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Abgrundtief/Ruhelos Zwei Romane in einem Band von Grafton, Sue (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.09.2016
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Abgrundtief/Ruhelos

Abgrundtief: Seit einem Autounfall ist Bobby Callahan nicht nur körperlich behindert, sondern er hat auch sein Gedächtnis verloren. Nur noch wenige Erinnerungsfetzen sind ihm erhalten geblieben, und die lassen ihn irgendwie glauben, Opfer eines Mordanschlags gewesen zu sein. Ohne nähere Anhaltspunkte zu haben, beauftragt er Privatdetektivin Kinsey Millhone, der Sache auf den Grund zu gehen. Aber ist ihr neuer Klient wirklich zurechnungsfähig? Und welches Motiv könnte es geben, ihn umzubringen? Je tiefer Kinsey Millhone in Bobbys Leben eindringt, desto mehr Verdächtige findet sie: Da ist Callahans Stiefvater, der von Bobbys Mutter finanziell abhängig ist, die drogen- und alkoholsüchtige Stiefschwester und die beste Freundin der Mutter. Und über allem schwebt die unheilvoller bedrohliche Frage: Was passiert, wenn Bobby sein Gedächtnis wiedererlangt? Und tatsächlich spitzt sich die Situation bald alptraumhaft zu ... Ruhelos: Die Privatdetektivin Kinsey Millhone ist schon vielen schrägen Vögeln begegnet, aber der Auftrag, den sie jetzt auszuführen hat, ist mit Sicherheit der seltsamste in ihrer Laufbahn - zumal der geheimnisvolle Auftraggeber plötzlich stirbt. Kinsley ahnt nicht, auf welch gefährliches Spiel sie sich eingelassen hat: Als sie der Identität des Mannes nachspürt, gerät sie in eine bedrohliche und scheinbar ausweglose Situation.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 576
    Erscheinungsdatum: 05.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955308568
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 5539 kBytes
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Abgrundtief/Ruhelos

1

Ich lernte Bobby Callahan am Montag jener Woche kennen. Am Donnerstag war er tot. Er war davon überzeugt gewesen, daß jemand ihn umzubringen versuchte, und er sollte recht behalten. Aber keinem von uns war das früh genug klar, um ihn zu retten. Nie zuvor habe ich für einen Toten gearbeitet, und ich hoffe, daß ich es nie wieder tun muß. Dieser Bericht ist für ihn, auch wenn es ihm nicht mehr helfen kann.

Mein Name ist Kinsey Millhone. Ich bin als Privatdetektiv zugelassen und gehe meinem Geschäft in Santa Teresa, Kalifornien, nach, fünfundneunzig Meilen nördlich von Los Angeles. Ich bin zweiunddreißig Jahre alt, zweimal geschieden. Ich lebe gern allein, und ich fürchte, meine Unabhängigkeit gefällt mir besser als sie sollte. Bobby stellte das in Frage. Ich weiß nicht genau wie oder warum. Er war erst dreiundzwanzig Jahre alt. Ich hatte in keiner Hinsicht ein Verhältnis mit ihm gehabt, doch ich mochte ihn, und sein Tod diente - wie die berühmte Sahnetorte im Gesicht - dazu, mich daran zu erinnern, daß das Leben manchmal ein großer, gefährlicher Scherz ist. Kein lustiges "Ha, Ha", sondern ein grausames Lachen, wie man es von diesen Witzen kennt, die sich Schulkinder erzählen, seitdem es die Erde gibt.

Es war August, und ich trainierte im Santa Teresa Fitness Center, um die Nachwirkungen eines gebrochenen linken Armes auszukurieren. Die Tage waren heiß und voll unbarmherzigen Sonnenscheins und wolkenlosen Himmels. Ich war genervt und gelangweilt und machte meine Liegestütze und Curls und Hantelübungen. Ich hatte gerade zwei Fälle nacheinander bearbeitet und dabei größere Schäden als einen gebrochenen Oberarmknochen davongetragen. Ich fühlte mich emotional zerschlagen und brauchte eine Pause. Glücklicherweise hatte ich jetzt ein dickes Bankkonto und wußte, daß ich mir zwei Monate Urlaub leisten konnte. Gleichzeitig machte mich die Untätigkeit unruhig, und die gesunde Lebensweise durch die Krankengymnastik brachte mich an den Rand des Wahnsinns.

Das Santa Teresa Fitness Center ist wirklich kein Vergnügen: das "Sparta" der Gesundheitsvereine. Keinen Whirlpool, keine Sauna, keine Hintergrundmusik. Bloß Spiegelwände, Bodybuilding-Ausstattung und ein industrietauglicher Teppichboden in der Farbe von Asphalt. Der ganze achthundert Quadratmeter große Raum riecht nach männlichen Sportsuspensorien.

Drei Tage in der Woche erschien ich um acht Uhr morgens, wärmte mich fünfzehn Minuten lang auf und begann dann eine Serie von Übungen, die dazu dienten, meinen linken Deltamuskel, Brustmuskel, Bizeps, Trizeps und alles andere zu stärken und aufzubauen. Es saß einiges schief, seitdem man mir die Seele aus dem Leib geprügelt und ich die Flugbahn einer .22er Kugel gekreuzt hatte. Um das wieder in Ordnung zu bringen, hatte mir der Orthopäde sechs Wochen Krankengymnastik verordnet, von denen ich jetzt drei absolviert hatte. Eigentlich war nichts dabei. Ich mußte nur geduldig meinen Weg von einer Maschine zur anderen gehen. Gewöhnlich war ich dort die einzige Frau zu dieser Tageszeit, und ich neigte dazu, mich von den Schmerzen, dem Schweiß und der Übelkeit abzulenken, indem ich die Körper der Männer begutachtete, genau wie sie es mit meinem taten.

Bobby Callahan fing zur selben Zeit wie ich an. Ich war mir nicht sicher, was ihm zugestoßen war, aber egal, was es war, es hatte gesessen. Er war etwa knapp einen Meter achtzig groß und hatte die Figur eines Football-Spielers: großer Kopf, stämmiger Nacken, muskulöse Schultern, kräftige Beine. Jetzt war der struppige blonde Kopf zu einer Seite geneigt und die linke Gesichtshälfte zu einer ständigen Grimasse verzogen. Aus seinem Mund tropfte Speichel, als habe man ihn so mit Novocain vollgepumpt, daß er seine eigenen Lippen nicht mehr richtig spüren konnte. Meistens hielt er den linken Arm in Höhe der Taille und trug ein weißes, gefaltetes Taschentuch bei sich, mit dem er sich das Kinn abwischte. Ein schrecklicher dunkelroter

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