text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Adrenalin Psychothriller von Robotham, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.07.2011
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)

9,99 €

4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Adrenalin

Ein psychologischer Thriller der Extraklasse! Eine junge Krankenschwester wird grausam ermordet aufgefunden. Als die Polizei den renommierten Psychotherapeuten Joe O'Laughlin um Hilfe bei den Ermittlungen bittet, beschleicht diesen schon bald ein böser Verdacht: Die Verletzungen des Mordopfers stimmen in erschreckender Weise mit den Gewaltphantasien seines Patienten Moran überein. Joe ahnt nicht, dass er Gefahr läuft, in eine heimtückische Falle zu geraten - und dass nicht nur sein eigenes Leben an einem seidenen Faden hängt ... Michael Robotham wurde 1960 in New South Wales, Australien, geboren. Er war lange als Journalist tätig, bevor er sich ganz der Schriftstellerei widmete. Mit seinen Romanen stürmt er regelmäßig die Bestsellerlisten und wurde bereits mit mehreren Preisen geehrt, unter anderem mit dem renommierten Gold Dagger. Michael Robotham lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Sydney.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 18.07.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641063054
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Suspect
    Größe: 863 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Adrenalin

1

Wenn man von dem schrägen Schieferdach des Royal Marsden Hospital zwischen Schornsteinen und Fernsehantennen hindurchblickt, sieht man noch mehr Schornsteine und Fernsehantennen. Es ist wie die Szene aus Mary Poppins , in der all die Schornsteinfeger mit wirbelnden Besen über die Dächer tanzen.

Von hier oben kann ich gerade noch die Kuppel der Royal Albert Hall ausmachen. An einem klaren Tag könnte ich wahrscheinlich bis Hampstead Heath gucken, obwohl ich bezweifle, dass die Luft in London je so klar wird.

"Schöner Ausblick", sage ich und blicke zu dem Teenager, der gut drei Meter rechts neben mir kauert. Sein Name ist Malcolm und er wird heute siebzehn. Er ist groß und dünn, mit dunklen Augen, die unruhig hin- und herflackern, wenn er mich ansieht. Seine Haut ist weiß wie glänzendes Papier. Er trägt einen Schlafanzug und eine Wollmütze, um seinen kahlen Kopf zu verbergen. Chemotherapie ist ein brutaler Frisör.

Es ist drei Grad über Null, aber der eisige Wind drückt die Temperatur unter den Gefrierpunkt. Meine Finger sind schon taub, und ich kann meine Zehen in den Socken und Schuhen kaum noch spüren. Malcolms Füße sind nackt.

Ich kann ihn nicht erreichen, wenn er springt oder fällt. Selbst wenn ich mich strecke und auf die Regenrinne stütze, fehlen mir immer noch zwei Meter, um ihn aufzufangen. Das weiß er. Er hat alles genau berechnet. Sein Onkologe sagt, Malcolm hat einen überdurchschnittlichen IQ. Er spielt Geige und spricht fünf Sprachen - aber in keiner mit mir.

Seit einer Stunde stelle ich ihm Fragen und erzähle ihm Geschichten. Ich weiß, dass er mich hört, aber meine Stimme ist nur ein Geräusch im Hintergrund. Er konzentriert sich auf seinen eigenen inneren Dialog und debattiert die Frage, ob er leben oder sterben soll. Ich würde gern an der Debatte teilnehmen, aber dazu brauche ich eine Einladung.

Der National Health Service hat eine ganze Latte von Richtlinien für den Umgang mit Geiselnahmen und angedrohten Selbstmorden. Ein Krisenstab ist gebildet worden, bestehend aus leitenden Ärzten des Krankenhauses, Polizisten und einem Psychologen - mir. Zunächst haben wir uns bemüht, alles über Malcolm in Erfahrung zu bringen, was uns dabei helfen könnte zu verstehen, was ihn zu diesem Punkt getrieben hat. Ärzte, Schwestern und Patienten sowie Freunde und Verwandte werden befragt.

Der erste Verhandlungskontakt ist der entscheidende Punkt des Einsatzes. Alles hängt an mir. Deswegen bin ich hier draußen und friere mir Hände und Füße ab, während die anderen drinnen Kaffee trinken, das Personal befragen und Flipcharts betrachten.

Was weiß ich über Malcolm? Er hat einen primären Hirntumor im rechten posterioren Schläfenbereich, gefährlich nahe an seinem Hirnstamm, der zu einer teilweisen linksseitigen Lähmung und Taubheit auf dem linken Ohr geführt hat. Er ist in der zweiten Woche seines zweiten Zyklus der Chemotherapie.

Heute Morgen haben ihn seine Eltern besucht. Der Onkologe hatte gute Nachrichten. Malcolms Tumor schien zu schrumpfen. Eine Stunde später schrieb er eine aus drei Wörtern bestehende Nachricht: "Tut mir Leid." Er verließ sein Zimmer und krabbelte durch ein Gaubenfenster im vierten Stock auf das Dach. Irgendjemand musste vergessen haben, es abzuschließen, oder Malcolm hatte einen Weg gefunden, es zu öffnen.

Das ist es - die Summe meines Wissens über einen Jugendlichen, der sehr viel mehr zu bieten hat als die meisten Kinder seines Alters. Ich weiß nicht, ob er eine Freundin hat, einen Lieblingsfußballverein oder einen Leinwandhelden. Ich weiß mehr über seine Krankheit als über ihn. Deswegen hänge ich in der Luft.

Der Sicherheitsgurt unter meinem Pullover ist unbequem. Er sieht aus wie die Dinger, die Eltern ihren Kleinkindern anschnallen, damit sie nicht weglaufen. In diesem Fall soll er mich retten, falls ich abstürze, sofern jemand daran gedacht hat, das andere Ende

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen