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Der letzte Pilger Kriminalroman von Sveen, Gard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.02.2016
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Der letzte Pilger

Ausgezeichnet als bester Krimi Skandinaviens Es ist Frühling in Oslo, als ein grausames Verbrechen geschieht: Der ehemalige Widerstandskämpfer Carl Oscar Krogh wird brutal ermordet. Während des Krieges stand er stets auf der richtigen Seite. Wer bringt einen Mann um, den alle bewundern? Kurz zuvor findet man in der Nordmarka drei Leichen. Unter ihnen ein kleines Mädchen. Kommissar Tommy Bergmann, scharfsinnig, klug und ein Selbsthasser voller innerer Abgründe, sieht einen Zusammenhang: Die Toten stehen in Verbindung zu Agnes Gerner, einer Agentin des Widerstandes. Je mehr Tommy Bergmann über die schöne und hochintelligente Frau herausfindet, umso gefährlicher erscheint sie ihm. 'Gard Sveen beherrscht die Kunst des Krimischreibens. Beeindruckendes Debüt eines Autors, der gekommen ist, um zu bleiben. Lesen Sie dieses Buch!' Anne Holt Gard Sveen, geboren 1969, ist Staatswissenschaftler und hat viele Jahre als Seniorberater im norwegischen Verteidigungsministerium gearbeitet, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Der erste Band der Serie um Tommy Bergmann DER LETZTE PILGER wurde mit dem Rivertonpreis 2013 und dem Glass Key Award 2014 ausgezeichnet, dem wichtigsten skandinavischen Krimipreis. Gard Sveen lebt in Ytre Enebakk, einem kleinen Ort in der Nähe von Oslo.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 26.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843712569
    Verlag: Ullstein
    Serie: Tommy Bergmann 1
    Größe: 1315 kBytes
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Der letzte Pilger

Montag, 28. Mai 1945

Jørstadmoen

Stalag 303

Milorg-Offizier Kaj Holt blieb auf dem Appellplatz stehen und betrachtete einen Moment lang die Baracken. Dann warf er einen Blick zurück zu dem Tor, durch das er eingetreten war, als wollte er sich vergewissern, dass er jederzeit umkehren könnte.

Wie war das noch? Man sollte niemals eine Frage stellen, auf die man keine Antwort will. Vielleicht war es besser, bestimmte Dinge nicht zu wissen, sich einfach damit abzufinden und weiterzuleben, so wie die meisten Menschen es taten. Nur dass er kein Leben mehr hatte, das er weiterleben konnte. Der Krieg in ihm würde nie zu Ende gehen.

"Es wäre das Beste gewesen, sie hätten dich auch erwischt", murmelte Kaj Holt. Die Worte seiner Frau.

Wenige Minuten nachdem sie das zu ihm gesagt hatte, war er einfach gegangen, hatte Frau und Kind, all das, was ihn die letzten fünf Jahre am Leben gehalten hatte, zurückgelassen. In der ersten Nacht hatte er draußen geschlafen, es war wie eine Befreiung gewesen.

Er schüttelte die Erinnerungen ab und zog den Vernehmungsbefehl aus der Seitentasche seiner Uniformjacke, faltete das Papier auseinander und las, was er selbst in das Formular eingetragen hatte.

Hauptsturmführer Peter Waldhorst. Sipo Abteilung IV . Außendienststelle Lillehammer. Ganz unten auf dem Zettel seine eigene Unterschrift. Eine Handvoll Menschen wusste, dass er in Lillehammer war, niemand aber, wo genau. Es waren auch nur einige wenige eingeweiht, dass eine Gruppe deutscher Offiziere in das Lager verlegt worden war, in dem sich noch immer eine große Zahl russischer Kriegsgefangener befand.

Abteilung IV , dachte er. Der offizielle Name der Gestapo wirkte so harmlos. Typisch deutsch, die Hölle hinter den Zahlen der Bürokratie zu verstecken.

Weiter oben im Tal war ein kräftiger Donner zu hören, ungewöhnlich für den norwegischen Frühling.

Er faltete das Blatt umständlich wieder zusammen und steckte es zurück in die Tasche. Der dichte Regen drang bereits durch seine Uniform. Er hastete zu dem Gebäude vor sich, doch statt einzutreten, blieb er unter dem Dachvorsprung stehen, um noch ein wenig Zeit zu gewinnen. Er fischte eine schwedische Zigarette aus seiner Hemdtasche, bald würde er nur noch schwedische Sachen haben. Das Nikotin half ihm, sich zu sammeln. Sein Puls wurde langsam ruhiger.

Wie eine Sintflut, dachte er, als die dicken Tropfen auf die Erde klatschten und braun-schäumend wieder aufspritzten. Wollte der Schöpfer sie für ihre Sünden ersäufen? Schließlich war niemand, absolut niemand frei von Schuld. Auch er hatte Menschen auf dem Gewissen, die ihn Nacht für Nacht verfolgten, obwohl alles längst vorüber war: Junge, Alte, Väter, eine junge Mutter, gerade neunzehn Jahre alt. Ihr kleiner Sohn hatte zu schreien begonnen, als Kaj Holt die Treppe nach unten geschlichen war. Noch heute hörte er das Weinen hinter der dünnen Tür, sah den Jungen allein im Bett, während die Mutter, selbst noch ein Kind, in einer Blutlache auf dem Boden lag.

Niemand ist frei von Schuld.

Er dachte, dass er diesen Satz eigentlich auf einem Stück Papier festhalten und zu den anderen Zetteln legen sollte, die er in den letzten fünf Jahren geschrieben hatte. Diese Notizen waren so etwas wie seine Memoiren. Auf einmal wurde ihm bewusst, dass er die in einem Schuhkarton gesammelten Zettel zurückgelassen hatte. Er hatte einfach nicht daran gedacht, als er vor anderthalb Wochen Frau und Kind verlassen hatte und aus seinem bisherigen Leben verschwunden war, unmittelbar vor dem Nationalfeiertag am 17 . Mai, dem ersten in Freiheit seit 1939 . Wenn er den Karton, der in einem Schrankkoffer mit alten Kleidern auf dem Dachboden in der Thereses gate versteckt war, nicht holte, würde das alles nie einer zu Gesicht bekommen.

Kaj Holt zuckte zusammen, als ein Dodge

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