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Aurora Floyd Ein viktorianischer Krimi von Braddon, Mary E. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.11.2018
  • Verlag: Dryas Verlag
eBook (ePUB)
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Aurora Floyd

Aurora Floyd, Tochter aus bestem Haus, kehrt von einer Pariser Privatschule zurück nach Felden Woods, dem Landsitz ihres Vaters. Ihr Start ins gesellschaftliche Leben scheint perfekt, doch etwas muss in Paris geschehen sein, über das Aurora nicht reden will. Auch ihrem Verlobten gegenüber verweigert sie die Wahrheit, und so kommt es zum Bruch.
Da wird die Leiche eines Mannes nahe Felden Woods entdeckt und Aurora des Mordes beschuldigt. Ihr Schweigen droht Aurora und der gesamten Familie zum Verhängnis zu werden.

Mary Elizabeth Braddon (1837-1915) gilt als erste viktorianische Bestsellerautorin. Kritiker wie Charles Dickens oder Thomas Hardy nannten ihre Werke 'brillant, geistreich und lebendig'. M. E. Braddon war eine starke Frau, sie ernährte früh ihre gesamte Familie, stand eine Scheidung durch, lebte in skandalös wilder Ehe und schrieb über 80 Romane. Darin thematisierte sie auch gesellschaftlich heikle Themen wie Bigamie, Ehebruch, Abtreibung u.a.

Anja Marschall ist Krimiautorin und lebte lange Zeit in London. Als bekennende Anglophile mit Faible für das 19. Jahrhundert machte sie den vergessenen viktorianischen Krimiklassiker mit ihrer Übersetzung und Überarbeitung für das heutige Publikum endlich wieder zugänglich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 06.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783940855831
    Verlag: Dryas Verlag
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Aurora Floyd

KAPITEL 1

Ein reicher Bankier heiratet eine Schauspielerin

Blassrote Streifen schimmerten hier und da über den dunklen Wäldern von Kent. Des Herbstes Hand legte sich sacht auf das Laub, sparsam wie ein Künstler, der die hellen Farbtöne mit Bedacht in sein Bild einfügte. Die Pracht des Sonnenuntergangs überflutete an diesem Abend im August die friedvolle Landschaft und ließ sie erstrahlen. Die umliegenden Wälder und weiten Wiesen ... die klaren Teiche ... die dichten Hecken und sanften, kurvenreichen Wege ... die Hügelkuppen, die sich in die violette Ferne hineinschmolzen ... die Hütten der Tagelöhner, wie sie sich strahlend weiß vom herbstlichen Laub abhoben ... die einsamen Gasthöfe am Straßenrand mit ihren braunen Strohdächern und den von Moos bewachsenen Kaminen ... das vornehme Herrenhaus, versteckt hinter uralten Eichen mit seinem Säulentor, gekrönt von in Stein gehauenen Wappenschildern, geschmückt mit grünen Kränzen aus Efeublättern.

Auf der breiten Fassade des mächtigen Herrenhauses aus rotem Ziegelstein, das im Stil der frühen georgischen Epoche erbaut worden war, verweilte die sinkende Sonne lange genug, um für einen herrlichen Schimmer in den langen Reihen der schmalen Fenster zu sorgen, die allesamt vom Abendlicht entzündet schienen.

Ein braver Wanderer, der von der nahen Landstraße kam, um über die Weite des taufrischen Rasens und des ruhigen Sees zum Herrenhaus zu blicken, mochte anderes als das Zwielicht der Sonne darin erblicken. Vielleicht wären seine Gedanken voll Angst, könnte er doch fürchten, das brennende Haus von Master Floyd entdeckt zu haben!

Ja, das herrschaftliche Haus dort hinten gehörte Master Archibald Floyd, wie er vom braven Volk der Gegend genannt wurde. Er war einer der Floyds vom großen Bankhaus Floyd, Floyd & Floyd aus der Lombard Street in der Londoner City.

Die Leute in Kent wussten nicht viel von dem bekannten Bankhaus in der Stadt, denn Archibald, der Seniorpartner, hatte sich seit einiger Zeit aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen, das nun vollständig von seinen beiden Neffen Andrew und Alexander Floyd betrieben wurde. Beide waren ruhige Männer mittleren Alters mit Familien und Landhäusern. Und beide verdankten ihr Vermögen dem reichen Onkel, der für sie vor dreißig Jahren, als sie selbst noch ungestüm und rothaarig gewesen waren, einen Platz in seinem Unternehmen gefunden hatte.

Seit der Gründung entwickelte sich das Bankhaus wunderbar. Erfolg über Erfolg wartete auf jede Unternehmung, die die angesehene Firma Floyd, Floyd & Floyd jemals in Angriff genommen hatte. Es ging seit einem Jahrhundert stetig aufwärts, denn immer, wenn ein Mitglied des Hauses aus dem alten Stammbaum herausfiel, trieb ein junger grüner Zweig aus, sodass es bisher nie nötig gewesen war, die dreifache Wiederholung des bekannten Namens auf den Messingschildern über den hohen Mahagonitüren zu ändern.

Auf dieses Messingschild wies Archibald Floyd hin, als er etwa dreißig Jahre vor besagtem Augustabend seine beiden Neffen zum ersten Mal über die Schwelle des ehrwürdigen Geschäftshauses treten ließ.

"Seht her, Jungs", sprach er. "Schaut euch die drei Namen dort oben an. Euer Onkel George ist über fünfzig und Junggeselle - das ist der erste Name. Unser Cousin ersten Grades, Steven Floyd aus Kalkutta, wird seine Geschäftsanteile früher oder später verkaufen - das ist der zweite Name. Der dritte Name ist meiner, und ich bin siebenunddreißig Jahre alt. Ein Mann, der nicht daran denkt, einen Narren aus sich zu machen, indem er heiratet. Kinder bleiben mir also erspart. Darum werden eure Namen früher oder später die dann entstandenen Lücken füllen. Bis dahin aber soll der Name Floyd leuchten. Wehe euch, wenn auch nur ein Fleck auf diesen Namen fällt!"

Vielleicht nahmen sich die jungen Männer diese Lektion damals zu Herzen, vielleicht war aber auch Ehrlichkeit eine natürliche und angeborene Tugend im Hause Floyd. Wie dem auch

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