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Der Kurier von Berndorf, Jacques (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2011
  • Verlag: Grafit Verlag
eBook (ePUB)
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Der Kurier

Ulrich Steeben, zehn Millionen Dollar und fünfzig Pfund reines Kokain sind wie vom Erdboden verschluckt. Froh, dem eingefahrenen Alltagstrott zu entkommen, willigt der Journalist Jobst Grau ein, Al White vom amerikanischen Geheimdienst bei der Suche nach dem verschwundenen Drogenkurier zu helfen. Grau macht die Bekanntschaft des zwielichtigen Berliner Nachtklubkönigs Timo Sundern und dessen Exfrau Meike Kern. Beide kennen Steeben gut - Meike ist seine aktuelle Geliebte -, doch sie behaupten, nichts über dessen Verbleib zu wissen.Dafür muss Grau schmerzhaft erfahren, dass er zwischen mehreren Fronten steht - was die Frage aufwirft: Auf welcher Seite steht White? Jacques Berndorf - Pseudonym des Journalisten Michael Preute - wurde 1936 in Duisburg geboren und lebt heute in der Eifel. Er war viele Jahre als Journalist tätig, arbeitete unter anderem für den 'stern' und den 'Spiegel', bis er sich ganz dem Krimischreiben widmete. Seine Siggi-Baumeister-Geschichten haben Kultstatus, im Grafit Verlag sind erschienen: Eifel-Blues, Eifel-Gold, Eifel-Filz, Eifel-Schnee, Eifel-Feuer, Eifel-Rallye, Eifel-Jagd, Eifel-Sturm, Eifel-Müll, Eifel-Wasser, Eifel-Liebe, Eifel-Träume und Eifel-Kreuz. Außerdem lieferbar: Die Raffkes und Der Kurier (beides Politthriller).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 311
    Erscheinungsdatum: 26.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783894258160
    Verlag: Grafit Verlag
    Größe: 375 kBytes
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Der Kurier

Onkel Hermann spricht aus dem Off

Es ist still. Ich bin wütend und hilflos. Normalerweise gehe ich in solchen Momenten hinaus auf den Flur, laufe irgendjemand über den Weg, schwätze ein paar Worte oder steige in den Aufzug, fahre hinunter in die Cafeteria, trinke etwas, sehe irgendwelche Leute, rede belangloses Zeug und spüre, wie sich die Spannung in meinem Bauch langsam aufzulösen beginnt.

Heute funktioniert diese Taktik nicht, das riesige Gebäude ist leer, nirgendwo ein Mensch. Mit Sicherheit hocken ein paar Bundesbedienstete in einem Gemeinschaftsraum im Keller und trinken behaglich eine Flasche Bier. Wahrscheinlich grinsen sie über mich und fragen sich scheinheilig: Wie kann sich ein Abgeordneter in der Silvesternacht mit seinen Scheißakten beschäftigen?

Nein, nein, das werden sie nicht fragen, denn sie sind abgebrüht. Sie haben die Damen und Herren sinnlos betrunken erlebt, weinend oder haltlos schreiend, nur weil sie lächerliche Machtpositionen verloren haben. Nein, sie kann nichts mehr erschüttern, nicht einmal ein Geschlechtsakt auf dem Flur zwischen Bündnis 90/Die Grünen und Christlich-Sozialer Union.

So etwas soll sich unlängst ereignet haben, nachts um drei. Der die Stille kontrollierende Bedienstete hat blubbernd vor Vergnügen nur verlauten lassen: "Oh, Verzeihung, ich wusste nicht, dass Sie noch arbeiten."

Die Dame von den Alternativen hat hysterisch gekreischt, und der Christlich-Soziale war augenblicklich impotent. Sic transit gloria mundi.

Ich habe mir für ein paar hundert Mark diese Schreibmaschine gekauft, eine japanische Brother AX, das meistgekaufte Modell der Welt. Ich will nicht, dass man mich über solche Lächerlichkeiten wie Papier und Schreibmaschinentyp identifizieren kann, denn garantiert wird mich eine Horde von Journalisten suchen.

Ich kann jetzt schon mit Sicherheit voraussagen, dass der Generalbundesanwalt dieses Manuskript Zeile für Zeile untersuchen lassen wird: Hat da jemand das Vaterland verraten? Selbstverständlich werde ich als Nestbeschmutzer gelten, und ebenso selbstverständlich wird jemand auf die Idee kommen, mir nachzusagen, ich hätte Millionen für diesen Bericht kassiert. Die Boulevardzeitungen werden titeln: Bonn zittert.

Der Verkäufer der Schreibmaschine hat versichert, dieser Typ sei robust, nicht kaputtzukriegen und im Falle eines Falles leicht zu reparieren. Seltsamerweise habe ich erwartet, dass dieses Maschinchen nahezu lautlos das Papier mit Zeichen belegt. Das ist nicht so. Es rattert enorm in die Stille, aber es vermittelt mir immerhin das Gefühl, wirklich zu arbeiten.

Drüben auf der anderen Rheinseite vor dem niedrig hingestreckten Buckel des Siebengebirges schießen die ersten Raketen hoch. Väter werden ihre Söhne anschreien: "Kannst du denn nicht bis Mitternacht warten?" Was liegt dort drüben eigentlich? Das südliche Ende von St. Augustin? Ist das Oberdollendorf oder Vinkel? Ich weiß es nicht, ich arbeite seit zwei Jahrzehnten hier und weiß es nicht.

Ich bin sehr unsicher, oder besser gesagt: Ich schwanke. Soll ich diese Schmuddelgeschichte öffentlich machen oder schweigen? Zuweilen schießen mir Formulierungen in den Sinn, wie etwa: "Sie waren verdammt gründlich, sie setzten ein Zeichen. Sie schnitten ihm den Schwanz und die Hoden ab und stopften sie ihm in den Mund." Ich weiß, das klingt schockierend, und ich weiß, das hat etwas von klebriger Effekthascherei. Aber das war eine Realität in einer ganzen Kette brutaler Realitäten, und es geschah in dieser Welt.

Wenn ich Ihnen versichere, dass ich wütend bin, so hat das viele Gründe. Wütend bin ich, dass das alles überhaupt passiert ist, weil Behörden versagten, weil wie üblich jeder jedem die Verantwortung zuschob, um die eigene Haut zu retten. Wütend bin ich auch, weil der Untersuchungsausschuss des Bundestages so elegant am Rande der Wahrheit entlangtänzelte und dabei jede einfache Erkenntnis unter Wortblasen verbarg. Und wüt

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