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Chicago Kriminalroman von Mamet, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2018
  • Verlag: HarperCollins
eBook (ePUB)
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Chicago

Chicago in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts: Gangs kontrollieren die gesamte Stadt und liefern sich erbitterte Kämpfe um ihr Territorium. Mittendrin Mike Hodge, Lokalreporter der Chicago Tribune. Wobei Mike vortrefflich darüber streiten könnte, ob die größeren Ganoven nicht doch im Rathaus oder bei der Polizei sitzen. Er weiß viel und hat sich mit allen Mächtigen bereits angelegt. Als seine Geliebte Annie vor seinen Augen ermordet wird, ist ihm klar, dass ihm dadurch eine Lektion erteilt werden soll. Aber von wem? Mike schwört, Annies Tod zu rächen. Und so begibt er sich auf Spurensuche in der Chicagoer Unterwelt ...

'Die in sich gebrochenen, sich selbst rasant dynamisierenden Dialoge sind einfach großartig. (...) Mamet kann so wie ein James Lee Burke 'mit dem Ohr' schreiben: äußert präzis, extrem naturalistisch.' Buchkultur

David Mamet ist Dramatiker, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur. Seine Drehbücher für The Verdict - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sowie Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt wurden für den Oscar nominiert. Für sein Theaterstück Glengarry Glen Ross erhielt er den Pulitzerpreis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 01.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959677929
    Verlag: HarperCollins
    Originaltitel: Chicago
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Chicago

2

Ihr Name lautete Annie Walsh.

Zu Beginn ihrer Romanze hatte Mike recht lange mit ihr geflirtet.

Wie üblich war er die Sache mit Bedacht angegangen, wobei dies von seinem Standpunkt in einer genauen Einschätzung jenes Punkts bestand, an dem seine lodernde Begierde nach ihr das übertraf, was er als angemessenen Respekt für ihre Jugend und Unschuld ansah.

"Es ist, als würde man ein Flugzeug fliegen", erklärte er Parlow. "Das Flugzeug ist schon vom Design her unausgeglichen. Man kann es nur im Gleichgewicht halten, indem man damit irgendwohin fliegt. Vorher und hinterher befindet es sich in einer Stase, oder wenn es nicht mehr weiterfliegen kann ..."

"Sie ist zu jung", gab Parlow zu bedenken.

"... beispielsweise, wenn der Hunne deinem Leitwerk einen Stich versetzt hat und dir nur noch bleibt, dir einen guten Platz zum Sterben zu suchen."

"Heb dir das für dein Buch auf", sagte Parlow.

"Oh, das kommt alles ins Buch", versicherte Mike ihm. "Auf die eine oder die andere Weise. Denn es ist in mir und muss daher rauskommen."

"Das war bestimmt ein traumatisches Erlebnis", meinte Parlow. "Schließlich hat es auch großen Spaß gemacht."

"Ja, es hat Spaß gemacht", gab Mike zu. "Das ist das finstere, schäbige Geheimnis, das wir Soldaten mit uns herumtragen wie ein Geschwür im Herzen."

"Du hast doch gesagt, du willst kein Buch schreiben."

"Das Herz ist eine unbeständige Geliebte", sagte Mike.

"Die Kleine ist zu jung", wiederholte Parlow. "Und noch dazu Irin. Ihr Vater wird dich umbringen, und das ist keine Metapher."

"Und was ist, wenn ich sie heirate?", erwiderte Mike.

"Großer Gott."

"Andere haben schon für weniger geheiratet."

" Mag sie dich denn überhaupt?"

"Jeder mag mich", behauptete Mike. "Ich bin ein liebenswürdiger Mann ... habe einen Job ..."

"Hast du eben gesagt, dass du vielleicht doch einen Roman schreiben wirst?"

"Ich kann doch beides machen."

"'Niemand kann zwei Herren dienen'", zitierte Parlow. "Wer hat das gesagt?"

"Terhune in Mein Hund Lad ", antwortete Mike.

"Worüber redest du überhaupt mit der Kleinen? Sie kann doch reden, oder ..."

"Sie muss nicht reden."

"Weißt du was?", meinte Parlow. "Du verliebst dich nicht mal wie ein Nigger, nein, du verliebst dich gleich wie ein Hillbilly : Du siehst die Kleine, wirfst sie, ihre beiden Kinder und ihr Banjo in deinen Wagen und fährst einfach los."

"Ganz genau."

Mike hatte Annie Walsh das erste Mal hinter dem Tresen des The Beautiful gesehen, das er aufgrund eines Verdachts aufgesucht hatte. Dieser Verdacht war ihm gekommen, nachdem er sich an eine Mob-Beerdigung erinnert hatte.

Es schien ihm, nachdem er erst einmal darauf gekommen war, eine jener so klaren und einfachen Ideen zu sein, bei der derjenige staunte, warum ihm das nicht schon früher eingefallen war. Warum, fragte sich Mike, wie es ein wahrhaft Inspirierter tat, würde Gott ihn, einen Narren und Sünder, auswählen, um seine Gnade zu empfangen? Aber so war es geschehen.

Dort bei der Beerdigung eines Mannes von der South Side, eines Alfonse Mucci, hatten sich die einander bekriegenden Gruppen eingefunden und wie immer den "Frieden am Wasserloch" einberufen. Ebenso anwesend war Mike, genau wie seine Kollegen, Vertreter der Lokalredaktionen anderer Chicagoer Zeitungen, die alle nach etwas Bemerkenswertem Ausschau hielten, das ihnen auffiel, den gleichermaßen aufmerksamen Konkurrenten jedoch entging.

Mike ließ den Blick über die ruhigen, respektvollen Gesichter von Muccis Kollegen und Auftragsmördern und über die Blumen schweifen. Dort sah er die üblichen Kränze, Kreuze und Gestecke mit den üblichen Trauersprüchen sowie eine kleine Karte, die mit Draht an jedem der Holzständer befestigt war.

Die Trauergäste hatten den Friedhof verlassen, und

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