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Der Kaufmann und die Unbeugsame Ein historischer Kriminalroman aus dem Herzogtum Jülich-Cleve von Wander, Daniela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.06.2018
  • Verlag: Emons
eBook (ePUB)
9,49 €
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Der Kaufmann und die Unbeugsame

Die faszinierende Geschichte einer Frau in der Frühen Neuzeit, die ihr Geschick in die eigene Hand nimmt. Düsseldorf, April 1541. Walther von Doncerbosch, Mitglied des herzoglichen Hofstaats, wird mit durchgeschnittener Kehle in einem Klostergarten aufgefunden - und der Düsseldorfer Hof sucht gleichermaßen schockiert wie entzückt nach Verdächtigen. Grund, ihm den Tod zu wünschen, haben viele: seine Verlobte Jolanda, die ihren Zukünftigen von Herzen verabscheute, oder auch Conrad Franckh, mit dem ihn dunkle Geschäfte verbanden. Um nicht unter die Räder der hastig geführten Ermittlungen zu geraten, nehmen Jolanda und Conrad die Sache selbst in die Hand.

Daniela Wander wurde in Köln geboren, wo sie aufwuchs und Jahrzehnte gelebt hat. Nach dem Studium der Kunstgeschichte und Ethnologie in Hamburg und Köln arbeitete sie zehn Jahre als Kunstexpertin in einem großen Versicherungsunternehmen. Heute wohnt sie mit ihrem Mann in Düsseldorf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 28.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960413660
    Verlag: Emons
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Der Kaufmann und die Unbeugsame

1. KAPITEL

Wenn es zu schlimm wurde, flüchtete Jolanda ins Damenstift nach Gerresheim. In der letzten Zeit kam das öfter vor.

Die Kanonissen lebten nur einen gemächlichen halbstündigen Weg von Düsseldorf entfernt. Wann immer sie wollte, konnte sie sich die Zeit nehmen, dorthin zu reiten, sie hatte kaum Aufgaben im Schloss. Solange Herzog Wilhelm noch allein und nicht verheiratet war, gab es für seine Hofdamen wenig zu tun.

Das Kloster war dem heiligen Hippolytus geweiht, aber natürlich gab es in der Stiftskirche auch eine Muttergottes. Es gab immer eine Muttergottes. Hier war sie klein und ein bisschen unscheinbar, aber Jolanda war sicher, darauf kam es nicht an. Die Mutter des Herrn Jesus Christ hatte viel bewirkt. Sie hatte den Retter der Welt geboren.

Es war nicht undenkbar, dass sie auch zur Rettung des schlichten Erdenkindes Jolanda von Auerbroich eilen würde.

Mit Herzensdingen kannte Maria sich aus. Jolanda nicht so sehr. Sie wusste nur eines ganz gewiss: Sie wollte Walther von Doncerbosch nicht heiraten. Ihr Herz anderweitig verschenkt hatte sie allerdings nicht, an niemanden. Noch nie. Sie wollte es auch gern behalten.

Sie würde es behalten. Nur weil ihr Vater es für richtig befand, ihre Hand in Doncerboschs zu legen, musste sie ihn ja nicht lieben. Weder den einen noch den anderen. Männer dachten stets, sie wüssten am besten, was gut für Frauen war, insbesondere für ihre Töchter. Jolanda war sich da nicht so sicher. Sie und ihr Vater kamen nicht besonders gut miteinander aus, standen sich nicht nahe, hatten es noch nie getan. Hermann von Auerbroich wusste nicht viel mit ihr anzufangen. Seine Frau war zu früh gestorben, um für einen Stammhalter zu sorgen, sie hatte ihm nur Jolanda geschenkt. Das nahm er übel. Seiner verstorbenen Gattin ebenso wie seiner Tochter.

So gesehen blieb alles beim Alten, wenn sie Doncerbosch heiratete. Der schien sich aus Frauen im Allgemeinen und ihr im Besonderen auch nicht viel zu machen.

Es war schwer, sich vorzustellen, das Leben, die Zukunft mit einem Menschen zu teilen, den sie nicht gut kannte. Das Wenige, was sie über ihn wusste, war nicht sehr angenehm. Doncerbosch trat auf als ein herrischer Mann von großem Selbstbewusstsein und geringem Humor, ein Mensch, in dessen Zentrum er selbst ruhte und der es nicht gewohnt war, sich auf andere einzustellen. Kaum anzunehmen, dass er sich seiner Gemahlin gegenüber umgänglich verhalten würde. Womöglich nicht einmal höflich.

Die Muttergottes, geschnitzt aus grobporigem Lindenholz, fristete ihr Dasein ein bisschen verhuscht und nahezu unbeachtet in einem dämmrigen Winkel. Hilf mir, dachte Jolanda. Ich brauche deinen Beistand. Unbedingt. Sie hatte damit aufgehört, konkrete Wünsche in Worte zu fassen. Die Muttergottes ahnte bestimmt auch so, was sie meinte.

Doncerbosch sollte von seinem Eheversprechen zurücktreten. Ganz einfach. Nicht mehr und nicht weniger. Der damit verbundene Gesichtsverlust war Jolanda egal.

Das Problem war nur, dass er ihrem Vater nicht egal war. Außerdem hielt er Doncerbosch für eine passende Partie. Der Mann war ein hochrangiger Diplomat, rückte beharrlich und eifrig immer näher an Herzog Wilhelm heran, und es war nur eine Frage der Zeit, bis er wirklich bedeutend wurde. Die nun anstehende herzogliche Hochzeit ging auf eine Anregung von ihm zurück. Gut, andere hatten verhandelt, erst im Stillen, dann immer öffentlicher, die Organisation lag ebenfalls nicht in seinen Händen - doch die Idee war die seine gewesen. Walther von Doncerbosch hatte die Saat gestreut, und sie war aufgegangen.

Doncerbosch hatte den Einfluss und Hermann von Auerbroich das Geld.

Jolanda seufzte still. Töchter hatten zu gehorchen. Vielleicht war das gut so. Vielleicht hatten Väter tatsächlich mehr Einblick in Dinge, die ihre Kinder nicht durchschauen konnten. Es war dumm, sich gegen die

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