text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Schwarze-Peter-Spiel von Wittgen, Tom (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.08.2015
  • Verlag: Das Neue Berlin
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Schwarze-Peter-Spiel

Bernhard Ramsun, über Jahre zuverlässiger Geldfahrer der Westberliner Wach- und Transportgesellschaft 'Edmund', geht ein Geldbeutel mit 820.000 DM verloren. Ehrliche Müllmänner geben ihn ab. Reporter mischen sich ein, ein Artikl erscheint, der Rausschmiß folgt - Ramsun ist ruiniert. Abrupt aus seinem gewohnten bürgerlichen Dasein gerissen, wird er mit der Schattenseite des Lebens konfrontiert. Gegen seinen Willen und ohne sein Verschulden findet er sich jenseits des Gesetzes wieder. Ihm hat man die Schwarze-Peter-Karte zugeschoben. Er gibt sie weiter ... Tom Wittgen ( 1932 in Wittgendorf bei Chemnitz) ist das Pseudonym von Ingeburg Siebenstädt. Sie absolvierte ein Germanistikstudium in Leipzig und Berlin und war danach als Reporter-Redakteur bei Radio DDR tätig. Später arbeitete sie mehrere Jahre als Lektorin im Verlag Das Neue Berlin, speziell auf dem Gebiet der Kriminalliteratur, und ab 1970 als freischaffende Autorin. Unter ihrem Autorennamen Tom Wittgen veröffentlichte Siebenstädt mehrere 'Blaulicht'-Erzählungen. Es folgten Kriminalromane wie 'Der zweite Ring', 'Intimsphäre', 'Das sanfte Mädchen' und 'Das Schwarze-Peter-Spiel' in der 'DIE-Reihe' des Verlages Das Neue Berlin, in der auch die meisten anderen ihrer Kriminalromane erschienen. Außerdem war sie als Drehbuchautorin ('Polizeiruf 110') tätig, schrieb verschiedene Abenteuerromane und Kinderbücher. Viele ihrer Kriminalromane erreichten vor der Wende eine Auflagenhöhe von über 100 000 Exemplaren und wurden in Ungarn, Polen, der ?SSR und der UdSSR veröffentlicht. Siebenstädt galt als die 'Agatha Christie der DDR' und war die erfolgreichste Krimiautorin der DDR. 1994 zeichnete sie die Autorengruppe deutsche Kriminalliteratur DAS SYNDIKAT für ihr Lebenswerk mit dem Ehrenglauser, dem 'Krimi-Oscar' der Zunft, aus. Seit 2002 lebt die Ruheständlerin in der Nähe von Potsdam.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 184
    Erscheinungsdatum: 29.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783360501196
    Verlag: Das Neue Berlin
    Größe: 2100 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Schwarze-Peter-Spiel

I

1

"Gewiß kommen die auch zu Ihnen."

Die Kellnerin flüsterte und stellte die Nachspeise, die Bernhard Ramsun beiseite schob, wieder aufs Tablett.

"Mokka", sagte Ramsun.

In kurzen Abständen zuckte Blitzlicht durch den Raum. Der Fotograf gab akrobatische Vorstellungen zum besten, um Direktor Kruse aufs Zelluloid zu bannen. Mit kleinen Tricks versuchte die Kellnerin, mit ins Bild zu kommen, doch der Mann mit dem Fotoapparat vereitelte das durch einen warnenden Blick oder eine ärgerliche Handbewegung. Vom Nebentisch aus beobachtete Bernhard Ramsun diese Szenen. Er lächelte verächtlich.

"Warum eigentlich", fragte der Reporter, "hat sich Ihre Wach- und Transportgesellschaft den Namen Edmund zugelegt?"

"Oh, das hat symbolische Bedeutung", erklärte Direktor Kruse bereitwillig. " Edmund heißt der Besitz-Schützer. Gäbe es eine treffendere Bezeichnung für ein Unternehmen, das mit rund eintausend Angestellten Beschützerfunktionen übernimmt?"

"Sie beschirmen Personen und ebenso deren Besitz?"

"Ganz recht."

Direktor Kruse drückte seine Zigarre aus, für Ramsun ein Zeichen, daß er zu einer längeren Rede ansetzte.

Die Serviererin brachte den Mokka. Da ihr Versuch, zusammen mit dem Direktor in einer Illustrierten zu erscheinen, gescheitert war, hatte sie nur noch Augen für Ramsun. Doch der beachtete sie heute noch weniger als sonst. Er nahm die Tasse auf, trank und verfolgte über den Rand hinweg die Gesten seines Chefs, die Miene des Reporters und die Artistik des Fotografen.

"Für Personen- und Objektschutz sind wir ebenso verantwortlich wie für Transporte von Geld- und Sachwerten", erklärte Kruse. "Vierzig mit Funk ausgerüstete Wagen durchqueren diese Stadt zur Kontrolle von Gebäuden - Privathäusern zumeist", fuhr er schnell fort, als der Reporter etwas fragen wollte. "Berühmte Persönlichkeiten vertrauen sich uns an. Verlangen Sie keine Indiskretion von mir. Ich kann Ihnen jedoch versichern, daß wir hochgestellten Personen aus den Sphären der Kunst und Politik Begleitschutz gewähren."

Wieder öffnete der Reporter den Mund zu einer Frage, doch Direktor Kruse beantwortete sie schon, ehe sie gestellt wurde.

Ramsun setzte die Mokkatasse ab und beobachtete jetzt offen und ungeniert die Szene am Nebentisch. In der Kantine gab es ohnehin keinen Mitarbeiter der Wachgesellschaft mehr, der das nicht getan hätte. Ramsun brachte es jedoch ein wenig überheblicher, herausfordernder zustande. Er verzog einfach den rechten Mundwinkel, nur so viel, daß sein Gesicht nicht zur Grimasse wurde, sondern lächelnd Geringschätzung ausdrückte.

"Außerdem versieht unser Personal Aufseherdienste in Museen, bei Behörden, in Rundfunkanstalten. Und zweihundert Angestellte - ich wiederhole: zweihundert! - haben die Fluggastkontrolle in Tegel übernommen. Sie sehen, wir bieten Sicherheit in vielfältiger Weise."

Diese Worte erinnerten Bernhard Ramsun an sein Einstellungsgespräch vor sechs Jahren. "Wir verkaufen Sicherheit", hatte Kruse ihn damals belehrt. "Wir leben von der Angst der Banken um ihr Geld, von der Furcht der Politiker und Show-Stars um ihr Leben, und wenn in der Stadt die Zahl der Überfälle steigt, wird es für uns ein gutes Jahr."

Der Direktor bemerkte Ramsuns zuckenden Mundwinkel und schwieg irritiert. Gelegenheit für den Reporter, etwas mehr als einen Statisten aus sich zu machen.

"Mit welchen Problemen müssen Sie sich in der Hauptsache herumschlagen?"

"Das von uns Erreichte ist noch längst nicht das Erreichbare. Zwar ist Sicherheit garantiert, wo unsere Leute arbeiten, doch wir können leider kaum noch neue Kundschaft annehmen, obwohl vielerorts der Wunsch besteht, sich unserem Unternehmen anzuvertrauen."

Du Armleuchter, dachte Ramsun, und im nächsten Augenblick: Nein, du bist nichts als ein cleverer Bursche in deinem Geschäft. Und aus dem Spiel, wer am besten lügt, der kriegt die Kasse

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen