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Das Verhör Eine Jack-Reacher Story aus 'Der Einzelgänger' von Child, Lee (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2018
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Das Verhör

Der Mann im Krankenhausbett war riesig - bestimmt zwei Meter groß und muskelbepackt mit Händen wie Bratpfannen. Irgendjemand hatte ihm in die Brust geschossen. Bislang hatte er sich geweigert, mit irgendjemandem darüber zu reden, was geschehen war. Doch bei ihm hatte man einen Ausweis gefunden, sodass die Polizei wenigstens wusste, wie er hieß. Sein Name war Jack Reacher! Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen. 1995 kehrte er der TV-Welt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Anthony Award, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 22.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641239442
    Verlag: Blanvalet
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Das Verhör

DAS VERHÖR

Es gibt Vorschriften und ungeschriebene Regeln, und ich lernte an meinem ersten Tag im Department beide kennen. Die ungeschriebene Regel besagte, dass neue Kriminalbeamte die unangenehmsten Jobs bekamen. Der an diesem Morgen daraus bestand, nach Vorschrift zu handeln: Die Krankenhäuser der Stadt mussten Schusswunden melden, und das Department musste ihretwegen ermitteln. Langweilige, meist erfolglose Arbeit. Aber Vorschrift war Vorschrift.

Erst recht für eine Frau in einer Männerwelt.

Also fuhr ich los.

Natürlich bekam ich den schlechtesten Wagen ohne Navi und ohne Stadtplan im Handschuhfach, aber ich fand das Krankenhaus ganz leicht. Es war ein riesiger beiger Komplex südöstlich der Innenstadt. Ich wies meine glänzende neue Plakette vor und wurde in den vierten Stock geschickt. Keine richtige Intensivstation, sagten sie, aber etwas in dieser Art. Ernsthaft genug, dass ich mein Handy ausschalten musste.

Eine Krankenschwester nahm mich in Empfang und brachte mich zu einer Ärztin, die silberne Strähnen im Haar hatte und klug und reich aussah. Sie sagte, ich sei leider vergeblich hergekommen. Der Verletzte schlafe und werde nicht so bald wieder aufwachen, weil er mit einer Spezialmischung sediert sei, die in meinen Ohren ziemlich gut klang. Aber ich war neu, ich musste einen Bericht schreiben, deshalb fragte ich nach ihrer Perspektive.

"Schusswunde", sagte sie, als wäre ich schwer von Begriff. "Linke Brustseite, unter der Achsel, hat eine Rippe gebrochen und Muskelfasern zerrissen. Nicht sehr nett. Daher die Schmerzmittel."

"Kaliber?", fragte ich.

"Keine Ahnung", antwortete sie. "Jedenfalls kein Kleinkaliber."

Ich bat, den Patienten sehen zu dürfen.

"Sie wollen zusehen, wie er schläft?"

"Ich habe einen Bericht zu schreiben."

Sie ließ mich nicht zu ihm, weil sie eine Infektion befürchtete, aber ich durfte einen Blick durchs Fenster in der Tür werfen. Ich sah einen Mann, der fest schlafend auf einem Krankenbett lag. Ein sehr auffälliger Typ. Kurzes zerzaustes Haar, ein Allerweltsgesicht. Er lag auf dem Rücken, die dünne Decke zurückgeschlagen. Er war von der Taille aufwärts nackt. Sein Oberkörper steckte in einem Druckverband. In den Port auf seinem Handrücken führten dünne Schläuche, und er hatte ein Messgerät am Finger. Auf seinem Monitor war eine Sinuskurve zu erkennen. Sein Herz schlug regelmäßig und kräftig. Das war zu erwarten, denn der Kerl war fast größer als das Krankenbett. Bestimmt zwei Meter groß und hundertzehn Kilo schwer. Ein Gigant. Pranken wie Bratpfannen. Ein muskelbepackter Koloss. Nicht alt. Aber auch nicht jung. Er machte einen ziemlich mitgenommenen Eindruck, hatte zahlreiche Narben. Die auf seinem Bauch sah wie ein mit groben, unbeholfenen Stichen geformter riesiger Seestern aus. In der Brust eine alte Schusswunde. Ziemlich sicher Kaliber .38. Ein bewegtes Leben. Was einen nicht umbringt, macht einen stärker.

Er schien friedlich zu schlafen.

Ich fragte: "Irgendeine Idee, was passiert ist?"

"Vermutlich nicht selbst zugefügt", sagte die Ärztin. "Außer er ist ein Schlangenmensch."

"Ich meine, hat er Ihnen nichts erzählt?"

"Er ist bei Bewusstsein eingeliefert worden, aber er hat kein Wort gesagt."

Ich fragte: "Hat er sich ausweisen können?"

"Seine Sachen sind in einem Beutel", antwortete die Ärztin. "Im Stationszimmer."

Der Beutel war ziemlich klein. Durchsichtiger Kunststoff, Reißverschluss. Wie Fluggäste sie beim Einchecken benutzten. Ganz unten etwas Kleingeld. Ein paar Bucks in Münzen. Darüber zusammengefaltete Geldscheine. Vermutlich ein paar hundert Dollar. Vielleicht auch mehr. Das hing von der Stückelung ab. Außerdem eine Bankkarte. Ein verknitterter alter Pass. Und zuletzt eine Reisezahnbürste, die so zusammengeklappt war, dass die Borsten in einem Plastikröhrchen steckten.

"Ist das alles?", fragte ich.

"Glauben Sie, dass

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