text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Liebe Last von Holst, Evelyn (eBook)

  • Verlag: Virulent
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Liebe Last

Ist es nur der übliche Familienstreit in einer noblen Hamburger Villengegend? Der gefühlskalte Ehemann, die geschlagene Ehefrau und verhaltensauffällige Kinder. Ein rotes Tuch für die Kommissarin Alex Martini, denn ihr Interesse an dem Fall ist nicht nur rein beruflich. Doch die Verhaftung des Ehemanns ist der Beginn einer Tragödie ... Evelyn Holst hat dreizehn Jahre für den Stern gearbeitet, davon fünf in New York als Korrespondentin. Seit über zehn Jahren schreibt sie vorwiegend Romane und Drehbücher. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 242
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864740374
    Verlag: Virulent
    Größe: 567 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Liebe Last

5 . K a p i t e l

Dr. Titia Bohm öffnete die Tür zu ihrem Wartezimmer und erbleichte, obwohl es dafür keinen Grund gab. Es war rappelvoll wie jeden Tag, und, wie es schien, mit besonders anstrengenden Müttern. In den nunmehr zehn Jahren Praxis als Kinderärztin hatte sie für sich die drei wesentlichen Mütterkategorien herausgearbeitet.

Nummer eins: die überforderte Prolomutter. Sie hatte Kinder, weil sie zu faul für die Verhütung war, aber einen starken Sexualtrieb hatte. Ihre Wohnung glich meist einer Müllhalde, die Väter flohen deshalb kurz nach dem Zeugungsakt. Ihre Kinder . (zahlreich) waren völlig undiszipliniert, hatten schwarze Trauerränder hinter Ohren und Fingernägeln, reagierten aber auf freundliche Ansprache oft unerwartet friedlich, fast dankbar. Diese Kinder kamen häufig mit Kriegsverletzungen - Kratz-Biss-Schürf-Beiß -, aber nur, wenn sie bereits eiterten. "Ich greif ein, wenn Blut spritzt, eher nicht", hatte eine dieser Mütter einmal zu Dr. Bohm gesagt. Spätestens in der Pubertät entschied sich dann, ob sich diese Kinder - a. - zu Frühkriminellen oder - b. - zu frühen Müttern entwickeln würden, c. gab es nicht.

Nummer zwei: das ökologische Muttertier, aus Gründen von nervlicher Überbelastung des männlichen Partners auch oft allein erziehend. Ihr Credo war die möglichst schadstofffreie Aufzucht ihrer Brut, ihr Kennzeichen deshalb selbstgewirkte und gebatikte Kleidung, in denen die armen Kinder wirkten wie vom Wollmüslibasar entsprungen. Obwohl es in diesen Haushalten keinen Fernseher, geschweige denn Gameboys, Nintendos oder Kriegsspielzeug gab, keine "aggressionsfördernden Süßigkeiten", waren diese Müslikinder meist genauso gewalttätig wie die Randgruppenbrut, oft sogar noch mehr. Dr. Titia Bohm war der unbewiesenen Meinung, dass eine Dauerdiät von Tofu, Vollkorn und Biogemüse zu Aggressionsstaus führen müsse.

Die Ökomutter kam auch nur, "wenn Blut fließt", das heißt, bei Knochen- und Genickbrüchen, alles andere kurierte sie selbst mittels Ökofibel; legte heiße Zwiebelscheiben auf entzündete Ohren, kochte Rosmarintee bei hohem Fieber. Der allerallerschlimmste Begriff im Vokabular der Müslimami, schlimmer als Kinderschänder, schlimmer als Hundequäler, schlimmer als Saddam Hussein war "Apparatemedizin". Deswegen musste Dr. Bohm bei jeder Röntgenaufnahme, jedem Ultraschall und jeder Narkose stundenlange Überzeugungsarbeit leisten. Deswegen wohnte sie immer noch in ihrer alten Studenten-WG, wenn auch in mittlerweile zwei durch eine Schiebetür verbundenen Zimmern. Und eigene Kinder konnte sie sich auch noch nicht leisten.

Am liebsten waren der Kinderärztin deshalb die Mütter Nummer drei: die Normalos. Kennzeichen waren bequeme Kleidung, praktische Frisur, leicht überfordert, aber mit Humor. Sie nahmen weder sich noch ihre Kinder übertrieben ernst. Sorgten dafür, dass es den Kindern, an langer Leine, gut ging, sorgten ebenfalls dafür, dass es ihnen selber auch gut ging.

Sie waren im Gegensatz zu Nummer eins und Nummer zwei in ihrem Muttersein entspannt und selbstsicher. Leider schien diese Kategorie Mütter langsam auszusterben. Und die Kinder dieser Mütter kamen selten, weil sie nur selten krank waren.

An diesem Tag erblickte Dr. Titia Bohm nur Mütter von Kategorie Eins und Zwei in ihrem Wartezimmer. Zwei feindliche Lager, rechts die Müslis, links die Prolos. Nur die Kinder spielten friedlich mit dem Inhalt einer großen Plastiktruhe, der Deckel war aus Holz, um beiden Mütterlagern gerecht zu werden. Titia Bohm entsorgte ihren gesamten Hausratsmüll . (bis auf spitze oder scharfe Gegenstände) in dieser Kiste, und sie war der große Hit bei den Kindern.

"Der oder die Nächste bitte", rief sie ins Wartezimmer und ging schnell aufs Klo. Als sie ins Sprechzimmer zurückkam, saß dort eine Frau, die sie noch nie gesehen ha

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen