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Der Kreidemann Thriller von Tudor, C. J. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.05.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Der Kreidemann

Alles begann an dem Tag, an dem sie auf den Jahrmarkt gingen. Als der zwölfjährige Eddie den Kreidemann zum ersten Mal traf. Der Kreidemann war es auch, der Eddie auf die Idee mit den Zeichnungen brachte: eine Möglichkeit für ihn und seine Freunde, sich geheime Botschaften zukommen zu lassen. Und erst einmal hat es Spaß gemacht - bis die Figuren sie zur Leiche eines jungen Mädchens führten. Das ist dreißig Jahre her, und Eddie dachte, die Vergangenheit liegt hinter ihm. Dann bekommt er einen Brief, der nur zwei Dinge enthält: ein Stück Kreide und die Zeichnung eines Strichmännchens. Und als die Geschichte beginnt, sich zu wiederholen, begreift Eddie, dass das Spiel nie zu Ende war ...

C.J. Tudor wuchs auf in Nottingham, wo sie auch heute mit ihrem Lebensgefährten und ihrer kleinen Tochter lebt. Im Lauf der Jahre hatte sie eine Vielzahl von Jobs, unter anderem als Synchronsprecherin, Werbetexterin, TV-Moderatorin und Dogwalkerin. Ihr erster Thriller 'Der Kreidemann', ebenfalls im Goldmann Verlag erschienen, sorgte international für Furore und wurde in 40 Länder verkauft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 29.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641214159
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Chalk Man
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Der Kreidemann

1986

"Heute gibt's ein Gewitter, Eddie."

Mein Dad liebte es, mit seiner tiefen autoritären Stimme das Wetter vorherzusagen, wie die Leute im Fernsehen. Er sprach jedes Mal mit absoluter Überzeugung, auch wenn er meist danebenlag.

Ich sah aus dem Fenster in den vollkommen blauen Himmel, so strahlend blau, dass man blinzeln musste.

"Sieht mir nicht nach einem Gewitter aus, Dad", sagte ich mit einem Bissen Käsesandwich im Mund.

"Weil es keins geben wird", sagte Mum, die plötzlich lautlos wie ein Ninja-Krieger in die Küche gekommen war. "Die BBC sagt, das ganze Wochenende wird warm und sonnig ... und sprich nicht mit vollem Mund, Eddie", fügte sie hinzu.

"Hmmmm", machte Dad, wie immer, wenn er anderer Meinung war als Mum, ihr aber nicht zu widersprechen wagte.

Niemand wagte Mum zu widersprechen. Mum war - und ist - irgendwie unheimlich. Sie war groß, hatte kurzes dunkles Haar und braune Augen, die vor Vergnügen funkeln konnten oder fast schwarz wurden, wenn sie wütend war (und ähnlich wie den unglaublichen Hulk wollte niemand sie wütend machen).

Mum war Ärztin, aber keine normale Ärztin, die den Leuten wieder ihre Beine annähte oder einem irgendwelche Spritzen gab. Dad hat mir mal erzählt, dass sie "Frauen hilft, die in der Klemme sind". Was genau das sein sollte, sagte er nicht, aber ich nahm an, es musste schon was ziemlich Schlimmes sein, wenn man dafür einen Arzt brauchte.

Dad arbeitete auch, aber von zu Hause aus. Er schrieb für Zeitschriften und Zeitungen. Doch nicht immer. Manchmal stöhnte er, niemand wolle ihm Arbeit geben, oder meinte mit bitterem Lachen: "Diesen Monat einfach nicht mein Publikum, Eddie."

Als Kind kam es mir nicht so vor, als hätte er einen "richtigen Job". Nicht für einen Dad. Ein Dad sollte Anzug und Krawatte tragen und morgens zur Arbeit gehen und abends zum Essen nach Hause kommen. Mein Dad ging zur Arbeit ins Gästezimmer und setzte sich manchmal sogar ungekämmt in Schlafanzug und T-Shirt an den Computer.

Mein Dad sah auch nicht aus wie andere Dads. Er hatte einen Zottelbart und lange, zu einem Pferdeschwanz gebundene Haare. Er trug abgeschnittene Jeans mit Löchern drin, sogar im Winter, und verwaschene T-Shirts mit den Namen alter Bands wie Led Zeppelin oder The Who. Manchmal trug er auch Sandalen.

Fat Gav nannte meinen Dad einen "beknackten Hippie". Wahrscheinlich hatte er damit recht. Aber damals empfand ich das als Beleidigung und schubste ihn, worauf er mich brutal zu Boden stieß und ich zerschrammt und mit blutiger Nase nach Hause wankte.

Später vertrugen wir uns natürlich wieder. Fat Gav konnte ein richtiger Mistkerl sein - einer dieser Fettklöße, die immer die Lautesten und Fiesesten sein müssen, um die echten Schlägertypen auf Abstand zu halten - aber er war auch einer meiner besten Freunde und so treu und großzügig wie sonst keiner, den ich kannte.

"Kümmere dich um deine Freunde, Eddie Munster", sagte er einmal feierlich zu mir. "Freunde sind das Wichtigste."

Eddie Munster war mein Spitzname. Weil ich mit Nachnamen Adams hieß, wie in Addams Family . Natürlich hieß der Junge in der Addams Family Pugsley, und Eddie Munster war aus The Munsters , aber damals schien es irgendwie logisch und blieb, wie es mit Spitznamen so geht, an mir hängen.

Eddie Munster, Fat Gav, Metal Mickey (wegen seiner riesigen Zahnspange), Hoppo (David Hopkins) und Nicky. Das war unsere Gang. Nicky hatte keinen Spitznamen, weil sie ein Mädchen war, auch wenn sie sich alle Mühe gab, das zu verbergen. Sie fluchte wie ein Junge, kletterte auf Bäume wie ein Junge und prügelte sich fast so gut wie die meisten Jungen. Aber sie sah schon wie ein Mädchen aus. Ein echt hübsches Mädchen mit langen roten Haaren und blasser Haut voller Sommersprossen. Nicht dass mir das wirklich aufgefallen wäre oder so.

An diesem Samstag waren wir verabredet. Samstags

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