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Der Bote Ein Science-Fiction-Krimi von Rudolph, Dieter P. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.03.2014
  • Verlag: Conte Verlag
eBook (ePUB)
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Der Bote

'Noch einmal öffnete ich Södermanns Kladde und las in der akkuraten Schrift, wie ein solcher Brief zu beantworten sei. Ein leeres weißes Rechteck wurde sichtbar, ein dünner senkrechter Strich blinkte. Ich drückte eine Taste - auf dem Rechteck erschien ein 'e'. Ich lachte auf.' Das Jahr 2168 in Zeiten von Postkutschen und rationiertem Wasser. Im Weiler Bankies findet man die Leiche eines Unbekannten. Ein Kriminalrichter reist an, um den Fall zu untersuchen. Merkwürdiges geschieht, die Zeit fließt schneller, ein Strudel, der alles und jeden erfasst. Unter einem Schafstall summen Computer, unter Ruinen liegen Relikte einer merkwürdigen Vergangenheit. Dieter Paul Rudolph, 1955 in Blieskastel/Saar geboren, arbeitet als Literaturwissenschaftler und Multimedia-Entwickler, Kritiker, Herausgeber und Autor. Sein erster Kriminalroman 'Menschenfreunde' erschien 2008 im Shayol - Verlag. Er ist Herausgeber der zehnbändigen Reihe 'Criminalbibliothek 1850 - 1933,' Mitherausgeber der 'Krimijahrbücher' und als 'dpr' fleißiger Blogger im Internet (www.hinternet.de/weblog).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 170
    Erscheinungsdatum: 13.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956020254
    Verlag: Conte Verlag
    Serie: Conte Krimi Bd.29
    Größe: 2816 kBytes
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Der Bote

Erster Mord

W ach. Es stinkt nach Schafscheiße. Schnell auf und das Ge-sicht in die Waschschüssel getunkt. Ah! Kalt! Wasser abschüt-teln und runter, rasch, rasch, komm. Angeekelt einen Blick auf meine Umrisse im Heu, dunkler als das Zeug drum herum, wahrscheinlich nass. Klar doch: nass. Möchte gar nicht wissen, wie das riecht. Schon hell draußen?

Es dämmert. Gut so.

Unten wird zuerst die Kaffeemaschine eingerichtet, einge-schaltet, dann der Laptop hochgefahren. Beides geht viel zu langsam – Geduld, Geduld, ich müsste mehr Geduld haben! Sagt sich so. Immerhin: Der Generator brummt gleichmäßig und diskret, ist da oben nicht zu hören. Keine Gefahr.

So. Jetzt warten. In der Zwischenzeit: Einwählen, Emails checken. Auch wieder eine Ewigkeit. Klack, klack, klack, mit den Fingern auf die Tischplatte musiziert. Endlich: der Kaffee ist durch. Die erste Tasse in drei, vier großen Schlucken, dass ich mir die Zunge daran verbrenne.

Was Wichtiges im Mailfach? Die übliche Erinnerung aus der Zentrale: Au-gen-auf! Ja, ja. Augen auf. Ihr habt leicht reden.

Keine Unterschrift. Soll ich eine Antwort tippen? Nee, oder? Doch? Wird erwartet, ja, ja, ja. Aber an wen eigentlich? Den Priester? Den Silberkopf – lass ihn das bloß nicht hören ...? Die Quatschtante – äh ... die Stirnumkränzte?

"Alles unter Kontrolle. Planmäßiger Gang der Dinge. Herzliche Grüße!"

"Herzliche Grüße" streichen. Die sind imstande und drucken das aus und heften das ab. Man macht sich zum Gespött der Nachwelt ... Issn das da?

Ha! Der Programmierer hat ein neues Spiel geschickt! Der weiß, was ich brauche! Space Car Race , ohne Bindestriche, der hats nicht so mit Sprache. Muss er auch nicht. Heißt race nicht auch "Rasse"? Doch, gelt? Komisch.

Also, was haben wir denn da. Mit 200000 Sachen die Sekunde durch x-beliebige Galaxien gerast, aufpassen, feindliche Flotten aus bizarren Fahrzeugen, Sternbarrieren als Hindernisse, schwarze Löcher – tilt. Planeten kaputtballern, unbewohnte zehn Punkte, bewohnte hundert. Um die Kugeln kurven, möglichst dicht, aufpassen, dass dich die Schwerkraft nicht ins Nirwana katapultiert oder mitten ins Herz des Bösen, wo sie einen mit ihren Bomben zupflastern. Wer 10 000 Punkte hat, gewinnt.

Ja, nett. Heute Abend mal in aller Ruhe durchhecheln. Kann man das auch zu mehreren spielen? Übers Netz? Müsste eigentlich. Klar, müsste eigentlich.

Jetzt noch einen Kaffee und kräftig durchatmen. Ein Stück von diesem furchtbaren Brot mit der ranzigen Margarine. Bäh! Kaut sich vor lauter Abscheu von alleine.

Und wieder hoch. Und wieder die Schafscheiße. Gewöhnt man sich denn nie daran? Die Biester sind auch wachgeworden in ihrem Pferch und blöken hysterisch nach Atzung. Der Hund knurrt, auch noch schlaftrunken, der. Es ist hell draußen, man sieht's jetzt im Fensterrahmen funkeln und glitzern. Die Klamotten anziehen und raus.

Schafe hüten.

Am frühen Nachmittag des 20. August 2168 hielt Extrapost vor der Station des Weilers Bannkies. Ich, einziger Fahrgast, stieg aus. Der Kutscher sprach leise zu seinen nassen Tieren, ich verstand nicht, was er sagte. Der Ort kam mir menschenleer vor. In der Station bewegte sich nichts, die Fensterläden waren geschlossen, dahinter kein Geräusch.

"Zum Bürgermeister?", fragte ich den Kutscher. Dieser sagte, ohne mich anzusehen: "Da den Berg hoch. Die Bäckerei." Und redete dann weiter auf die Pferde ein.

Man hatte hier einen Menschen getötet. Die Leiche, die man am Morgen des 11. August

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