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Bernsteingrab Thriller von Gößling, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.05.2014
  • Verlag: dotbooks
eBook (ePUB)
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Bernsteingrab

'Angst und Schrecken verbreiteten sich in Schloss und Weiler, Spukgeschichten um Wölfe und Geister vernebelten die Köpfe der verstörten Leute - aber was war der Anlass, die wahre Geschichte hinter all dem abergläubischen Spuk?' Das Familienschloss der Adelsfamilie Prohn zu Stieglitz ist dem Untergang geweiht. Der letzte Erbe Timo Prohn setzt alles daran, es wieder in Besitz nehmen. Doch bald kommt es zu beunruhigenden Zwischenfällen: Ein junger Pole wird ermordet, Timos Frau Lisa entführt und eine geheimnisvolle Bernsteinskulptur aus dem Familienbesitz der Prohns gestohlen. Ein düsteres Geheimnis scheint sie zu umgeben und ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Und noch ahnt Timo nichts von dem Grauen, das in einer Felshöhle tief unter dem Schloss verborgen ist ... Hunderte Jahre deutsche Geschichte, gebündelt in einem packenden Thriller voller Geheimnisse und Intrigen! Jetzt als eBook: 'Bernsteingrab' von Andreas Gößling. dotbooks - der eBook-Verlag. Andreas Gößling, geboren 1958 in Gelnhausen, studierte deutsche Literaturwissenschaft, Politik- und Kommunikationswissenschaft und promovierte über Thomas Bernhard. Neben Romanen für erwachsene und junge Leser hat er Sachbücher zu kultur- und mythengeschichtlichen Themen verfasst. Andreas Gößling lebt in Berlin, wo er den Verlag MayaMedia (www.mayamedia.de) betreibt. Bei dotbooks erschienen Andreas Gößlings Romane 'Die Maya-Priesterin', 'Im Tempel des Regengottes', 'Der Alchimist von Krumau', 'Faust, der Magier', 'Der Irrläufer', 'Bernsteingrab', 'Dunkler Tanz', 'U-Terminal' und 'Die Dämonenpforte'. Außerdem die vier blutrünstigen Geschichten 'Mördergrube' sowie sein akribisch recherchiertes und spannend zu lesendes Sachbuch 'Voodoo: Götter, Zauber, Rituale'. Der Autor im Internet: http://andreas-goessling.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 621
    Erscheinungsdatum: 06.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955200312
    Verlag: dotbooks
    Größe: 643 kBytes
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Bernsteingrab

In der Nacht zum 24. Juni 1992 wölbte sich der Himmel schwarz und sternenschwer über der noch immer tückisch strudelnden Oder, über Dorf und Schloß Stiegliz und den ostwärts sich dehnenden Lärchenwäldern, wo die umgestürzten Bäume wie zu verzwicktem Riesenmikado hingeworfen lagen. Fünf Tage waren seit jenem Unwetter vergangen, das die Bootslände zertrümmert hatte, durch Wald und Dorf gewirbelt war, an Dächern gerüttelt und die Grabmulde des sterbenden Karoly freigespült hatte – zu früh, zu spät, je nachdem. An den Hauswänden in Frankfurt und Lebus war ein neues Graffito aufgetaucht – Grenze? Oder? In Stiegliz schien alles gerichtet für eine friedvolle Nacht.
Bis gegen vier Uhr früh ein von fern herbeiwehendes Knurren und Winseln den alten Karl Cramsen aus dem Schlaf riß: Wolfsjaulen, kein Zweifel, dieser einzigartige, unheimlich vertraute Tierschrei, zugleich gierig und unterwürfig, die Oktaven emporschleifend, dann jäh abbrechend auf dem höchsten Ton. Darauf Stille, doch nur für einen Lidschlag, schon setzte das ganze Rudel mit choralem Geheule ein, das dem Alten, wie er sich auch die Ohren mit seinen Fäusten zupreßte, bis unter die Schädeldecke fuhr. Dort setzte sich das Jaulen und Winseln fest, schleifte wie mit zwei Dutzend Geigenbögen auf seinen Hirnnerven hin und her, und dazu wehte ein leises Splittern und Knacken über Bäume und Dächer in seine Schlafkammer herein: nicht zu entscheiden, ob Geäst oder Gebeine dort draußen zuschanden gingen. Fluchend tastete Cramsen nach dem Nachtlicht.
Längst war er ein weißhaariger, knochendürrer Greis und hielt sich doch immer noch auf dem Rüttelsieb, auf dem er schon so viele hatte tanzen, sich spreizen, dann durch die Maschen stürzen sehen. Die rasend bewegten Jahre hatten ihm alle Bilder durcheinandergeschüttelt; nichts hatte er vergessen außer dem Sinn, dem Zusammenhang, der all diese Eindrücke, Erinnerungen, Schicksalsschläge früher einmal geordnet und zu einem Menschenleben begrenzt hatte: mit der Geburt beginnend, an Angst und Hoffnung aufgefädelt und an diesen Schnüren sich hangelnd bis in den Sarg.
Draußen im Wald jaulten die Wölfe, wie sie seit jeher geheult und gewinselt hatten, unterbrochen nur von kurzen Perioden lauernden Schweigens. Im knöchellangen weißen Nachthemd trat Cramsen ans Fenster und blickte hinaus ins Sternendunkel, das sich im Dorfteich verdoppelte und sein unsicheres Glitzerlicht über den Wald warf, wo in der Höhe schwarz und brockenhaft Schloß Stiegliz emporragte. Die Nachtluft war mild, doch Cramsen hörte das verhaßte, verzaubernde Jaulen; er starrte zu dem von Bäumen und Büschen verstrüppten Schloßschatten empor und fröstelte.
Keiner im Dorf war älter als Cramsen, keine Familie hatte länger in Stiegliz ausgeharrt als die seine, die seit beinahe tausend Jahren dem Grafen von Burg, später Schloß Stiegliz dienstbar war. Als Förster hatten seine Urahnen die Urwälder um Stiegliz gelichtet; als Jäger hatten sie Wölfe und Braunbären ins Dickicht getrieben; als Soldaten waren sie dem Grafen von Stiegliz während zahlloser Kreuzkriege ins Samland und Kulmerland gefolgt. Auf Befehl des Grafen hatten sie geholfen, die wilden Prussen zu unterwerfen, was Jahrhunderte dauerte, und die heilige Marienburg zu erbauen, die binnen weniger Jahre wieder verloren ging. Bis Königsberg waren Cramsen und der Graf von Stiegliz vorgedrungen, hatten gegen die Horden Jagiellos die furchtbare Niederlage von Tannenberg erlitten und waren, während weiterer Jahrhunderte, schrittweise zurückgeworfen worden bis hinter die Oder, wo sie sich bis zum heutig

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