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Das Paar im Kahn Hunkelers dritter Fall von Schneider, Hansjörg (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Das Paar im Kahn

Eine junge Türkin wird ermordet aufgefunden, ihr Gesicht ist entsetzlich zerschnitten. Offenbar hat ihr Mann sie aus Eifersucht getötet - wenige Stunden später erhängt er sich in der Zelle. Doch Kommissär Hunkeler mag an eine so einfache Lösung des Falles nicht glauben und recherchiert weiter. Was ist das Motiv für diesen grausamen Tod im Basler St.-Johann-Quartier? Tatsächlich Eifersucht und Ehre? Oder hat die türkische Mafia etwas damit zu tun? Hansjörg Schneider, geboren 1938 in Aarau, arbeitete nach dem Studium der Germanistik und einer Dissertation unter anderem als Lehrer, als Journalist und am Theater. Mit seinen Theaterstücken war er einer der meistaufgeführten deutschsprachigen Dramatiker, seine Hunkeler

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257602920
    Verlag: Diogenes
    Serie: Peter Hunkeler Bd.3
    Größe: 1543 kBytes
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Das Paar im Kahn

[76] Am nächsten Samstagmorgen stieg Hunkeler den Rheinsprung hoch. Rechter Hand stand ein Riegelhaus, in dessen Schaufenster Schmuck aus irgendwelchen asiatischen Ländern lag. Er ging hinein. An einem Tisch saß ein langhaariges Mädchen.

"Herr Paul Wyss", sagte er, "wo finde ich ihn?"

"Der ist vor Jahren gestorben. Soviel ich weiß, wurde er in der Nähe von Lugano begraben."

"Und seine Frau, wo lebt die?"

"Die ist auch tot."

"Was ist mit seiner Sammlung geschehen?"

Das Mädchen warf ihr Haar nach hinten, unwirsch, sie hatte die Fragerei satt.

"Das weiß ich doch nicht. Wenn Sie Schmuck aus Indonesien kaufen wollen, bitte sehr. Aber ich bin doch keine Auskunftsstelle."

Hunkeler verließ den Laden, durchaus beleidigt. Diese Jugend, dachte er, die weiß nicht mehr, was sich gehört. Besonders die weibliche Jugend. Die empfindet jeden alten Mann bereits als Zumutung, als potentiellen Alterslüstling. Keine Anmut, kein Charme, keine Freundlichkeit. Dann musste er lachen. Er war wohl selber unwirsch gewesen, er war in hässiger Laune.

Er stieg weiter hinauf Richtung Münsterplatz, er hatte Zeit. Er kam sich vor wie ein Rentner, der sich nach seiner Arbeit sehnt.

Oben auf dem Platz bog er nach links ab unter die Kastanienbäume, von denen das Regenwasser tropfte. Er betrachtete die Gallus-Pforte, die romanischen Figuren links und rechts des Portals, das Lebensrad darüber mit den [77] Menschen, die sich im Kreis drehten, einmal unten, einmal oben. Es fiel ihm ein, dass er schon lange nicht mehr hier gewesen war, er sagte sich, dass er im Moment ziemlich tief unten war.

Er dachte kurz daran, den Kirchenraum zu betreten und sich das Relief des heiligen Vinzenz anzuschauen, ließ es aber bleiben. Er ging weiter durch die Rittergasse. Das Gehen im Regen beruhigte ihn.

Er wusste nicht, was er suchte, er gab es jedenfalls nicht zu. Er redete sich ein, Basel sei eine schöne, alte Stadt mit Sehenswürdigkeiten von Weltrang, betrachtete links und rechts die alten Häuser. Er ging durch die St. Alban-Vorstadt, stieg den Mühlenberg hinunter zur alten Kirche. Die interessierte ihn nicht. Er trat auf den St. Alban-Rheinweg hinaus, schaute auf den Fluss, der braunes Hochwasser führte. Ein vollbeladener Öltanker schob sich hinauf. In der Steuerkabine brannte Licht.

St. Alban-Rheinweg, was fiel ihm denn zu diesem Weg ein? Richtig, Erika Frösch, die für ein Reisebüro arbeitete und bei Aische Aydin Türkischstunden genommen hatte. Er hatte ihre Adresse im Telefonbuch herausgesucht.

Erika Frösch wohnte in einem hohen Mietshaus, neben dem Goldenen Sternen. Er stieß die Haustür auf, stieg drei Treppen hoch und klingelte. Er musste lange warten, er hörte von drinnen Kindergeschrei. Dann ging die Tür auf, eine junge Frau stand vor ihm mit kurzem, leicht rötlichem Haar.

"Was wollen Sie?"

"Dürfte ich bitte hereinkommen?", fragte er.

"Warum?"

[78] Er zeigte seinen Ausweis.

"Ich bin Kriminalkommissär. Es geht um Aische Aydin."

"Es ist schon einer hier gewesen, ich habe seinen Namen vergessen. Ich habe keine Zeit mehr."

Sie wollte die Tür schließen, aber er stellte den Fuß dazwischen. "Bitte", sagte er, und er fragte sich, woher er seine Freundlichkeit nahm, "es ist sehr wichtig."

Sie überlegte, schaute ihn genau an aus hellgrauen Augen und nickte. Sie ging voraus in die Küche, wo in Babystühlen zwei Kleinkinder saßen, die ihn reglos anstarrten. Einem quoll Brei aus dem Mund, Karottenmus wohl. Er setzte sich auf den Stuhl daneben und schaute sich um. Der Tisch war überstellt mit Dosen und Flaschen. Schmutziges Geschirr auf der Anrichte, eine Kiste mit zwei Meerschweinchen in der Ecke. An den Wänden hingen Fotos von romanischen Fresken.

"Zwillinge?", fragte er.

"Ja, was denn sonst?"

"Sind S

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