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Am Mittwoch wird der Rabbi nass Kriminalroman. Durch die Woche mit Rabbi Small (Der sechste Fall) von Kemelman, Harry (eBook)

  • Verlag: Unionsverlag
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Am Mittwoch wird der Rabbi nass

Der alte Kestler ist tot - er starb an einem Schock, nachdem er die falschen Pillen eingenommen hatte. Zufall oder böse Absicht? Rabbi David Small weiß, dass das bekannte Mitglied der jüdischen Gemeinde nicht nur Freunde hatte. Fünf Menschen sind über den Tod des Alten alles andere als unglücklich. Aber würde einer davon so weit gehen, ihn zu ermorden? An Motiven mangelt es nicht. Der sechste Fall für den legendären Rabbi und Amateurdetektiv David Small, der mit diesem verzwickten Fall eine bittere Pille schlucken muss. Harry Kemelman, geboren 1908 in Boston, wuchs als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in den USA auf. Er lehrte englische Literatur am Boston State College. Großen Erfolg feierte er mit seinen Romanen um den Rabbi und Amateurdetektiv David Small und erhielt unter anderem den Edgar Allan Poe Award. Er starb 1996 in Marblehead, Massachussets.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293309135
    Verlag: Unionsverlag
    Serie: Metro Bd.6
    Originaltitel: Wednesday the Rabbi got wet
    Größe: 2371 kBytes
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Am Mittwoch wird der Rabbi nass

2

D a es Akiva Rokeachs erstes Gespräch mit dem rebbe sein sollte, meinte Baruch, der gabbe, er müsse ihm erklären, wie er sich zu verhalten habe. "Vergiss nicht, Akiva, dem rebbe widerspricht man nicht", dozierte er ernst. "Reb Mendel ist ein zaddik, das heißt ein frommer Mann, so etwas wie ein Heiliger." Baruch war klein und gedrungen, mit schütterem, grauem Haar, das er aus der hohen Stirn zurückgekämmt trug, auf der, sobald er ärgerlich wurde, deutlich sichtbar eine blaue Ader pulsierte. Er hielt den letzten Stummel einer filterlosen Zigarette zwischen dem nikotinverfärbten Daumen und Zeigefinger, inhalierte einen letzten Zug und warf ihn dann bedauernd in einen Aschenbecher, wo er weiter vor sich hin glimmte. Er war ein sehr nervöser, reizbarer Mensch, in seiner Funktion als gabbe aber, als Sekretär und Faktotum des rebbe also, war er von Bedeutung. Denn nur über ihn führte der Weg zum rebbe. "Selbst wenn der rebbe sich scheinbar irrt", fuhr er jetzt fort, "wenn du zum Beispiel meinst, er hätte in seinen Ausführungen über das Gesetz falsch zitiert, darfst du ihn weder darauf hinweisen noch ihn korrigieren. Sondern du solltest über den Grund nachdenken, warum Reb Mendel absichtlich falsch zitiert hat." Er hielt inne, um sich eine neue Zigarette anzuzünden. "Und vor allem, wenn er ein Urteil fällt, hast du es ohne Einwände hinzunehmen."

"Ich verstehe", sagte Akiva Rokeach bescheiden.

Die Ader auf der Stirn des gabbe pulsierte ärgerlich über die Unterbrechung. "Er besitzt nämlich die tiefere Einsicht, weißt du, und man kann nicht erwarten, dass er so denkt wie du."

Diesmal nickte Akiva nur zustimmend. Er gehörte zwar schon seit über einem halben Jahr zu der Gruppe, aber erst jetzt sollte er Reb Mendel in seinem Arbeitszimmer zum ersten Mal allein gegenüberstehen, und diese Chance wollte er sich nicht verderben, indem er den gabbe unnötig reizte.

Baruch musterte den jungen Mann, der vor ihm stand, mit unverkennbarer Missbilligung: sein langes Haar, den wirren, blonden Bart, die geflickten, in die schweren Stiefel gestopften Jeans. "Hast du ein kvitl?", fragte er mürrisch, und als Akiva ihn nicht verstand, übersetzte er ungeduldig: "Ein Gesuch, ein schriftliches Gesuch. Du erwartest doch wohl nicht, dass der rebbe wartet, während du ihm alles erklärst, oder?"

"Ach so! Ja, gewiss. Hier ist es."

"Und ein pidjon?"

Akiva zog einen Fünfdollarschein aus seiner Brieftasche und überreichte ihn dem gabbe als Zeichen der Dankbarkeit dafür, dass der rebbe ihn allein empfing. Baruch warf einen Blick auf die Banknote und notierte sich etwas in seinem Buch.

"Warte hier. Ich werde nachsehen, ob der rebbe jetzt Zeit für dich hat." Er klopfte an die Tür des Studierzimmers, wartete einen Augenblick und trat dann ein, wobei er die Tür behutsam hinter sich ins Schloss zog. Kurz darauf kam er zurück und winkte dem jungen Mann, er könne eintreten.

Akiva hatte Reb Mendel noch nie aus so großer Nähe gesehen. Bei den farbrengen, den festlichen Versammlungen, musste er sich als jüngstes Mitglied der Gruppe völlig zurückhalten. Und wenn der zaddik nach der dritten Mahlzeit am Sabbat die Thora auslegte und die Philosophie erklärte, hatte er stets am äußersten Ende des Gemeinschaftstisches gesessen, fast durch die ganze Länge des Saales von ihm getrennt.

Jetzt saß Reb Mendel hoch aufgerichtet in seinem thronähnlichen Sessel hinter dem großen, geschnitzten Walnussschreibtisch. Er war - ja, wie alt? Dreißig? Vierzig? Fünfundvierzig? Schwer zu schätzen. Der lange Bart wurde schon grau, jedoch die Hand, die ihn zuweilen strich, war die eines noch jungen Mannes. "Ah, unser junger Wikinger", murmelte Reb Mendel und nickte zu einem Stuhl neben dem Schreibtisch hinüber.

"Wie bitte, rebbe? Ich habe nicht ganz verstanden."

Reb Mendel lächelte. "Nichts weiter. Ein kleiner Scherz. Du möchtest hier also

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