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Das Labyrinth der Spiegel Commissario Montalbano wagt sich in gefährliche Gefilde. Roman von Camilleri, Andrea (eBook)

  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das Labyrinth der Spiegel

Zwei mysteriöse Bombenattentate bereiten Commissario Montalbano ebenso Kopfzerbrechen wie seine neuen Nachbarn in Marinella: Liliana Lombardo kreuzt beinahe jeden seiner Wege, ihr Ehemann ist nie zu sehen. Weitere mafiöse Vorfälle und nächtliche Rendezvous der Signora mit dubiosen Galanen lassen einen Zusammenhang mit den Attentaten erahnen. Außerdem scheint jemand geschickt falsche Fährten zu legen, sodass Montalbano sich irgendwann an das mörderische Labyrinth in Orson Welles' Film Die Lady von Shanghai erinnert fühlt... Andrea Camilleri ist der erfolgreichste zeitgenössische Autor Italiens und begeistert mit seinem vielfach ausgezeichneten Werk ein Millionenpublikum. Ob er seine Leser mit seinem unwiderstehlichen Helden Salvo Montalbano in den Bann zieht, ihnen mit kulinarischen Köstlichkeiten den Mund wässrig macht oder ihnen unvergessliche Einblicke in die mediterrane Seele gewährt: Dem Charme der Welt Camilleris vermag sich niemand zu entziehen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 253
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732523078
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Il gioco degli specchi
    Größe: 692 kBytes
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Das Labyrinth der Spiegel

Eins

Seit über zwei Stunden saß er splitternackt, so wie Gott ihn geschaffen hatte, auf einem Gestell, das auf beängstigende Weise einem elektrischen Stuhl glich. Seine Hand- und Fußgelenke steckten in Metallfesseln, von denen zahlreiche Drähte zu einem Armaturenschrank führten. Dieser war mit allen möglichen Messgeräten bestückt, mit Manometern, Amperemetern und Barometern, sowie mit unaufhörlich blinkenden grünen, roten, gelben und blauen Lämpchen. Er selbst trug einen Helm ähnlich einer Trockenhaube beim Damenfriseur, nur dass diese Haube über ein dickes schwarzes Kabel, in dem Hunderte verschiedenfarbige Drähte zusammenliefen, mit dem Schrank verbunden war.

Der etwa fünfzigjährige Professor mit Pagenfrisur und Mittelscheitel, Ziegenbärtchen, Goldrandbrille und blütenweißem Kittel stellte eine unsympathische, arrogante Miene zur Schau und hatte ihn bereits mit tausend Fragen bombardiert:

"Wer war Abraham Lincoln?"

"Wer hat Amerika entdeckt?"

"Woran denken Sie, wenn Sie einen schönen Frauenhintern sehen?"

"Wie viel ist neun mal neun?"

"Wenn Sie die Wahl zwischen einem Eis in der Waffel und einem Stück schimmeligen Brot hätten, was würden Sie nehmen?"

"Wie viele waren die sieben Könige Roms?"

"Würden Sie sich lieber einen lustigen Film anschauen oder ein Feuerwerk?"

"Wenn Sie von einem Hund angegriffen werden, laufen Sie dann weg oder knurren Sie ihn an?"

Irgendwann verstummte der Professor unvermittelt, räusperte sich, ehm ehm , zupfte ein Fädchen vom Ärmel seines Kittels und fixierte Montalbano mit seinem Blick. Dann atmete er tief ein, schüttelte traurig den Kopf, atmete erneut tief ein, machte noch einmal ehm ehm und drückte dann einen Knopf, worauf die Metallfesseln aufsprangen und der Helm automatisch hochklappte.

"Die Untersuchung wäre damit beendet", sagte er, setzte sich hinter seinen Schreibtisch in einer Ecke des Sprechzimmers und fing an, etwas in den Computer zu tippen.

Montalbano richtete sich auf und griff nach Unterhose und Hose, doch dann stutzte er plötzlich. Was bedeutete dieses "wäre"? War die Untersuchung, die ihm ungeheuer auf die Nerven ging, nun zu Ende oder nicht?

Eine Woche zuvor hatte er einen Brief mit der Unterschrift des Polizeipräsidenten erhalten, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass er sich gemäß den neuen, vom Minister höchstselbst erlassenen Personalbestimmungen binnen zehn Tagen in der Maria-Vergine-Klinik in Montelusa einzufinden und sich einer Untersuchung zur Überprüfung seiner geistigen Gesundheit zu unterziehen habe.

Wie kann es sein, dass ein Minister die geistige Gesundheit eines Beamten, der Beamte aber nicht die geistige Gesundheit des Ministers überprüfen darf?, hatte er sich fluchend gefragt und sich beim Polizeipräsidenten beschwert.

"Was soll ich dazu sagen, Montalbano? Befehl von oben. Ihre Kollegen haben sich gefügt."

Sich fügen, so lautete also die Parole. Wer sich nicht fügte, riskierte, als Pädophiler, Zuhälter oder Serienvergewaltiger von Nonnen verleumdet und zum Rücktritt gezwungen zu werden.

"Warum ziehen Sie sich denn nicht an?", fragte der Professor.

"Weil ich nicht ...", nuschelte er auf der Suche nach einer Erklärung, während er in seine Unterhose schlüpfte. Doch dann geschah ein Malheur. Seine Hose passte ihm nicht mehr. Es war hundertprozentig dieselbe, in der er gekommen war, aber nun war sie ihm zu eng. So sehr er den Bauch einzog, so sehr er sich hineinzuzwängen versuchte, sie passte ihm einfach nicht mehr. Die Hose war ihm mindestens drei Nummern zu klein. Bei einem letzten verzweifelten Versuch hineinzuschlüpfen verlor er das Gleichgewicht. Er suchte Halt an einem Rollwagen mit einem geheimnisvollen Gerät darauf, aber der Wagen schoss los wie eine Rakete und krachte gegen den Schreibtisch des Professors, der erschrocken hochfuhr.

"Haben Sie den Verstand verloren?"

"M

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