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Der Abgrund so nah von Bosetzky, Horst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.03.2017
  • Verlag: Uksak E-Books
eBook (ePUB)
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Der Abgrund so nah

Seywald will seine Schwester in ihrer neuen Wohnung besuchen, nachdem er sich, gerade eben erst, mit ihr verabredet hatte. Er kommt jedoch zu spät ... Alles deutet auf einen Unfall hin, woran Seywald von Anfang an nicht glauben will. Er macht sich auf die Suche nach Beweisen für ein Verbrechen, und glaubt sie beim Bauunternehmer Piesarczik, dem Chef und Freund seiner Schwester gefunden zu haben. Aber niemand scheint ihm glauben zu wollen. Bis das Blatt eine ganz neue Wendung erfährt ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 70
    Erscheinungsdatum: 02.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783738908428
    Verlag: Uksak E-Books
    Größe: 755 kBytes
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Der Abgrund so nah

Roman

Seywald lief durch die Flure des ARIANE-Hochhauskomplexes wie ein Widerstandskämpfer, der versehentlich ins Hauptquartier der Sicherheitspolizei geraten ist. Jahrelang hatte er mit seinem Juso Arbeitskreis gegen diese Wohnmaschine gekämpft - nun war er selber hineingeraten, wenn auch aus familiären Gründen ... Was hatten sie nicht alles in ihren Flugblättern gegen dieses Abschreibungsobjekt geschrieben, das als Alterssicherung für Ärzte, Zahnärzte und Apotheker deklariert worden war: Kranke Menschen, kranke Gesellschaft, kranke Architektur. Denkmal des unbekannten Beutelschneiders. Der Anblick dieses Betonklotzes ist unerträglich - man kann ihm nur dadurch entgehen, dass man einzieht ... Bewirkt hatten sie mit ihren Aktionen nicht das geringste, abgesehen mal von zwei - allerdings im Sande verlaufenen - Parteiausschlussverfahren, was Seywald zu dem bissigen Kommentar: Recht hat immer Rechte! veranlasst hatte.

Nach Lage der Dinge schien es fast so, als wolle sich das Bauwerk jetzt an ihm rächen, denn nun irrte er schon seit zehn Minuten durch die endlosen Gänge und hatte das Apartment seiner Schwester immer noch nicht gefunden.

Als er dann endlich dank der Hilfe eines vorübereilenden Mannes ans Ziel gelangt war, tat sich auch auf wiederholtes Klingeln hin in der Wohnung drinnen nicht das Geringste. Daraufhin klopfte er, anfangs behutsam, dann kräftig, und schließlich hämmerte er mit beiden Fäusten gegen die Tür.

" Isolde - aufwachen!", rief er, und dann, langgezogen und energisch: "Isy ...!"

Nichts.

" Isy, aufmachen - ich bin's doch - Andreas!"

Wiederum nichts.

" Isy - aufmachen! Ich fahr doch nicht extra 'ne halbe Stunde her und steh dann hier wie ..."

Er brach ab, denn neben ihm war einer jener resoluten Concierge Typen aufgetaucht, vor denen manche Männer in manchen Situationen eine heillose Angst haben: Zu oft sind sie von ihnen damals als spielende Kinder, wenn's auch schon lange her ist, angeschnauzt und verjagt worden.

So war auch Seywald beim Anblick dieser geblümten Kittelschürze geradezu erstarrt, doch Frau Kühl - den Namen sollte er bald erfahren - war ein vergleichsweise gutmütiges Exemplar ihrer Gattung, obwohl sie ihn anfangs ganz schön anfauchte:

" Heh, nich' so 'n Lärm da, Sonnabendnachmittag, die Leute woll'n schlafen!"

" Ich krieg meine Schwester nicht wach", sagte Seywald zu seiner Rechtfertigung. "Vor 'ner Stunde hab ich sie noch von zu Hause aus angerufen - sie wollt sich nur noch 'n Moment hinlegen ..." Er begann wieder zu klopfen.

" Vielleicht isse noch mal schnell was einkauf'n gegangen?", vermutete die Kühl.

" Sie hat gesagt, sie hat schon alles fertig", sagte Seywald und korrigierte dann in echter Lehrermanier seinen sprachlichen Fauxpas: "Sie habe schon alles fertig."

" Man vergisst immer mal was."

" Aber das Radio ist doch an - hör'n Sie nicht?"

" Das bisschen Strom", sagte die Kühl. "Vielleicht isse nur mal schnell zu 'ner Freundin rum?"

" Hat sie denn hier eine?"

Die Kühl fuhr ihn geradezu an: "Sie ham vielleicht Nerven! Wir ham Hunderte von Leuten in dem Kasten hier woh'n, und da mein' Sie, ich weiß da genau, wer mit wem ...? Höchstens, dass sie mal wieder gegenüber bei Liebenhagen hockt."

" Liebenhagen?", wiederholte Seywald und sah sie fragend an.

" Herr Liebenhagen - 142a, paar Türen weiter. Irgend so 'n abgewrackter Prokurist; war früher mal bei der Funktional-Bau. Hat dauernd was mit 'em Kreislauf. Und wenn der mal flach liegt, sorgt sie für ihn. Über sechzig is' er ja auch schon."

" Ah so ..." Es klang erleichtert.

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