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Deine letzte Lüge Psychothriller von Mackintosh, Clare (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 31.01.2019 per Download lieferbar

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Deine letzte Lüge

Zwei Jahre ist es her, seitdem Tom und Caroline Johnson Selbstmord begangen haben sollen. Ihre Tochter Anna weigert sich zu glauben, dass die Eltern ihrem Leben wissentlich ein Ende gesetzt haben. Und seit sie selbst Mutter geworden ist, quält die Ungewissheit sie mehr denn je. Sie beginnt nachzuforschen, stößt schnell auf Lügen und Ungereimtheiten. Dann aber spürt Anna, dass jemand sie beobachtet, ihr nachstellt. Schon bald muss sie lernen: Manche Dinge sollte man besser ruhen lassen ...

Clare Mackintosh feierte 2015 einen Sensationserfolg mit ihrem Debütroman Meine Seele so kalt. Die Rechte wurden in mehr als 30 Länder verkauft, allein in Großbritannien ging der Thriller mehr als 650 000 Mal über die Ladentheke. Auch der hochgelobte Nachfolger Alleine bist du nie landete wieder auf Platz 1 der Sunday Times-Bestsellerliste. Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin arbeitete Clare Mackintosh bei der britischen Polizei und brachte es bis zum CID. Sie lebt mit ihrer Familie in Wales.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 463
    Erscheinungsdatum: 31.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732561230
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Let Me Lie
    Größe: 1246 kBytes
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Deine letzte Lüge

Zwei

Anna

Ella ist acht Wochen alt. Ihre Augen sind geschlossen, und ihre langen dunkeln Wimpern fächern sich auf den Pausbacken, die sich beim Trinken auf und ab bewegen. Eine winzige Hand spreizt sich einem Seestern gleich auf meiner Brust. Ich sitze auf dem Sofa und denke an all die Dinge, die ich tun könnte, solange sie trinkt. Lesen. Fernsehen. In einem Online-Supermarkt stöbern.

Heute nicht.

Heute ist kein gewöhnlicher Tag.

Ich beobachte meine Tochter, und nach einer Weile heben sich ihre Augenlider, und sie fixiert mich mit ihrem Blick, ernst und vertrauensvoll. Ihre Pupillen sind tiefe Seen bedingungsloser Liebe. Mein Spiegelbild darin ist klein, aber klar.

Ellas Saugen wird langsamer. Wir sehen einander an, und mir kommt in den Sinn, dass Muttersein das bestgehütete Geheimnis von allen ist. All die Bücher, die Filme, die Ratschläge in der Welt bereiten einen nicht annähernd auf dieses überwältigende Gefühl vor, alles für ein winziges Wesen zu sein. Oder dass dieses Wesen alles für einen ist. Ich wahre das Geheimnis, verrate es keinem, denn wem soll ich es schon erzählen? Keine zehn Jahre nach der Schule teilen meine Freundinnen das Bett mit Liebhabern, nicht mit Babys.

Ella sieht mich immer noch an, doch allmählich verschwimmt der Fokus ihres Blicks, ähnlich Morgennebel, der sich über eine Landschaft schiebt. Ihre Lider sinken ein wenig, ein bisschen mehr, fallen zu. Ihr Saugen - anfangs immer so ungeduldig, dann rhythmisch, entspannt, wird träger, bis mehrere Sekunden zwischen zwei Schlucken vergehen. Schließlich hört es ganz auf. Sie schläft.

Ich hebe eine Hand und drücke behutsam mit dem Zeigefinger auf meine Brust, um den Kontakt zwischen meiner Brustwarze und Ellas Lippen zu lösen. Dann hake ich meinen Still-BH zu. Ellas Mund setzt die Saugbewegungen noch ein wenig fort, bis sie richtig eingeschlafen ist. Ihre Lippen erstarren in einem vollkommenen "O".

Ich sollte sie hinlegen und die Zeit nutzen, solange sie schläft. Zehn Minuten? Eine Stunde? Wir sind noch weit von jedweder Routine entfernt. Routine . Das war das Losungswort für die neue Mutter, das einzige Gesprächsthema bei den Kaffeetreffen, zu denen mich die Gemeindeschwester verdonnert. Schläft sie schon durch? Du musst versuchen, ihr Schreien zu kontrollieren. Hast du Gina Ford gelesen?

Ich nicke, lächle und sage, ja, ich versuch's , ehe ich mich einer der anderen jungen Mütter zuwende. Jemand anderem. Weniger herrischem. Denn Routine ist mir egal. Ich will Ella nicht schreien lassen, während ich unten sitze und auf Facebook Beiträge zu "Albtraum Elternschaft" poste!

Es tut weh, nach einer Mutter zu schreien, die nicht kommt.

Das muss Ella noch nicht erleben.

Sie regt sich im Schlaf, und der permanente Kloß in meinem Hals schwillt an. Wach ist Ella meine Tochter. Wenn Freunde behaupten, Ähnlichkeiten mit mir zu sehen, oder sagen, wie sehr sie Mark ähnelt, erkenne ich es nie. Ich sehe Ella an und erkenne schlicht Ella. Schläft sie jedoch ... dann sehe ich meine Mutter. Unter diesen Babybäckchen verbirgt sich ein herzförmiges Gesicht, und der Haaransatz ist so ähnlich, dass ich schon vorhersehen kann, wie meine Tochter in Jahren stundenlang vor dem Spiegel stehen und versuchen wird, diesen einen kleinen Wirbel zu korrigieren.

Träumen Babys? Wovon können sie träumen, wenn sie so wenig von der Welt wissen? Ich beneide Ella um ihren Schlaf, und das nicht bloß, weil ich so müde bin, wie ich es vor meinem Baby nie erlebt habe, sondern weil mit dem Schlaf meine Albträume kommen. Sie zeigen mir, was ich unmöglich wissen kann. Mutmaßungen aus Polizeiberichten und den Akten des Untersuchungsgerichts. Ich sehe meine Eltern, ihre Gesichter vom Wasser aufgedunsen und entstellt. Ich sehe Angst in ihren Zügen, als sie von der Klippe stürzen. Ich höre ihre Schreie.

Manchmal ist mein Unterbewusstsein nett

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