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Blutbuche Thriller von Hansen, Ule (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.05.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Blutbuche

'Bitte helft mir! Er sagt, er reißt mich in Stücke.' Das und noch Schlimmeres steht in einem von drei kryptischen Briefen, die der polnischen Polizei zugespielt werden. Die Briefe sind auf Deutsch verfasst, und so erbittet man Amtshilfe bei der Berliner Polizei. Ein Gutachten soll klären, ob hier jemand unter grausamsten Bedingungen gefangen gehalten wird oder ob diese Briefe nur ein übler Scherz sind. Der Fall landet auf dem Tisch von Emma Carow, die für ihre genialen Analysen bekannt ist. Bei dem Versuch, das Rätsel zu lösen, wird sie mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert.

Ule Hansen ist das Pseudonym eines Berliner Autorenduos. Astrid Ule ist zudem Lektorin, Eric T. Hansen freier Journalist. Gemeinsam haben Sie bereits mehrere Dreh- und Sachbücher verfasst. Sie teilen eine Leidenschaft für nächtliche Gespräche bei gutem Whisky, exzentrische Halloweenpartys und ziellose Streifzüge durch die vergessenen Ecken der Stadt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 21.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641201142
    Verlag: Heyne
    Serie: Die Carow-Reihe .2
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Blutbuche

1

Emma Carow saß ihrem Vergewaltiger gegenüber und war die Ruhe selbst.

Sie konnte ihn riechen, obwohl gute drei Meter zwischen ihnen lagen. Den Klang seiner Stimme hören, obwohl er schwieg. Sie mied seinen Blick, aber sie wusste, er schaute sie an. Dennoch war sie ruhig. Ihre Hände zitterten nicht. Sie konnte frei atmen. Die ein, zwei Tropfen Schweiß auf der Stirn, die waren den Scheinwerfern geschuldet.

Sie wunderte sich über sich selbst. Wie konnte sie so gelassen sein?

Weil sie gut vorbereitet war? Sie wusste, was sie zu sagen hatte. Sie hatte es geprobt, hatte es aufgeschrieben und ausgesprochen. Immer wieder. Vor dem Spiegel. Im Auto, auf dem Weg hierher. In der Garderobe. Es hatte ihr nur noch nie jemand dabei gegenübergesessen.

Emma Carow saß unter einer Glaskuppel, die so aussehen sollte wie die, die den Reichstag krönte, nur kleiner. Um sie herum wuchs ein zylindrisches Stahlgerüst in die Höhe: der Gasometer in Schöneberg, Abschnitt 42. Ein Relikt aus den Zeiten, als das Erdgas noch überirdisch gelagert wurde. Damals umfing das stählerne Außenskelett einen flexiblen Innensilo, der je nach Bedarf aufgepumpt werden konnte. Vor dem Krieg war der Gasometer ein Symbol der allgegenwärtigen Industrie gewesen, die die Luft der Hauptstadt verpestete, heute war er ein nostalgisches Symbol für das, was Berlin schmerzlich fehlte: eben jene Industrie. In dieses Ding hatten die TV -Macher die Kuppelkulisse gesetzt, die sie umfing, Bombast im Kleinen. Fünf Gäste saßen neben Emma auf der roten Bühne. Hinter ihnen rot-gelbe Bühnendeko, vor ihnen Kameras. Und Zuschauer. Aufgereiht auf einer Tribüne. Sie erkannte keine Gesichter, die Lampen blendeten sie. Ihre Schwester war nicht darunter, das wusste sie. Sarah saß mit ihrem neuen Liebsten vor dem Fernseher. Emmas Kollegen wahrscheinlich auch.

Emma, dezent geschminkt, kreuzte die Beine in den hellen Wild lederstiefeln, dazu trug sie schwarze, enge Jeans und einen weißen Wollpulli, die Klamotten hatte Sarah ausgesucht: "Keine Widerrede." Sie strich sich über die raspelkurzen blonden Haare und wunderte sich über sich selbst.

Neben ihr die Moderatorin.

Charlotte Langendorn. Breites Lächeln, einfach sympathisch, trotzdem seriös. Vertrauenswürdig. Sie hatte verstanden, was Emma zu sagen hatte, im Großen und Ganzen, sie hatten sich darüber unterhalten, damals schon, als Emma spontan in der Sendung angerufen hatte, zu der sie nun ins Studio eingeladen war, um die zehn Wochen war das jetzt her. Jung, die Langendorn, aber schon ein alter Hase, es war gut, so jemanden zur Seite zu haben. Dann die Pastorin, Feldwiese oder so. Über sie stand immer wieder mal was in der Zeitung - Frau mit großem Herzen, Pragmatikerin, in der Friedensbewegung aktiv. Der Strafrichter, Hoppe. Sie kannten sich. Der Promi natürlich, André Irgendwas. Hatte in irgendeiner TV -Show irgendein Lied über Frieden zwischen Mann und Frau gesungen, Frieden und Liebe oder so, das machte ihn zum Experten für Vergewaltigung.

Und Uwe Marquardt.

Ohne Mauer. Ohne Gitter. Ohne Handschellen. Frei saß er da, wie ein ganz normaler Mensch, ein Mensch, der lediglich die seltsame Angewohnheit hatte, Frauen wie sie drei Tage lang ans Bett zu fesseln und zu vergewaltigen.

Aber es war kein Problem. Überhaupt kein Problem. Denn sie hatte ihn überwunden. Oder war auf dem besten Weg dazu. Sie war stärker, sie war vorbereitet, sie wusste, was sie zu tun hatte, sie waren in der Öffentlichkeit, in der Öffentlichkeit hatte einer wie er keine Gewalt über sie. Nur im Dunkeln, nur mit Messer und Seil, nur damals, bevor sie Polizistin wurde, bevor sie eine Waffe hatte, bevor sie verstand, dass es Menschen wie ihn gibt auf dieser

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