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Jugend in Gefahr! 19 Tipps, wie du deinen 20. Geburtstag erlebst. Und den 100. vielleicht auch noch. von Nützel, Nikolaus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.09.2015
  • Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
eBook (ePUB)
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Jugend in Gefahr!

No risk, no fun. Oder doch lieber die Mutter der Porzellankiste? "Soziale Netzwerke machen süchtig!" - "24 % aller Jugendlichen leiden unter einer psychischen Störung!" - "Sonnenbrände töten!" Die Jugend von heute schwebt in höchster Gefahr - zumindest laut Medien, Werbung und einiger Fachleute. Also: Immer schön vorsichtig sein! Doch es gibt auch höchst verwirrende Informationen über Lebensrisiken, wie etwa: "Kokosnüsse sind 15 x tödlicher als Haie ..." Anhand anschaulicher Beispiele erklären Nikolaus Nützel und Dr. Hannes Blankenfeld, wie viel Gefahr drinsteckt, wenn Gefahr draufsteht, und wie wichtig es ist, sich eigene Gedanken zu machen. Denn: 100 % Sicherheit gibt es nie. Aber 100 % Vertrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit! Nikolaus Nützel, gelernter Dolmetscher, Diplom-Journalist und Romanist, arbeitet als freier Journalist vor allem für den Bayerischen Rundfunk. Daneben schreibt er Sachbücher für Jugendliche, die unter anderem zweimal als 'Bestes Junior-Wissensbuch' des österreichischen Wissenschaftsministeriums ausgezeichnet wurden. "Sprache oder Was den Mensch zum Menschen macht" war zudem für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und erhielt den "Luchs" von Radio Bremen und DIE ZEIT.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 28.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641157005
    Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
    Größe: 9463kBytes
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Jugend in Gefahr!

2 Die irre Angst

Warum die Angst vor Kriminalität möglicherweise mehr Schaden anrichtet als die Kriminalität selbst

Das Ganze ist Anna reichlich peinlich. Es ist fünf Uhr nachmittags an einem Tag im Dezember. Sie ist sechzehn Jahre alt. Und sie muss nach einer Veranstaltung in der Bücherei ihrer Heimatstadt die Bibliothekarin bitten, sie nach Hause zu begleiten. Denn Annas Eltern finden: Das Mädchen muss davor geschützt werden, Opfer eines Verbrechens zu werden. Zumindest im Winter, wenn es um fünf bereits dunkel ist.

Anna hat die Statur einer jungen Frau. Aber das beruhigt die Eltern nicht. Im Gegenteil, sie machen sich gerade deshalb zusätzliche Sorgen. Sie haben nicht nur Angst vor Räubern, sondern auch vor Vergewaltigern. Oder noch schlimmer: dass die 16-Jährige zuerst missbraucht und anschließend auch noch getötet wird.

Man darf vermuten, dass diese "Videoschutzanlage" vor Gewaltattacken im Zug bewahren soll. Das wird ihr höchstens indirekt gelingen - indem sie möglichen Tätern Angst vor Beobachtung macht.

© Nikolaus Nützel

"Diese Angst ist völlig übertrieben und schränkt die Möglichkeiten des Mädchens ein, eigene Erfahrungen zu machen." Das meint dazu der langjährige Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer. Er stützt sich dabei auf eine beträchtliche Reihe von Zahlen. Wenn es um Kriminalität und Verbrechen geht, muss man viele Statistiken zwar ganz genau betrachten, um sie richtig verstehen zu können. Einige Daten sprechen aber für sich.

So liegt die Zahl der Jugendlichen, die Opfer von Mord oder Totschlag wurden, in der amtlichen deutschen Polizeistatistik für das Jahr 2012 bei exakt null. Das heißt, in diesem Jahr ist kein einziger Fall bekannt geworden, bei dem in Deutschland ein Jugendlicher im Alter von 14 bis 18 Jahren durch eine Gewalttat getötet wurde.

Wenn Kinder oder Jugendliche durch Gewalt sterben, gibt es so gut wie kein sogenanntes Dunkelfeld. Fast alle solche Fälle werden bekannt. Das wiederum heißt: Die offiziellen Zahlen über "Tötungsdelikte", wie es im Amtsdeutsch heißt, bilden ziemlich genau die Wirklichkeit ab. Und diese Wirklichkeit sieht so aus: Es passiert in Deutschland sehr selten, dass Jugendliche durch Gewalt sterben. In manchen Jahren gibt es keinen einzigen solchen Fall zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen.

Zahlen in der Finsternis

"Dunkelziffer" oder "Dunkelfeld" - davon sprechen Fachleute oft, wenn es um Verbrechen geht, von denen die Polizei nichts erfährt. Wenn ein zwölfjähriges Mädchen von seinem Onkel immer wieder begrapscht wird und sie keinem davon erzählt, dann taucht dieser Fall nie in einer Statistik auf. Nur wenn sie jemandem davon berichtet und die Polizei ermittelt, wird daraus eine "Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung", die auch in der Statistik gezählt wird. Schätzungen über solche Dunkelziffern können sehr wichtig sein. In einigen Bereichen - wie etwa sexueller Missbrauch - kann nur mit solchen Zahlen klar werden, wie groß ein Problem wirklich ist. Allerdings bringen Dunkelziffern auch selbst ein Problem mit sich. Es besteht immer die Gefahr, dass jemand eine völlig willkürliche Schätzung in die Welt setzt und behauptet: "Das ist die Dunkelziffer." Dann stiftet eine solche Zahl mehr Verwirrung als Klarheit.

Verzerrte Aufmerksamkeit

Warum haben dann Eltern wie die von Anna solche Angst davor, dass ihren Töchtern oder Söhnen etwas geschehen könnte? Der Grund ist einfach: Über die extrem seltenen Fälle, in denen Jugendliche oder Kinder getötet werden, berichten die Medien extrem ausführlich. Als beispielsweise im März 2014 in Schleswig-Holstein die 18-jährige Lisa Marie B. von ihrem 16-jährigen Bekannten Lukas M. erwürgt wurde, waren Zeitungen und Internetportale voll von Berichten. Bad news are good news, lautet seit Jahrzehnten eine Grundregel des Journalis

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