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Älteres Ehepaar jagt Oberregierungsrat K von Bosetzky, Horst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.02.2017
  • Verlag: Uksak E-Books
eBook (ePUB)
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Älteres Ehepaar jagt Oberregierungsrat K

Kehding, neuer Leiter der Hochschule für öffentliche Verwaltung (HöV), versprach bei seinem Amtsantritt den 'Saustall' gründlichst auszumisten. Und war gewillt sein Wort zu halten. Damit machte er sich aber nicht gerade Freunde unter seinen Mitarbeitern, hatte doch sein Vorgänger diese Hochschule eher gemütlich-familiär geführt, worunter jedoch die eigentlichen Dienstgeschäfte zu leiden hatten. Kehding kehrte mit dem berühmten, eisernen Besen. Es gab Verweise, Disziplinarverfahren - sogar Entlassungen. Dieser Kraftakt machte ihn in kurzer Zeit so populär, dass seine Partei ihn unbedingt als Kandidat für die nächste Bürgermeisterwahl haben wollte. Ein älteres Ehepaar wurde über ein Preisausschreiben gesucht, was Kehding als Werbeträger dienen, ihn in seinem Wahlkampf unterstützen sollte. Was keiner wusste - Kehding plagten Ängste, auch die panische Angst vor Ratten - eine richtige Phobie. Oder war es doch jemandem bekannt ...? Eine unsichtbare 'Macht' schien im Laufe der Zeit immer mehr gegen ihn zu arbeiten ... Immer wieder gab es nicht erklärbare Ereignisse, die ihn ins Wanken brachten - Menschen verschwinden plötzlich, werden dann - manchmal - tot aufgefunden. Die Spuren führen zu Kehding. Hält der diesem Druck stand und kann seine Ziele trotz alldem verwirklichen? Oder gibt es 'Mächte' die stärker sind als er?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 130
    Erscheinungsdatum: 11.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783738908039
    Verlag: Uksak E-Books
    Größe: 882 kBytes
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Älteres Ehepaar jagt Oberregierungsrat K

3. Kapitel

Bernie saß am Frühstückstisch und war damit beschäftigt, seine Quarkstullen zu essen, dem Körper kräftig Eiweiß zuzuführen. Zwei Zwiebeln ("riesengroße Bollen") hatte er sich raufgeschnitten. Mariechen war ja nicht da.

Seit mehr als fünfzig Jahren kannte er wochentags nichts anderes; dazu noch anderthalb Tassen Kaffee, magenfreundlich und mild. Früher war der Mundgeruch ein nicht unerhebliches Problem gewesen, hatte er die Zwiebeldüfte keinem seiner Leute zumuten können; mindestens zwei Streifen Kaugummi waren vonnöten gewesen. Dann aber, mit Beginn der Zahnprothesenzeit, war diese Möglichkeit entfallen, und er hatte mit Mariechen um jede Zwiebel kämpfen müssen. Willst du denn, dass sie in der Post alle "Bernie, der Stinker" zu dir sagen?

Mit seiner Pensionierung hatte sich dies alles erledigt. Auch die Hetze morgens. Nie hatte er Zeit gehabt, das Brammer Tageblatt beim Frühstück zu lesen. Jetzt hätte er es mehrmals hintereinander tun können, doch jetzt langweilte ihn alles, schlimmer noch als früher in der Schule die Lektüre einer Kellerschen Novelle.

Allerdings war er schlagartig wach, als er nun auf der Seite: "Aus Wissenschaft und Forschung" einen Artikel über die Altersrückbildung des Gehirns entdeckte (Dementia senilis).

Wir unterscheiden affektive und intellektuelle Störungen, schrieben sie da, sowie akzessorische psychische und neurologische Symptome.

Bernie verstand nicht sogleich, was sie da meinten. Er hatte seine lange Dienstzeit als Technischer Fernmeldehauptsekretär zu Ende gebracht, Störungsstelle Bramme I, und war da kaum mit diesen Begriffen in Berührung gekommen. Unfroh strich er sich über die blanke Oberseite seines Kopfes, von Mariechen lieblos "deine Glatze" genannt, zwirbelte das dünne, weiche Haar, das ihm als grauweiße Tonsur bis auf weiteres verblieben war ("Wo Verstand und gute Sinne walten, können sich auf Dauer keine Haare halten!"), bis ihm der Sinn des Satzes aufgegangen war.

Mist war das alles, aber er konnte nicht anders, als weiterzulesen.

Die Interessen der Alten engen sich ein, die Anteilnahme an den Vorgängen um sie herum schwindet mehr und mehr. Sie werden gleichgültig, verdrießlich und weinerlich. Ihr Charakter verändert sich, aus Charakterfestigkeit wird Eigensinn, Sparsamkeit zu Geiz. Das Denken wird egozentrisch.

Bernie lachte lauthals los.

Das Denken verliert an Umsicht und an Gestaltungsvermögen.

"Mann, wenn ihr wüsstet ...!"

Gedächtnisstörungen setzten ein, so las er weiter, ferner der Sprachzerfall, der sich zuerst in Wortfindungsstörungen zeigte.

Bernie machte sich daran, dreimal schnell und fehlerfrei seinen Lieblingszungenbrecher herzusagen: Der Potsdamer Postkutscher putzt den Potsdamer Postkutschenkasten blank!

Anschließend schaffte er es, von den fünfzig Bundesstaaten der USA achtundvierzig niederzuschreiben; nur West Virginia und Rhode Island fehlten ihm.

Der Morgen war gerettet.

Bernie räumte den Küchentisch ab und stellte seine Sachen in die Spüle; abwaschen konnte er später.

Unten im Keller begann Boffie zu kläffen, ihr Collierüde, drei Jahre alt, tricolor, also schwarz, weiß und braun. Beim ersten Spaziergang am Morgen, als er Mariechen pflichtgemäß zum Bus begleitet hatte, waren sie in einen halben Wolkenbruch geraten, und der Hund hatte, bis sein Bettvorlegerfell wieder trocken wurde, eingesperrt werden müssen. Jetzt dankte er Bernie seine Befreiung so stürmisch, dass er ihn beim Hochspringen fast umgerissen hätte. Der Collieherr war so versessen darauf, Bernies Gesicht abzulecken, ihm die letzten Speisereste von den Lippen zu schlecken, dass Bernie richtig böse wurde: "Hau ab, ich will keine Würmer kriegen!" Der hat doch gerade seine Wurmkur gemacht, hörte er Mariechens Stimme, obwohl sie weit weg beim Putzen war. Immer, wenn er etwas tat

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