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Blinder Instinkt Psychothriller von Winkelmann, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.02.2011
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Blinder Instinkt

Ein entführtes Mädchen, ein trauernder Bruder, ein eiskalter Psychopath ... Ein heißer Sommertag. In einem verwilderten Garten sitzt ein junges Mädchen auf einer Schaukel. Alles um es herum leuchtet in strahlenden Blütenfarben, doch das Mädchen nimmt nichts davon wahr, es ist blind. Dafür spürt es ganz deutlich, dass sich ihm jemand nähert, jemand, von dem etwas zutiefst Böses ausgeht. Es versucht noch wegzulaufen - vergeblich ... Jahre später wird Kommissarin Franziska Gottlob zu einem Wohnheim für Kinder gerufen. Wieder ist ein junges Mädchen verschwunden. Das Kind ist blind. Und vom Täter fehlt jede Spur. Andreas Winkelmann, geboren 1968, entdeckte schon früh seine Leidenschaft für unheimliche Geschichten. Er war unter anderem Soldat, Sportlehrer und Taxifahrer, hielt es aber in keinem Job lange aus und blieb nur dem Schreiben treu. "Der menschliche Verstand erschafft die Hölle auf Erden, und dort kenne ich mich aus", beschreibt er seine Faszination für das Genre des Bösen. Er lebt heute mit seiner Familie in einem einsamen Haus am Waldesrand nahe Bremen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 18.02.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641041014
    Verlag: Goldmann
    Größe: 718 kBytes
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Blinder Instinkt

3 (S. 53-54)

"Junge, wie siehst du denn wieder aus!" Das Gesicht seiner Mutter verzog sich auf die ihm so bekannte und verhasste Art. Rund um ihren Mund begann das Erdbeben. Schlaffes, altes Gewebe formte sich zu einem spitzen Trichter, drang weit nach vorn, so als wolle sie einen Mondfisch bei der Nahrungsaufnahme nachahmen. Dabei bildeten sich tiefe Schluchten in dem zu dick aufgetragenen Lippenstift. Während ihr Mund diese Form annahm, riss Mutter die Augen weit auf und schob die sorgfältig dünn gezupften Augenbrauen nach oben. Darüber schimmerte weiße, schuppige Kopfhaut unter dünn gewordenem Haar. Nicht nur das Alter hatte seine Mutter hässlich gemacht. Sie trug ihr Innerstes zur Schau, und das war angefüllt mit Neid, Missgunst und Hass.

Es drang ihr quasi aus jeder Pore. "Hast du heute schon mal in den Spiegel geschaut?", fragte sie ihn mit ihrem spitzen Mund. Natürlich erwartete sie keine Antwort darauf. Auch wenn es auf Außenstehende gemein und verletzend wirkte - und sie hatte keine Hemmungen, auch vor Dritten so mit ihm zu sprechen -, war es doch nichts weiter als ein Ritual, an das er sich gewöhnt hatte und das ihm eigentlich gleichgültig sein sollte. An manchen Tagen, schlechten Tagen, trafen ihre Worte ihn aber doch, und dann wurde ihm voller Bestürzung bewusst, dass sie ihm niemals gleichgültig sein würden, egal wie sehr er sich auch anstrengte. Niemals, niemals, niemals! Ihre Lippen näherten sich seiner Wange und hinterließen einen klebrigen Abdruck darauf.

Deutlich spürte er ihre borstigen Barthaare über seine Haut kratzen. Ein kalter Schauer lief seinen Rücken hinab. "Komm erst mal rein, bevor die Nachbarn dich so sehen." Mit ihrer erstaunlich kräftigen Hand packte sie ihn an der Schulter und zog ihn in den Hausflur. Bevor sie die schwere Tür schloss, spähte sie nach rechts und links die Straße hinunter - sie war menschenleer. "Die werden immer neugieriger! Nichts kann man hier mehr geheim halten. Und der alte Kerl von gegenüber sitzt jetzt den ganzen Tag mit seinem Fernglas hinter der Gardine. Er denkt, ich sehe ihn nicht, aber ich sehe ihn sehr wohl. Ich sehe immer noch sehr gut!"

Dann schlug sie die Tür zu, und er zuckte zusammen. Plötzlich war es dunkel in dem geräumigen Flur, in dem es kein Fenster gab und in dem alle Möbel in dunklem Mahagoni gehalten waren. Sie saugten das wenige Licht auf, schienen ihm mitunter auch alles Leben aufzusaugen."Gib mir deine Jacke, und geh deinen Vater begrüßen.

Er sitzt in seinem Stuhl im Wohnzimmer. In einer Viertelstunde ist das Essen fertig. Na los, geh schon!" Sie riss ihm quasi seine dünne Sommerjacke von den Schultern und schubste ihn durch den Flur, während sie selbst in die Küche verschwand. Als sie fort war, blieb er zunächst im Türrahmen zum Wohnzimmer stehen, atmete dort tief ein und aus, strich Falten aus seiner Stoffhose, die nicht vorhanden waren.

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