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Daily Soap Ein Fall für den Frisör von Schünemann, Christian (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Daily Soap

Tomas Prinz erfindet ein neues Styling für Tina Schmale, die eine TV-Soap aus dem Quotenloch retten soll. Sie braucht einen Publikumsmagneten. Der Frisör weiß Rat: Charlotte Auerbach, eine Jugend-Ikone aus den 70ern, wäre dazu bereit. Mit ihr gerät auch Tomas in eine Fernseh-Crew, die wie am Fließband Vorabend-Unterhaltung produziert - und nicht nur das: Intrigen, Eifersüchteleien, sogar einen Mord. Christian Schünemann, geboren 1968 in Bremen, studierte Slawistik in Berlin und Sankt Petersburg, arbeitete in Moskau und Bosnien-Herzegowina und schreibt auch als Storyliner und Drehbuchautor. Die Studentin Der Frisör Der Bruder Daily Soap

Produktinformationen

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Daily Soap

[5] 1

Tina Schmale starrte geradeaus in ihre eigenen Augen und versuchte, sich im Spiegelbild ihr neues Aussehen vorzustellen. Mit den Händen umklammerte sie dabei die Armlehnen, erschrocken über ihre eigenen Worte.

Ich wickelte mir ihr kräftiges Haar um den Handrücken und versteckte den Knoten in ihrem Nacken. Zum Vorschein kamen das Oval von Tinas Gesicht und ein Schimmer in ihren Augen. Ich war mir nicht sicher, ob es der Ausdruck von Trauer und Schmerz über den bevorstehenden Verlust war oder die Neugier auf das Leben danach. "Warum sollte ich das tun?", fragte ich.

Tina drückte sich mit der flachen Hand gegen die Nasenspitze, eine Angewohnheit, die - glaubt meine Farbstylistin Bea - "Ausdruck eines sexuellen Verlangens" ist oder ein Zeichen dafür, "dass sie einen Parasiten in sich trägt". Das war natürlich Quatsch. Tina litt an Heuschnupfen, und das ging jetzt im Februar schon wieder los.

Sie sagte: "Kein Typ. Nicht, was du denkst. Ich habe einen neuen Job."

Ich ließ das Haar los, so dass es wie ein duftender Vorhang über ihren Rücken fiel. Wie viele Jahre hatten wir es lang und länger gezüchtet? Im Stehen reichte es ihr bis zum Po. Wir hatten es immer geliebt. Und jetzt hieß es plötzlich: [6] "Zu viel Gewicht. Zu viel zu schleppen. Es belastet mich. Kannst du das nicht verstehen?"

Ich war mir nicht sicher, ob Tina ihren Entschluss wirklich ernst meinte oder ob es eine Laune war, die so schnell verfliegen würde wie die Hoffnung, dass mit der ersten Krokusblüte der Frühling kommt. Nach ein paar Stunden Sonne tobte seit heute Mittag ein sibirischer Schneesturm durch die Hans-Sachs-Straße und verwandelte die Welt in eine weiße Hölle. Keine Ahnung, ob Aljoschas Maschine bei diesem Wetter überhaupt landen konnte. Heute Abend ohne ihn - ich wollte jetzt nicht schwarzmalen.

"Schau mal", sagte ich, "du kannst es jederzeit hochstecken, wenn es dich stört. Das sieht dann ungefähr so aus." Tina als Dame, vielleicht zur Abwechslung mal auf Absätzen statt immer in diesen Turnschuhen. Aber klar, dieses Styling würde sie jeden Morgen ein paar Minuten kosten - zu viel für Tina und all die anderen Frauen. Morgens muss es fix gehen. Keine Zeit für die Schönheit.

Tina drehte den Kopf, betrachtete sich seitlich, die Mundwinkel nach unten verzogen, aber von dem, was sie sagte, verstand ich kein Wort. Aus den Lautsprechern dröhnte mein geliebter Russenrock, aus dem Föhn die heiße Luft, mit der Dennis, mein Topstylist, zwei Positionen von mir entfernt das Resthaar seiner Kundin für meinen Geschmack viel zu sehr aufbauschte. Aber die Dame mochte, was Dennis mit ihr veranstaltete, und lächelte verliebt in ihr Spiegelbild. Kitty servierte Kräutertee und schlenderte zum Telefon, das hinter der Theke seine eigene Melodie sang. "Tomas Prinz für Haare - was kann ich für Sie tun?" Den Hörer zwischen Ohr und Schulter geklemmt, blätterte sie [7] in der Hängevorrichtung mit den Termintafeln. "Sofort? Ausgeschlossen. Übernächste Woche kann ich Ihnen anbieten... Nein. Herr Prinz selbst nimmt keine neuen Kunden."

Tina schnitt kleine Grimassen, Härchen auf dem Näschen. Ich nahm die weiche Bürste und fragte: "Dein neuer Job - um was geht's da eigentlich?"

"So ist das Leben."

"Wie?"

"'SidL'."

"Ach so, die Fernsehserie. Hab ich früher regelmäßig geguckt. Meine Mutter schaut es immer noch jeden Abend. 19.30 Uhr ist 'SidL'-Zeit. Versuch mal, sie dann anzurufen. Sie ist total süchtig. - Und wieso bist du jetzt bei dem Verein gelandet?"

"Das ging alles ganz schnell", sagte Tina. "Anfang Januar kam der Anruf aus dem Headquarter in Berlin, ob ich Producerin von 'So ist das Leben' werden will. Ich dachte, ich dreh durch. 'SidL', der Klassiker! Vor zwanzig Jahren, als die Serie anfing, war ich vierzehn."

"Und ich - mein Gott. Da war ich noch bei Sassoon in London und hätte i

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