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Das Casting Romanvorlage zum Film Audition von Murakami, Ryu (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.06.2015
  • Verlag: Septime
eBook (ePUB)
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Das Casting

Seit dem Tod seiner Frau vor 7 Jahren hatte Dokumentarfilmer Aoyama keine einzige Verabredung. Nachdem sogar sein 15-jähriger Sohn Shige zu einer neuen Heirat drängt, beschließt Aoyama, genau das zu tun. Um in möglichst kurzer Zeit, die Richtige zu finden, kommt für den erfolgreichen Geschäftsmann nur eine systematische Suche in Frage. Sein bester Freund Yoshikawa entwickelt den perfekten Plan: Unter dem Deckmantel eines Film-Castings, soll Aoyama seine zukünftige Braut finden. Tausende Frauen bewerben sich, doch es ist von Anfang an die hübsche Ballett-Tänzerin Yamasaki Asami, die Aoyamas Herz erobert. Betört und geblendet von ihrer Zerbrechlichkeit und dem schüchternen Lächeln, ignoriert er sein immer größer werdendes Gefühl, das mit Asami irgendetwas nicht stimmt. Was als zarte Liebesgeschichte beginnt, mündet bald in einen beklemmenden Alptraum... Mit Das Casting schuf Ryu Murakami einen fesselnden Psycho-Thriller, der tief unter die Haut geht und die Vorlage für den Kultfilm Audition (1999) von Takashi Miike. 2013 landete 'Das Casting' auf der HotList unter den 10 besten Büchern Deuschlands.aus unabhängigen Verlagen. Ryu Murakami, Jahrgang 1952, ist neben seiner Tätigkeit als Filmemacher einer der interessantesten japanischen Schriftsteller der Gegenwart. Mit dem Akutagawa-Preis ist er Inhaber des wichtigsten Japanischen Literaturpreis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 02.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903061071
    Verlag: Septime
    Originaltitel: Audition
    Größe: 434 kBytes
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Das Casting

I

Shigeharu Aoyama beschloss, wieder zu heiraten, nachdem ihn sein Sohn Shigehiko gefragt hatte: "Möchtest du dir nicht eine neue Frau suchen?"

Seine Frau Ry ko hatte diese Welt vor sieben Jahren nach einem viral bedingten Krebsleiden verlassen, als ihr Mann fünfunddreißig und ihr Sohn acht Jahre alt waren. Gewöhnlich breitet sich Krebs bei jungen Menschen rasch aus; nachdem die Diagnose gestellt war, hatte man Ry ko operiert, doch war sie binnen eines Monats gestorben. "Ich hatte keine Zeit, zu leiden oder zu trauern", vertraute er damals einem guten Freund an. Ry ko war ein Einzelkind gewesen, die Tochter des Chefs einer zwar kleinen, aber traditionsreichen Instrumentenbaufirma, der sich für Jazz genauso wie für Klassik begeisterte. Sie war von ihrem Vater zwar streng, aber liebevoll erzogen worden. Hinter ihren feinen Gesichtszügen und ihrem bescheidenen Gebaren verbarg sie Willensstärke und einen ausgeprägten Sinn für gediegene Schönheit, und so war sie ihrem Mann im Leben wie auch bei seiner Arbeit eine verlässliche Stütze. Als er sich nach über zehn Jahren, die er als Angestellter in einer großen Werbeagentur verbracht hatte, auf das Abenteuer einließ, eine eigene Firma für PR-Videos zu gründen, stand ihm Ry ko mit Verständnis und Tatkraft zur Seite. Dafür ist Aoyama ihr heute noch dankbar.

Obwohl es die Blütezeit der Bubble-Economy war, stand seine Firma anfangs wegen der harten Konkurrenz im PR-Geschäft monatelang am Rande der Insolvenz. Zuletzt war es Ry kos Vater, der die Situation rettete. In seinem Betrieb wurden Orgelpfeifen in allen Größen hergestellt, weshalb er gute Beziehungen zur katholischen Kirche auch außerhalb Japans hatte. Es war die Zeit, als in den wirtschaftlich aufstrebenden Ländern Ostasiens VHS-Videorecorder zunehmend Verbreitung fanden, und so begann Aoyama, Videofilme zu produzieren, in denen die Bibel auf leicht verständliche Weise erläutert wurde. In Ostasien fanden sie reißenden Absatz.

Trotzdem blickte Ry ko nicht auf ihren Mann herab. Sie blieb bescheiden, wie es ihrem Wesen entsprach. Schon als Angestellter hatte Aoyama häufig Affären mit anderen Frauen gehabt, ohne dass seine Achtung und Dankbarkeit gegenüber Ry ko darunter gelitten hätte. Als der Christus-Film ein unglaublicher Verkaufsschlager wurde, verliebte er sich Hals über Kopf in eine Club-Hostess in Roppongi und gab riesige Geldsummen für sie aus. Ry ko ließ sich nicht von ihrer Ergebenheit abbringen, sie brach nie einen ernstlichen Streit vom Zaun, sondern verwandte ihre ganze Energie auf die Erziehung ihres kleinen Sohnes.

Jeder Mann denkt hin und wieder, dass er durch den Tod seiner Angetrauten endlich wieder frei wäre. Manch einer zählt die Tage an den Fingern ab, die noch bleiben, bis die Frau zusammen mit den Kindern für einige Zeit zu ihren Eltern fährt. Ist sie dann wirklich weg, rühren die meisten von ihnen keinen Finger. Die ganze Zeit verschwenden sie keinen Gedanken daran, wie sehr sie auf ihre Frau angewiesen sind; wenn diese Stütze auf einmal fehlt, werden sie sich ihrer Abhängigkeit bewusst und sind zu verzagt, um sich auf einen Seitensprung einzulassen. Nachdem er Ry ko verloren hatte, wurde Aoyama von einer ungeheuren Kraftlosigkeit erfasst. Ein befreundeter Arzt stellte die Diagnose, dass er auf dem besten Weg sei, in eine schwere Depression zu sinken. "Wenn du dir nicht irgendein konkretes Ziel stellst, wirst du mit Sicherheit krank werden", hatte der Arzt zu ihm gesagt. Daraufhin hatte er sich zwei Dinge vorgenommen.

Das erste war, möglichst viel Zeit mit Shigehiko zu verbringen. Da Shigehiko ebenfalls sehr unter Ry kos Tod litt, und weil die Obhut für den Sohn bis dahin ausschließlich bei der Mutter gelegen hatte, dauerte es ziemlich lange, bis zwischen Vater und Sohn eine echte Beziehung entstand. Aoyama tat alles, was ihm dazu einfiel, er kaufte Handschuhe und Baseballschläger, um mit Shigehiko zu üben, sie spielten Videospiele un

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