text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Angstrausch Thriller von Lotz, Sarah (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.09.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Angstrausch

Simon Newman liebt die Gefahr. Mit der Kamera begibt er sich an hochgefährliche Orte, an denen Menschen regelmäßig verunglücken. Doch als ein Video, das zeigt, wie er fast zu Tode kommt, einen Hype auslöst, ist sogar der wagemutige Adrenalinjunkie überrascht. Von nun an wollen seine Follower ihn in immer neuen Extremsituationen sehen. Simon nimmt die Herausforderung an: eine Expedition auf den Mount Everest. Auf dem höchsten und tödlichsten Berg der Welt ist er nicht nur den Naturgewalten ausgesetzt, sondern stößt auch auf eine menschliche Tragödie. Und plötzlich steht er einer Gefahr gegenüber, wie selbst er sie noch nicht erlebt hat ...

Sarah Lotz ist Drehbuch- und Romanautorin und lebt mit ihrer Familie und diversen Tieren in Kapstadt, Südafrika.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 17.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641217808
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The White Road
Weiterlesen weniger lesen

Angstrausch

Simon

Dezember 2006

Ich traf den Mann, der mir zweimal das Leben retten sollte - und mein Leben letzten Endes zerstörte -, auf einer mit Schlaglöchern übersäten Straße in der hintersten Ecke von Wales. Er saß am Straßenrand auf einem Seesack, und zu seinen Füßen lagen drei zerdrückte Dosen Cider. Obwohl an den schneebestäubten Hügeln um uns noch morgendlicher Nebel hing, trug er am Oberkörper nur ein T-Shirt mit Harley-Davidson-Aufdruck.

Ich hielt neben ihm an und ließ das Fenster herunter. "Ed?"

Ein barsches Nicken.

"Hi. Ich bin Simon."

"Du kommst zu spät, Junge. Ich hatte acht gesagt."

"Tut mir leid, habe mich ein bisschen verfahren. Hier sieht es überall gleich aus, finden Sie nicht?" Ich schenkte ihm mein bestes selbsterniedrigendes Lächeln, das normalerweise auch die eher frostigen Gäste in dem Coffee-Shop auftaute, in dem ich Teilzeit arbeitete. Bei Ed zeigte es keine Wirkung.

Er deutete mit einem Finger auf den zerfurchten Feldweg, der sich auf der anderen Straßenseite durch ein Waldstück schlängelte. "Park da drüben zwischen den Bäumen. Ich will nicht, dass das Auto von der Straße aus zu sehen ist."

"Wird gemacht."

Ich lenkte Thierrys Ford Focus unter die Äste eines umgeknickten Baums. Das Kratzen der Zweige am Lack ließ mich zusammenzucken. Mein Atem dampfte, als ich ausstieg, mich streckte und wartete, bis Ed zu mir kam. Ich war völlig durchgefroren (die Heizung des Wagens hatte kurz vor Newport den Geist aufgegeben), und ich verfluchte mich bereits dafür, diese Sache überhaupt ins Rollen gebracht zu haben.

Ed ließ seine Tasche neben das Auto fallen und verabreichte mir einen schwieligen Handschlag. Aus der Nähe betrachtet erkannte ich die aufgedunsene Nase und die gerötete Gesichtshaut eines langjährigen Alkoholikers. Auf seiner Kopfhaut spross dünnes Haar wie das eines Babys. Ich schätzte ihn auf um die sechzig. Willst du diesem mürrischen alten Knacker tatsächlich hinunter in ein Loch folgen, Simon?

"Wo steht denn Ihr Auto, Ed?"

"Habe keins. Bin gestern Abend per Anhalter hergekommen."

"Den ganzen Weg bis hierher?" Eine beachtliche Leistung: Abgesehen von einem stoischen Schaf war er das einzige Lebewesen, das ich in der letzten Stunde zu Gesicht bekommen hatte. Er roch, als hätte er im Freien übernachtet; seine Kleidung verströmte den Mief von geräuchertem Fleisch. "Ich hätte Sie mitnehmen können, hätte Sie irgendwo aufsammeln können."

"Schon in Ordnung."

"Also, ich weiß das echt zu schätzen."

Ein Schniefen. "Du willst also in die Cwm Pot runter?"

"Ja."

"Um die Höhlen zu filmen."

"Genau. In meinen E-Mails habe ich ja schon geschrieben, dass mich interessiert, was in den Achtzigern da unten passiert ist. Dachte mir, das wäre guter Stoff für eine Dokumentation." Das war natürlich Blödsinn, doch ich hatte nicht vor, ihm den wahren Grund zu verraten, warum ich die Höhlen erkunden wollte, bis ich besser einschätzen konnte, wie er darauf reagieren würde.

"Das Betreten der Höhlen ist verboten. Schon seit zwanzig Jahren."

"Ich weiß. Deshalb habe ich Ihnen geschrieben."

"Und gefährlich ist es auch."

Verdammt noch mal. "Ja, Ed, ich weiß."

Er grinste, als wüsste er etwas, von dem ich noch keine Ahnung hatte. Seine Iris waren dunkel, und das Weiß, das sie umgab, hatte einen Gelbstich - Augen wie eingelegte Zwiebeln. "Hast du mein Geld dabei?"

Sag diesem Arschloch, dass du es dir anders überlegt hast, und such verdammt noch mal das Weite. Guter Rat, vernünftiger Rat, doch ich ignorierte ihn. Es war ziemlich aufwendig gewesen, so weit zu kommen, und ich war nicht bereit, das Handtuch zu werfen. Nachdem ich von der Cwm Pot und ihrer grausigen Geschichte erfahren hatte, hatte ich auf der Suche nach einem Führer tagelang in Höhlenkletterforen herumgestöbert un

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen