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Zerbrochene Seele von Hüberli, Mirjam H. (eBook)

  • Verlag: Impress
eBook (ePUB)
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Zerbrochene Seele

Ein Roman mit Gänsehautgarantie Als ihre Mutter bei einem Unfall ums Leben kommt, will die siebzehnjährige Ella nur noch eines: vergessen. Ihren Traum vom Tanzen, ihr altes Leben ... einfach alles. Doch ihre Vergangenheit holt sie unerbittlich ein, lässt Ella an allem zweifeln, was sie ausmacht, und plötzlich weiß sie nicht einmal mehr, wer sie ist. Der einzige Farbklecks in ihrem grauen Leben ist Leo, der Junge, der immer wieder in Ellas Nähe auftaucht. Mit ihm versucht sie dem Geheimnis ihrer Vergangenheit auf die Spur zu kommen und Totgeschwiegenes ans Tageslicht zu bringen. Doch die Antworten, die Ella sucht, könnten sie das Leben kosten... //Textauszug: Schweigend bleiben wir stehen, halten den Blickkontakt, bis Leo auf einmal mit ernster Miene sagt: "Ella, du darfst nicht zulassen, dass die Angst die Macht über dich gewinnt. Versprich mir das." "Wie...?" Er schüttelt den Kopf. "Hör einfach darauf, was dir deine innere Stimme zuflüstert." Ich fühle mich in meinen Gedanken ertappt und schüttle in einer resignierenden Geste den Kopf. "Und wenn meine Angst so laut hämmert, dass ich meine innere Stimme nicht mehr hören kann?"// Vor vielen Jahren erblickte Mirjam H. Hüberli, dicht gefolgt von ihrer Zwillingsschwester, in der schönen Schweiz das Licht der Welt. Erst während des Studiums zur Online-Redakteurin wurde ihr bewusst, was sie wirklich will. So beschloss sie, den Schritt aus dem stillen Schreibkämmerchen in die aktive Szene zu wagen, um das zu leben, was das Herz ihr zuflüstert: Eigene Geschichten schreiben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 308
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646602296
    Verlag: Impress
    Größe: 2395 kBytes
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Zerbrochene Seele

PROLOG - WIE BLUTROTE SCHNEEFLOCKEN

Donnerstag, 10. Dezember 2015, 21:44

"Verflucht! Schon wieder zu spät!"

Ich renne.

Zwei Minuten. Ja, nur zwei Minuten früher, dann hätte ich den blöden Bus noch erwischt. Ist doch jedes Mal dasselbe Theater mit diesem Tanzkurs.

Während ich über die Straße hetze, ziehe ich die Kapuze tief in die Stirn, fast bis zur Nase, weil mir der Schnee so heftig ins Gesicht weht. Ungeduldig blinzle ich die Flocken aus den Wimpern. Leise fallen sie zu Boden und verschmelzen mit der Nässe des Asphalts.

Viertel vor zehn. Beinahe eine Stunde zu spät. Ich weiß, wie sehr Mama das hasst. Sie wird ziemlich hysterisch, wenn sie nicht weiß, wo ich so lange bleibe.

Im Laufschritt hechte ich weiter. Kralle mit klammen Fingern die Kapuze fest, mit der anderen Hand zücke ich das Handy und wähle ihre Nummer. Zum hundertsten Mal.

Es klingelt. Einmal. Zweimal. Dreimal.

Das sieht ihr nicht ähnlich. Wieso geht sie denn nicht ran?

Viermal. Fünfmal.

"Hallo, hier spricht Annabelle Haller. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht, dann rufe ich zurück."

Wieder diese beknackte Mailbox. Noch mal quatsche ich da nicht drauf.

Meine Turnschuhe triefen vor Nässe, meine Zehen schmerzen vor Kälte. Gleich bin ich da, nur noch um die Hausecke.

Die Laterne über mir flimmert in der Nacht.

Und dann sehe ich es: Nicht die Laterne flimmert, nein.

Kaltes, grelles Licht - es beleuchtet die Hausfassaden, blitzt in den Fensterscheiben und schimmert auf dem nassen Boden unter mir.

Ein Rettungswagen - verflucht nah vor unserem Hauseingang.

Blaulicht flackert auf. Flackert auf und erlischt. Im wiederkehrenden hektischen Rhythmus und mein Puls rauscht im Gleichtakt.

Meine Schritte verlangsamen sich, nicht aber mein Herz. Ich sauge die Nachtluft scharf ein und mein ganzer Oberkörper atmet die Bewegung mit.

Mein Herz beruhigt sich nicht. Wieso beruhigt es sich denn nicht? Mit dem nächsten Wimpernschlag verstehe ich. Ich habe mich geirrt.

Geirrt.

Der Rettungswagen steht nicht in der Nähe unseres Hauseingangs. Nein. Der Wagen steht direkt davor.

Für einen Atemzug scheint es, als wäre ich der einzige Mensch, der sich bewegt.

All die Leute.

All die fremden Gesichter.

Was ist hier los?

Mein Schnaufen geht in ein panisches Keuchen über.

Überall Hände.

Überall Augen.

Ich zwänge mich durch Arme, ausgestreckt, um mich zurückzuhalten.

"Lasst mich durch!", schreie ich erstickt. Doch die fremden Gesichter bilden eine unbezwingbare Mauer.

Ich spüre die Kälte kaum, die mich immer stärker umgibt. Wie eine eiserne Schlinge.

Ich torkle nach vorne. Meine Hände tasten nach Halt und greifen ins Leere. Irgendwo höre ich Stimmen, spüre einen Klammergriff am Oberarm. Ich mache einen Schritt zur Seite, als mich ein Geräusch abrupt zum Stehen bringt.

Für einen Augenblick schweigt die Welt um mich herum. So still und leise wie die rieselnden Schneeflocken. Die Stille kriecht mir als stummer Vorbote unter die Haut.

Dann sehe ich Männer, die den Eingangsbereich mit einer leeren Trage verlassen, sie mit einem kräftigen Ruck über die Schwelle stoßen und sich mühsam einen Weg durch die Menschen bahnen. Ihre Gesichter zeigen keine Regung. Gesichter aus Stein.

Kein Gefühl der Erleichterung stellt sich ein. Im Gegenteil. Mir stockt ganz plötzlich der Atem.

Worte hämmern hinter meiner Stirn: Wieso ist die Trage unbenutzt? Sie schieben sie zurück in den Krankenwagen, verriegeln die Tür, murmeln einander etwas zu. Weniger als ein Flüstern und dennoch erschaudere ich bei ihren Worten. Jedes ihrer Geräusche dröhnt durch die Nacht. Viel zu laut. Haben keinen Platz. Gehören nicht hierher. Dazu das Hämmern meines Herzens, die heulende Finsternis und die gespenstischen Blicke.

Mühevoll

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