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Deine letzte Stunde Thriller von Montero, Carlos (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Deine letzte Stunde

Elvira war hübsch, erfolgreich und bei Schülern und Kollegen gleichermaßen beliebt. Warum nur hat sich die junge Lehrerin in den Fluss gestürzt? Hat wirklich eine Gruppe von Schülern sie in den Tod getrieben, wie ihr Exmann behauptet? Elviras Nachfolgerin Raquel hat bald Grund genug, diese gewagte Hypothese zu glauben. Denn die Schüler scheinen mit ihr das gleiche perfide Spiel zu wiederholen. Auf erste Drohungen folgen handfeste Erpressungen - bis Raquel mit den Nerven am Ende ist ...

Carlos Montero wurde 1972 in der spanischen Region Galizien geboren, wo auch sein Roman Deine letzte Stunde spielt. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften in Madrid hat er sich als Drehbuchautor einen Namen gemacht. Neben mehreren Kurzfilmen war er an zahlreichen Fernsehserien und einer Kinoproduktion beteiligt. 2016 wurde Carlos Montero mit dem hochdotierten Premio Primavera de Novela ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 445
    Erscheinungsdatum: 30.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732560943
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: El desorden que dejas
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Deine letzte Stunde

Kapitel 2

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Gründe für den schlimmsten Stress folgende sind: der Tod eines geliebten Menschen, das Ende einer Liebesbeziehung und ein Umzug.

Der Tod eines geliebten Menschen: passt. Oder besser gesagt: passt genau.

Umzug: der, den mein Mann und ich gerade in Angriff nehmen. Wir geben unsere Wohnung im Montealto-Viertel von A Coruña auf, wo wir die letzten sechs Jahre gelebt haben.

Das Ende einer Liebesbeziehung: Das sehe ich kommen, wenn wir uns verdammt noch mal nicht einigen können, was wir wegwerfen und was wir behalten sollen.

"Diesen Mantel hast du nicht mehr angezogen, seit du auf der Uni warst."

"Den hat mir aber mein Vater geschenkt. Viele Erinnerungsstücke an ihn habe ich ja nicht."

"Germán, hatten wir nicht verabredet, dass es jetzt langsam reicht mit dem: 'Mein Vater ist vor Kurzem gestorben'?"

"Aber es ist doch nicht einmal vier Monate her ..."

"Okay, dann probier ihn mal an. Wenn du wirklich meinst, dass er dir noch steht, dann kommt er in die Umzugskisten."

Germán zieht ihn über und blickt in den Spiegel.

"Na, wie findest du ihn?", fragt er. Im Spiegel sieht er etwas, das ihm nicht gefällt, fährt sich mit der Hand übers Haar und seufzt missmutig. "Es werden immer weniger. Ich glaube, ich habe während der Monate im Krankenhaus viele verloren. Niemand sagt dir etwas über die Begleiterscheinungen, wenn dein Vater krank ist."

"Du wirst schon keine Glatze kriegen."

"Das will ich hoffen. Gefällt dir der Mantel?"

Ich schaue ihn an und weiß nicht genau, was ich antworten soll.

"Er sieht entsetzlich aus", gibt er sich geschlagen. "Hast du dich tatsächlich in mich verliebt, als ich dieses Ding anhatte?"

"Eher, als du es ausgezogen hast."

Germán beginnt, den Mantel mit übertrieben lasziven Bewegungen auszuziehen und trällert dabei eine anzügliche Melodie.

"Tut mir leid, die Wirkung ist nicht mehr die gleiche", sage ich mit gespieltem Ernst. "Mein Höschen ist ganz trocken."

Germán muss lachen. Ein ansteckendes Lachen. Vielleicht sind wir deshalb nach zwölf Jahren noch zusammen. Weil wir manchmal miteinander lachen können. Dabei fällt es mir seit der Geschichte mit seinem Vater von Tag zu Tag schwerer, ihm ein Lächeln zu entlocken. "Die Geschichte mit seinem Vater" ist nichts anderes als dessen Tod. Komisch, wie wir versuchen, den Tod aus unserem Leben herauszuhalten, sogar aus der Sprache. Die Geschichte mit seinem Vater.

Tere meint, ich klinge wie eine alte Schachtel, wenn ich über meine Beziehung zu Germán spreche. Eine alte Schachtel von mindestens fünfundvierzig. Sie findet nämlich alles alt, was oberhalb unseres eigenen Alters von vierunddreißig liegt. Deshalb hat sie sich jetzt darauf verlegt, mit ein oder zwei Typen pro Woche ins Bett zu steigen. Sie will das letzte Jahr nutzen, das ihr noch vor dem körperlichen Verfall bleibt. Ich antworte dann, dass ich immerhin schon seit dem zweiten Jahr an der Uni mit Germán zusammen bin. Zwölf Jahre liegen hinter uns, eine Hochzeit, zwei Fehlgeburten, der Tod seines Vaters, der Tod meiner Mutter, vier Umzüge, seine zweieinhalb Jahre ohne Job, die immer länger zu werden scheinen. Obwohl er nie zugeben würde, dass er arbeitslos ist. Eigentlich schreibt er ja, nur dass er nicht schreibt und, weil er nicht schreibt, immer depressiver wird. Dieser Beschreibung müsste man noch eine hässliche Geschichte hinzufügen, die wir beide aber lieber vergessen wollen. Wir versuchen das so sehr, dass ich manchmal denke, unsere Ehe beschränkt sich nur noch darauf: zu vergessen, was geschehen ist. Wir erwähnen es nicht mal mehr. Theoretisch haben wir es längst vergessen. Beide glauben wir verbissen, dass es ein gemeinsames Leben danach gibt, und das probieren wir jetzt auch. Vielleicht ist es bitter, das zuzugeben, aber der Tod meiner Mutter und der seines Vaters haben uns dabei geholfen,

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