaler Reinfall werden soll, darf ich mich jetzt nicht auf dem Bett zusammenrollen und in eines meiner Bücher vertiefen, wie so oft seit meiner Ankunft in Wien. Wozu habe ich diese Liste überhaupt geschrieben, wenn ich die Sommerferien dann doch nur wie eine Einsiedlerin verbringe? Möglicherweise zählt eine Fete im Keller nicht direkt als Disco, aber es schadet ja nicht, klein anzufangen. Sozusagen ein vorsichtiges Klopfen ans Tor, statt wie heute Nachmittag mit vollem Karacho dagegenzurennen.

Bevor mich die Entschlossenheit wieder verlassen kann, streife ich meine Ballerinas über und schlüpfe aus der Zwei-Zimmer-WG hinaus auf den Flur. Vor der Treppe zum Keller stehen ein paar Jungen und Mädchen herum und rauchen, obwohl das hier strengstens verboten ist. Möglicherweise sind das gar keine regulären Heimbewohner, sondern Urlauber, die während der Sommerferien freistehende Zimmer gemietet haben. Das würde erklären, warum s

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